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LUZERN: Blues Festival mit Höhepunkt zu später Stunde

Das Lucerne Blues Festival ist im Schwung: Am Eröffnungsabend hinterliess die Sängerin Vaneese Thomas den stärksten Eindruck.
Pirmin Bossart
Vollblut-Sängerin und cooler Slidegitarrist: Mandy Lemons (rechts) und Sturgis Nikides brachten als Gegensatz-Paar den Abend im Casino Luzern in Fahrt. (Bild Manuela Jans-Koch)

Vollblut-Sängerin und cooler Slidegitarrist: Mandy Lemons (rechts) und Sturgis Nikides brachten als Gegensatz-Paar den Abend im Casino Luzern in Fahrt. (Bild Manuela Jans-Koch)

The Blues is back in town, und mit ihm das Lächeln der Bluesfreunde, die sich wieder zahlreich im Grand Casino Luzern einfinden, um eines der weltbesten Festivals dieser Sparte zu geniessen. Trotz der Stabübergabe von Guido Schmidt zu Martin «Kari» Bründler als neuem Präsidenten hat sich am Wesen des Festivals nichts geändert. Nach wie vor kann man jeden Abend Band um Band geniessen, bis einem die Blues-Ohren wackeln. Auch inhaltlich ist der Pegel gleich: Blues mit Betonung auf die klassische Essenz, zu der auch Soul- und gewisse Rhythm-’n’-Blues-Einflüsse gehören.

Daumen-Blueser

Der Eröffnungsabend stand stark im Zeichen des Chicago-Blues. Es ist die populäre Variante, mit der auch die Generation der heute 60-Jährigen aufgewachsen ist und die einem heute manchmal fast wie Festzelt-Musik vorkommt. Viel gehört und etwas abgenutzt. Den grossen Alten von damals vermögen heute nicht mehr viele das Wasser zu reichen. Aber es bringt nichts, in Wehmut zurückzublicken. Auch heute vermag der Blues zu packen. Am Donnerstag war das eine stetig steigende Kurve, die mit dem Auftritt von Vaneese Thomas ihren Höhepunkt erreichte.

Lil Jimmy Reed, der am Donnerstag eröffnete, ist mit seinen 76 Jahren ein beherzter Musiker. Er setzte mit seinem roten Hemd auch outfitmässig den Standard: Rot ist offenbar die Blues-Farbe der Stunde. Auch seine Technik, die Gitarre mit dem Daumen zu spielen, sahen wir an diesem Abend mehrmals. Manchmal war es auch der Zeigefinger, aber nicht das Plektrum. Lil Jimmy hat eine raue Bluesstimme, dazu bläst er seine Harp in schrillen und schneidenden Tönen.

Coole Slidegitarre

Die Band brachte neben eigenen Songs auch alte Schlachtrösser wie «Hoochie Coochie Man», «It Hurts Me Too» oder eine der vielen «Dust My Broom»-Variationen über die Bühne. Der kleine Jimmy hisste die Blues-Fahne auf der Bühne und gab den Boden, auf dem sich das Festival entfalten wird. Aber er setzte bei aller Fröhlichkeit nicht den besonderen Akzent, wie das früher immer mal wieder akustische Formationen taten.

Da schürte die folgende Low Society mehr Aufmerksamkeit. Mit Mandy Lemons tigerte eine Vollblut-Shouterin auf der Bühne herum, die mehr krähte oder schrie als sang. Diametral anders wirkte ihr (auch privater) Partner Sturgis Nikides, den sie manchmal verführerisch umschmiegte, wenn er solistisch in die Saiten griff. Nikides trug Hut und dunkle Sonnenbrille, beide Arme waren voll tätowiert. Aber mit seinem ausgezeichneten Slide-Spiel auf der Gitarre war er noch viel cooler und souveräner, als es die Klischees weismachen wollten. Mit der Low Society wurde der Blues etwas dreckig und kratzig, und das war gut so.

Fröhliche Ausgelassenheit

Die fröhliche Ausgelassenheit kehrte mit Lil’Ed & The Blues Imperials auf die Bühne zurück. Lil’Ed, der ganz in rot gekleidet war und seinen berühmten Hut mit den funkelnden Steinen trug, ist ein wahres Energiebündel. Kaum zu glauben, dass er der Gleiche war, der zwei Stunden zuvor am Schlagzeug mit Lil Jimmy Reed gesessen hatte. Mit der eigenen Band spielte er Slidegitarre, inspiriert von seinem Onkel J. B. Hutto. Lil’Ed gefiel als quicklebendiger Musiker mit einem treibenden Sound. Wenn er mit Inbrunst sang, fühlte seine ganze Mimik mit und rotierten seine Kulleraugen.

Swamp und Soul

Um Mitternacht stand dann eine Frau auf der Bühne, die nicht nur herausragend sang, sondern mit ihrer Bühnenpräsenz und unprätentiösen Show das Publikum sofort zu begeistern wusste. Vaneese Thomas, Tochter des legendären Rufus Thomas, expandierte das etwas einsilbige Bluesfeeling dieses Abends mit viel Soul und Memphis-Groove in ein umfassenderes Spektrum von Musikalität. Aber da war auch eine fette und super disponierte Band, inklusive Piano und Hammondorgel, die mit Vielseitigkeit und klugen Arrangements überzeugte.

Vaneese Thomas sang «Bright Lights Big City» von Jimmy Reed, zollte Al Green und Koko Taylor aus ihrer Heimatstadt Memphis Respekt und verbeugte sich mit «The Old Man down the Road» auch vor dem Kalifornier John Fogerty, der den Bayou-Swamp-Sound des amerikanischen Südens tief im Herzen trägt. Natürlich fehlte auch «Walking the Dog» nicht, der Song, der unweigerlich mit ihrem Vater verbunden ist. Nicht zuletzt gab sie Kostproben aus ihrem aktuellen Album, so mit dem innigen «The Corners of Heartache and Pain». Mit ihrer Show, die bis um 1.30 Uhr dauerte, setzte Vaneese Thomas diesem Bluesabend das Krönchen auf.

Pirmin Bossart

Hinweis

Vaneese Thomas tritt heute Samstag, 14. November, am Blues Brunch, 10.30 Uhr, im Hotel Schweizerhof auf. Das Blues Festival dauert noch heute Samstag und morgen Sonntag (Brunch). www.bluesfestival.ch

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