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Lunchkonzerte: Musik kann Demenzkranken helfen

Mit Lunchkonzerten ermöglicht das Luzerner Sinfonieorchester auch Demenzkranken den Zugang zu klassischen Konzerten. Wie hochkarätig die Wiedergaben ausfallen können, zeigte das junge und international erfolgreiche deutsche Goldmund-Quartett.
Fritz Schaub
Das Goldmund-Quartett aus Deutschland. (Bild: PD)

Das Goldmund-Quartett aus Deutschland. (Bild: PD)

Der gemeinsamen Initiative des Luzerner Sinfonieorchesters und der Arthur-Waser-Stiftung ist es zu verdanken, dass pro Saison im KKL fünf Lunchkonzerte veranstaltet werden. Sie sind Teil des umfangreichen Vermittlungsprogramms, zu dem auch Angebote für Familien, Kinder und Schulklassen, der Musikwagen und die jüngsten Musikformate Blind Date (Mitglieder des Luzerner Sinfonieorchesters spielen gratis in der Seebar oder im Kunstmuseum-Café) und Club U 25 (Junge zwischen 16 und 25) gehören. Bei drei der allgemein zugänglichen Lunchkonzerte wird eine Einführung für Demenzkranke und ihre Begleitpersonen geboten. So fanden sich am Freitag eine Stunde vor Konzertbeginn rund 30 angemeldete Personen im Probelokal des KKL ein, wo Madeleine Burkhalter, Bratschistin im Luzerner Sinfonieorchester, launig und leicht fasslich auf das Konzert einstimmte.

Musik hören kann Hirnbereiche anregen

Sie ist für diese Tätigkeit prädestiniert, weil sie eine Masterarbeit über den Einfluss von Musik auf Demenzkranke verfasst hat. Auch konnte sie Erfahrungen im Umgang mit Demenzkranken und deren Reaktionen auf Musik sammeln, indem sie in Altersheimen musizierte. Dabei machte sie im engen Kontakt mit den Betroffenen erstaunliche Entdeckungen. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen wird der für das Musik-Langzeitgedächtnis verantwortliche Hirnbereich bei Demenzkranken am längsten bewahrt. Durch Musikhören kann er daher aktiviert werden, wobei im besten Fall auch andere Hirnbereiche angeregt werden. Da Sopranistin Nora Fischer krankheitshalber absagte, musste das Programm des dritten Lunchkonzerts umgekrempelt werden. Dabei fiel etwa das mit der Singstimme vorgesehene moderne Werk weg. Jedoch fand Andrea Amarante, Leiter des künst­lerischen Betriebsbüros, eine ­Lösung, indem das verpflichtete Goldmund-Quartett neben dem vorgesehenen Streichquartett D-Dur op. 76 Nr. 5 von Joseph Haydn auch das Streichquartett Nr. 3 F-Dur op. 73 von Dmitri Schostakowitsch (1906–1975) spielte, das durchaus als modern gelten darf. Das mit internationalen Lorbeeren überhäufte Quartett hatte es gerade in der Elbphilharmonie Hamburg interpretiert und auch aufgenommen. Die Notlösung erwies sich als Glücksfall. Die vier jungen Mitglieder Florian Schötz und Pinchas Adt (Violine), Christoph Vandory (Viola) und Rafael Paratore (Violoncello) beeindruckten nach einer federnd und schlank gespielten Wiedergabe des Haydn-Quartetts erst recht in dem 1946 entstandenen meisterhaften Schostakowitsch-Quartett.

Parodie auf den kriegerischen Stechschritt

Hatte bei Haydn vor allem der langsame Satz «Largo cantabile e mesto» durch wunderbare Kantabilität betört, kamen beim grossen russischen Sinfoniker die Kontraste zwischen Parodie (die Persiflage des Stechschritts im dritten Satz) und bis in das kaum noch wahrnehmbare Pianissimo ausgehorchte Innerlichkeit mit versöhnlichem Schluss hervorragend zur Wirkung. Einmal mehr staunte man, wie in dem grossen KKL-Konzertsaal auch solch subtile Kunst bis in kleinste Detail zum Ausdruck kommt.

Die beiden letzten Lunchkonzerte mit Einführung für Demenzkranke sind am 22. März (Bach unlimited mit Pianistin Lise de la Salle) und am 26. April («Auf zu neuen Ufern»), je 12.30 Uhr im KKL. Einführung eine Stunde vorher im Probelokal.

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