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LUZERN: Blue Balls Festival: Verena von Horsten singt auch mal mitten im Publikum

Das Konzert­angebot am Blue Balls ist auch ausserhalb der heiligen KKL-Hallen gross: Wir haben es versucht und wurden (fast) nicht enttäuscht.
Pirmin Bossart
Die Zürcher Sängerin und Songwriterin Verena von Horsten suchte am Samstagabend die Nähe zum Publikum auch vor der Bühne. (Bild: Dominik Wunderli)

Die Zürcher Sängerin und Songwriterin Verena von Horsten suchte am Samstagabend die Nähe zum Publikum auch vor der Bühne. (Bild: Dominik Wunderli)

Pirmin Bossart

Am späten Freitagnachmittag scheint der Blue-Balls-Auftakt vollends in die Binsen zu gehen: Es schüttet wie aus Kübeln. Aber dann, pünktlich zum Konzertbeginn, geht in der Muschel des Musikpavillons die Sonne auf, als Faber mit seiner Band auf der Bühne steht und sofort in Bann zieht.

Der junge Zürcher Sänger und Songwriter, der schon Sophie Hunger im Vorprogramm auf Tour begleitet hat, ist eine Ausnahmeerscheinung in der gefälligen Schweizer Poplandschaft. Erstens singt er auf Hochdeutsch, zweitens hat er textlich etwas zu sagen, drittens kommt seine Musik ohne trendigen Firlefanz aus, viertes hat er eine schöne dunkle und kratzige Stimme, und fünftens singt und vibriert da einer, dem man es sofort abnimmt, dass er Spass und Power hat.

Laura Mvula (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
The Temperance Movement (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Rapper Kool Savas (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Corinne Bailey Rae (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die Sängerin Katie Melua während ihrem Konzert am Donnerstag am Blue Balls Festival. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)
Der britische Sänger-Songwriter Jamie Lawson trat am Donnerstag auf. (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)
Andrea Corr von der irischen Popband "The Corrs". (Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey)
Seal (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Seal (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Kwabena Sarkodee Adjepong alias Kwabs aus Grossbritannien (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Charles Bradley im Luzernersaal des KKL (Bild: Philipp Schmidli)
Ein Graffiti-Künstler beim KKL (Bild: Philipp Schmidli)
Charles Bradley im Luzernersaal des KKL (Bild: Philipp Schmidli)
Stimmungsbild vom Blue Balls Festival 2016 (Bild: Philipp Schmidli)
Sängerin und Songwriterin Ala.Ni aus London spielt im Konzertsaal des KKL. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ty Taylor und seine Kollegen von der amerikanischen Band Vintage Trouble treten im Luzerner Saal des KKL auf. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ty Taylor von der amerikanischen Band Vintage Trouble singt während des Konzerts auch in ungewöhnlicher Manier. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Steven Wilson im KKL (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ihr «Stolen Dance» katapultierte sie in die Herzen und Köpfe der Menschen: Milky Chance. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Nochmal Milky Chance: Clemens Rehbein. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Die US-amerikanische Sängerin Zola Jesus während ihres Konzerts vom Montag, 25. Juli, im KKL. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Lilly Hates Roses spielt vor dem KKL. (Bild: Nadia Schärli)
X-Factor-Gewinner 2012 James Arthur, ganz cool mit Brille. (Bild: Nadia Schärli)
Nochmal James Arthur, dem mit «Impossible» der Durchbruch gelang. (Bild: Keystone/Urs Flüeler)
East Cameron Folk spielt beim Pavillon. (Bild: Nadia Schärli)
Seinaba Sey aus Schweden im Luzernersaal. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Soley aus Island (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Die schottische Sängerin Kate Victoria Tunstall (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Konzert von Verena von Horsten beim Pavillon (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Konzert der französischen Band Air mit Sänger Jean-Benoît Dunckel im Luzerner Saal des KKL (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Konzert der französischen Band Air mit Sänger Jean-Benoît Dunckel im Luzerner Saal des KKL (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Konzert der französischen Band Air mit Sänger Jean-Benoît Dunckel im Luzerner Saal des KKL (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die britische Sängerin Shura (24) bei ihrem Eröffnungskonzert im KKl. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))
Konzert am Blue Balls Festival im KKL Luzernersaal von Shura. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))
Konzert am Blue Balls Festival im KKL Luzernersaal von Shura. (Bild: Dominik Wunderli (Neue LZ))
Ibeyi, das fränzösisch-kubanische Duo singt beim Konzert am Blueballs Festival (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Die Band Faber eröffnet die Blueballs Konzertserie im Pavillon. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ausgelassene Stimmung vor dem Pavillon. (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Ausgelassene Stimmung vor dem Pavillon (Bild: Keystone / Alexandra Wey)
Yael Hodel verkauft Festival-Pins (Bild: Philipp Schmidli)
Claudia Wehrle arbeitet an einer Bar am Blue Balls (Bild: Philipp Schmidli)
Verkaufsstände beim Schweizerhof. (Bild: Nadia Schärli)
42 Bilder

Blue Balls Festival in Luzern

Genug ist nicht genug

«Bleib dir nicht treu, sei niemals du selbst» singt er in einem Song, den er als Kinderlied vorstellt. Das kommt kurz und heftig, nur mit Klavier begleitet. Ansonsten ist da eine vollwertige Band aus sympathischen Kerlen, die mit ihrem Mix aus Rock, Folk und Pop den so poetischen wie politisch relevanten Texten von Faber auch musikalisch Gewicht verleihen. «Ich will nicht ein Stück vom Kuchen, ich will die ganze Bäckerei für mich alleine», singt der Wuschelkopf, denn: «Genug ist nicht genug für mich.»

