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LUZERN: Akademisches Weihnachtsoratorium mitten im Advent

Härtetest für ein ambitioniertes Unternehmen: Am Freitag sang und spielte die blutjunge Bachakademie Luzern in der Matthäuskirche drei Kantaten aus Bachs Weihnachtsoratorium.
Die Bachakademie Luzern. (Bild: Ingo Hoehn)

Die Bachakademie Luzern. (Bild: Ingo Hoehn)

Anfang Oktober suggerieren die Grossverteiler bereits mit Weihnachtsgebäck Aktualität für einen Anlass, der ein Vierteljahr später stattfinden wird. Auch im Konzertbetrieb wird mitten im Advent so getan, als ob morgen schon Weihnachten sei. Advent steht jedoch als vorweihnächtliche Fastenzeit für das grosse Warten, Stille und Einkehr. Da wirkt ein barockes Jauchzen und Jubeln mit Pauken und Trompeten schon eher akademisch.

Johann Sebastian Bach war einerseits Praktiker, andererseits sehr fromm. Seine Kantaten zu den sechs Hochfesten an Weihnachten, weltbekannt als das Weihnachtsoratorium, hatten strikt diesen Zweck. Im Advent dagegen waren Jubel und Trubel streng verboten und für einen Pietisten wie Bach undenkbar.

Heute ist aber auch das anders. Die Beliebtheit dieses Werks führt dazu, dass es auch in der Region mehrfach und deshalb zeitlich verteilt aufgeführt wird. Vor der Aufführung im KKL durch internationale Kräfte am 17. Dezember (mit dem Freiburger Barockorchester) machte am Freitag die neu formierte Bach-Akademie Luzern den Anfang in der Matthäuskirche Luzern.

Dass die Akademie ein junges Unternehmen ist, zeigte sich schon an den Instrumenten-Kästen und Strassenkleidern, die in der gut besetzten Kirche gelagert wurden, als gäbe es keine Möglichkeit, sie im Kirchgemeindehaus zu verstauen.

Praxis im Hinblick auf kommende Professionalität

Die junge Bachakademie bildet sich aus dem Umfeld der Musikhochschule Luzern. Ihr Leiter und Dirigent Pascal Mayer ist einer ihrer Dozenten und mit der Situation gut vertraut. Die Frage stellt sich für jeden frisch ausgebildeten Musiker, was kommt nach dem geschützten Rahmen der Musikhochschule? Die meisten Sängerinnen und Sänger sind entweder vor oder im Masterstudium. In diese Lücke springt die Bachakademie, denn die jungen Künstler brauchen Praxis, sprich Erfahrung im professionellen Konzertbetrieb. Und für einen frischgebackenen Countertenor wie Martin Caduff, der naturgemäss seinen Schwerpunkt auf das historisierende Musizieren setzt, ist es die richtige Gelegenheit, in seinem Fach Fuss zu fassen. Mit jeweils etwas mehr als zwanzig Jahren sind die Stimmen der Singenden noch nicht erwachsen und noch formbar. Ob eher baritonal, tenoral oder Koloratur- oder Mezzosopran: dieser Prozess braucht Zeit zum Reifen und erweitert den Horizont.

So hielt dieses Weihnachtsoratorium insgesamt keine grossen Überraschungen bereit. Aus dem Stand heraus gelang hier aber ein solider Vortrag, auch von Seiten des Barockorchesters, in dem Instrumentalisten der Schola Cantorum Basel mitwirken. Pascal Mayers Tempi liessen keinen grossen Spielraum für eine pointierte Ausgestaltung der Chöre. Vor allem im ausgeglichenen und schönen Chorklang zeigte sich das hohe Potenzial, das diese Akademie anvisiert.

Schwierige Aufgaben für die Solisten

Bei den Soli zeigte sich am direktesten, dass die Sänger noch nicht über jahrelange Erfahrungen verfügen. Der leichte Tenor von Remy Burners war in allen Lagen und auch in heiklen Aufgaben souverän, aber seine Auseinandersetzung mit dem Text, gerade als Evangelist, konnte nicht immer berühren. Auch für Countertenor Martin Caduff war es schwer, mit zärtlichen Trieben seinen Platz in der Rolle als hingebungsvolle Mutter Maria zu finden. Die Stärken seiner Stimme finden sich klar in der Höhe.

Bass Serafin Heusser hat einen sehr warmen Bariton, der in tiefen Lagen noch mehr Resonanz gewinnen dürfte. Die klar Erfahrenste war die jüngste Papagena des Luzerner Theaters, Maja Bader. Mit ihrer hellen Stimme konnte sie als Engel gut überzeugen. Zum Schluss bedankte sich das Publikum mit einem warmen Applaus.

Roger Daniel Tanner

kultur@luzernerzeitung.ch

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