Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Aus vielen «Ichs» wird ein «Wir»

Zufällig fotografierten Rut Himmelsbach und Alex Silber dasselbe Motiv. Eine Gegenüberstellung der Fotografien im Kunstraum Apropos relativiert das Konzept von Autorschaft.
Ausstellung im Luzerner Kunstraum Apropos. (Bild: Philipp Schmidli)

Ausstellung im Luzerner Kunstraum Apropos. (Bild: Philipp Schmidli)

Welcher einsame Spaziergänger mag es gewesen sein, der auf die Stirnseite eines gefällten Baumes die Buchstaben I–C–H aufgemalt hat? Nicht mit Schablone und Spraydose, wie Förster Bäume zuweilen mit Nummern kennzeichnen, sondern von Hand hat dieser Unbekannte das Wort in Grossbuchstaben auf­gemalt.

Diese Botschaft eines selbstbewussten Subjekts haben die beiden in Basel lebenden und arbeitenden Künstler Rut Himmelsbach (*1950) und Alex Silber (*1950) unabhängig voneinander fotografiert.

Per Zufall hatten die seit langem befreundeten Künstlerkollegen im Gespräch festgestellt, dass sie unabhängig voneinander während eines Spaziergangs im Waldstück Ermitage in Arlesheim BL denselben Baumstamm fotografiert hatten. Das «Ich» dieses Baum-Individuums hatte sie beide ange­sprochen. Eine Ausstellung im kleinen Luzerner Kunstraum Apropos vereint diese zwei Fotografien nun. Die eine Fotografie ist eine Nachtaufnahme, auf der das «Ich» aus einer Reihe liegender, leicht mit Schnee bedeckter Stämme hervorleuchtet. Ein «Ich» unter vielen. Das fotografierende Ich ist als Schatten auf der Fotografie präsent. Auf der anderen liegt der Baumstamm mittig im Bild, der Schriftzug ist im Vordergrund.

Mal hängen die Bilder kopfüber im Rahmen

Die zwei Fotografien, deren Urheberschaft die zwei Kunstschaffenden mittlerweile selbst nicht mehr zuordnen können, werden in der Ausstellung gemeinsam gleich mehrfach in verschiedenen Bilderrahmen vor unterschiedlich farbigen Hintergründen präsentiert.

Innerhalb der Bildrahmen sind die Fotos verschiedenartig angeordnet. Einmal sind sie in die Ecke gerückt, mal an den Rand, mal werden sie kopfüber oder quer in den Bildrahmen gesetzt. Als sei das «Ich» der Rotationspunkt, um den sich alles dreht und spiegelt, bleibt der Schriftzug dank Bildmontage immer in der gleichen Ausrichtung und somit für den Betrachter gut lesbar.

Das gefällte Holz wurde im Ausstellungsraum wieder zu einem Wald aufgerichtet: An den Wänden kleben Furnierimita­tionen und schwarze, glänzende Plastikbahnen, die an die Dunkelheit und das Fotoblitzlicht im nächtlichen Wald erinnern.

Auf diese Weise wird aus den zwei Fotografien im Raum eine Variation. In dieser Wiederholung liegt aber auch die Auflösung des Bildes selbst inne: Wer weiss, wie viele Spaziergänger mit der Handykamera dasselbe Motiv aufgenommen haben? Wie viele ähnliche Bilder könnte man über die Suchfunktion Google Image im Internet sonst noch finden?

Wird in dieser Multiplikation des «Ich» zum «Wir» nicht vielmehr erkennbar, wie sehr die Einzigartigkeit von Autorschaft obsolet wird? Oder, anders gesagt, dass Bildermachen eine an sich so ursprüngliche Tätigkeit ist, die viel mehr Gemeinsamkeiten hervorbringt, als man vermuten würde?

Claire Hoffmann
kultur@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.