Was Faber als Performer auszeichnet, sind seine Leidenschaft und seine Unbekümmertheit, die frisch und natürlich daherkommen. Seine Stimme ist kraftvoll und kernig, und er kann sie variieren. Manchmal tönt er wie ein existenzialistischer Chansonnier. Dann merkt man, dass er auch ganz alleine mit Stimme und Gitarre bestehen könnte.

Essen aus aller Welt

Als die Band im zweiten Teil des Sets auf alte Gassenhauer wie «Bella ciao» oder «Guarda che luna» schaltet, befinden wir uns schon in den hinteren Reihen bei den Essständen und testen, was uns die Sri Lanka Street Food an Leckerem zu bieten hat. Doch die Zugabe holt uns brutal in die Wirklichkeit zurück. Faber steht allein mit Gitarre auf der Bühne. «Ich schaue euren Schlauchbooten beim Kentern zu, im Liegestuhl am Swimmingpool am Mittelmeer. Kratze mich am Bart, kratze mich am Bauch. Wer nicht schwimmen kann, der taucht.»

Entlang dem Schweizerhofquai ist Blue Balls eine einzige Marktstrasse. Hausgemachte Ravioli neben tibetischen Spezialitäten, Essen aus Senegal, Yemen, Griechenland, dazwischen Hamburger vom Grill. Man kann sich ein Schnell-Tatoo auf die Haut malen lassen, Schmuck und textiles Flitterzeugs erwerben, Lampen aus Marokko oder traditionelle handgemachte Kamellederschuhe aus Rajasthan bestaunen.

Vis-a-vis über die Strasse beim Hotel Schweizerhof wird gerade das Power-Duo Hussy Hicks aus Australien angekündigt, das vor einem beträchtlich grossen Publikum alsbald loslegt. «This Machine Kills Facists» steht in guter alter Folk-Tradition auf der Gitarre geschrieben. Und als auch noch das blaue Touristen-Bähnlein behaglich zwischen den Abschrankungen einfährt, ist die kuschlige Global-Schweiz perfekt.

Sie umarmt die Leute

Samstagabend, 18 Uhr, Musikpavillon. Eine Frau tanzt mit grossen Gesten auf der Bühne und singt aus voller Kehle. Ihre silberne Engelsmähne und das lange helle Kleid versprühen eine Portion Extravaganz. Die Zürcher Sängerin und Songwriterin Verena von Horsten und ihre Band geben sich alle Mühe, aber ihr Set erreicht nicht die Intensität, die einen Abend zuvor Faber mit einem einzigen Song hingelegt hat.

Wir hören einen stellenweise wuchtigen Synthie-Rock mit vielen Tasten und Bassfrequenzen, der abrupt wieder von andachtsvollen Momenten und improvisierten Düdeleien unterbrochen werden kann. Wir sehen, wie die Sängerin schon während des zweiten Songs von der Bühne steigt und lachend herumtanzt. Und wie sie beim vierten Song nochmals heruntersteigt und in ihrer befreiten Art auf Leute im Publikum zugeht und sie umarmt.

Das mag in unheilsschwangeren Zeiten alles schön und richtig sein, nur erreicht das Gesamtpaket aus Sound, Stimme und Performance für unseren Geschmack einfach nicht diese Dringlichkeit, die einem jenseits des donnernden Sounds auch wirklich in Beschlag nimmt. Es funktionierte auch nicht bei der Berliner Soul-Pop-Band Malky, die am Vorabend nach Faber einen schwierigen Stand hatte. Dafür holten am Samstag die skurrilen Zorros von Xixa aus Tucson/Arizona mit ihrem Cumbia-Desert-Heavy-Rock wieder die Kohlen aus dem Feuer.

Small Talk mit den Stars

Im Auditorium des KKL ist jeden Abend um 19 Uhr Showtime mit Hannes Hug und jenen illustren Gästen, die kurz nachher ihre Auftritte haben. Der 64-jährige Bluesman Keb’ Mo’ macht ein Tänzchen mit einer Frau aus dem Publikum und verrät, dass er meditiert und Hörbücher des spirituellen Bestsellerautors Eckart Tolle liest. Auch der irländische Songwriter Bry und die in Los Angeles lebende Sängerin K. T. Tunstall werden mit feierlichem Gehupe empfangen und smalltalken mit Hug, der dieses gratwandrige Metier gut beherrscht, über die Runden.

Oase des Friedens

Auf der Plaza vor dem KKL Luzern performt später der Basler Breakdancer Christian Martinez seine tollkühnen Headspins und hält die Drehbewegungen mit der Spraydose in der Hand gleich auch noch malerisch fest. Es ist Samstagnacht, und das Blue-Balls-Volk drängt sich in Scharen vor den KKL-Hallen.

Hinter all dem Getümmel landen wir plötzlich in einer Oase des Friedens: Das Sibyl Hofstetter Trio spielt publikumsverlassen vor der Seebar seine Jazz-Balladen so zart und unschuldig, dass man sich plötzlich im falschen Film wähnt. Oder vielleicht auch im richtigen.

Hinweis

Das Blue Balls 2016 läuft noch bis Samstag. Wir berichten auch in den nächsten Tagen. Infos/Tickets: www.blueballs.ch

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