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LUZERN: Bratwürste, Schotten und blasende Bähnler

Schönstes Wetter, eine tolle Kulisse und Musik von Dixieland über Pop bis zum Brassband-Feuerwerk: Die gestrige Eröffnung des World Band Festival wurde zum Volksfest. Es gab auch Überraschungen.
Roman Kühne
Die Live Band SBB gehörte gestern vor dem KKL zu den stimmungsmässigen Highlights. (Bild: Nadia Schärli (23. September 2017))

Die Live Band SBB gehörte gestern vor dem KKL zu den stimmungsmässigen Highlights. (Bild: Nadia Schärli (23. September 2017))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Es ist bereits das 19. World Band Festival, das gestern im und ums KKL seine Tore öffnete. Und es tat dies traditionsgemäss mit dem Open-Air-Gratiskonzert – eine exzellente Gelegenheit, verschiedene Formationen und Stilrichtungen zu geniessen. Dabei mischen sich Amateure mit Profis, Egerländer trifft auf Brass-Rosinen. Der Anlass ist entsprechend bekannt, der Europaplatz vollgefüllt, es riecht nach Bratwurst, und die SRF Musikwelle überträgt direkt.

Die Bands, auf drei Bühnen verteilt, mit Blick auf das Luzerner Becken, wechseln sich Stück für Stück ab. Es ist zwar nicht ein Bigband-Krieg wie in den Vierzigerjahren, wo der Applausverlierer jeweils von der Bühne musste. Aber einen direkten Vergleich ermöglicht es allemal. Da ist etwa die Dutch Swing College Band aus Holland, eine Institution, ja ein Markenname und Synonym für Dixieland. Selbst der Schreiber dieser Zeilen hat für seine ersten Improvisationen die Soli der Gruppe nachgespielt.

Erstaunlich ist, dass die Formation auch nach fast 70 Jahren immer noch unverwechselbar klingt, Arrangements im Dutch-Stil spielt. Der Sound ist klar, die Musiker interpretieren routiniert, die Soli sind artistisch. Überraschungen gibt es keine. Es werden vor allem die Publikumserwartungen erfüllt.

Früher Arbeiterband, heute absolute Profis

Ein spannenderes Kaliber ist die Black Dyke Band aus Schottland, eines der führenden Brass-Ensembles der Welt. Seit 19 Jahren treten sie am World Band Festival auf. Und «seit 19 Jahren ist jedes Konzert ausverkauft», wie der Festivalleiter Werner Obrecht stolz bemerkt. «Sie sind für unser Festival so etwas wie die Berliner oder die Wiener Philharmoniker.» Überhaupt blickt die Band auf eine erfolgreiche Geschichte zurück. Spielten 1855 vor allem Arbeiter der lokalen Mühle, der Black Dyke Mill, im Orchester, so ist dieses heute professionell organisiert. Und wohl nur wenige Brassbands können in ihren Annalen eine Grammy-Nomination ausweisen oder wurden gar für den Oscar vorgeschlagen (bestes Lied in «Babe 2»). 2015 waren sie das letzte Mal europäischer Brassband-Champion.

Mit perfekter Technik, sauberer Intonation und attraktiven, auch anspruchsvolleren Werken waren sie der niveaumässige Höhepunkt des Nachmittags. Ein Appetithäppchen für das – natürlich ausverkaufte – Abendkonzert.

Viele der Zuschauer sind jedes Jahr da. So wie Erich Dobler aus Mümliswil SO: «Wir kommen seit zehn Jahren an den Eröffnungstag und an das Festival. Der Musikmix, die Stimmung, das Open-Air-Gefühl – was will man mehr an einem Samstagnachmittag?»

Live Band SBB konnte begeistern

Das lokale Schaffen ist mit der Blaskapelle Rigispatzen vertreten. Ihre Stücke im böhmischen Stil sprechen ein breites Publikum an. Eine Überraschung ist die Live Band SBB, die ihr 20-Jahr-Jubiläum feiert. Mit einem Mix aus Pop, Märschen, südamerikanischen Rhythmen und gekonnten Soli begeistert und bereichert sie das sonst schon abwechslungsreiche Programm. Alle Musiker arbeiten irgendwo bei der Bahn. So ist der Dirigent Gilbert Tinner Lokführer der SBB. Aber er hat auch ein Jazz-Studium hinter sich und arrangiert heute in seiner Freizeit Stücke für die Pepe-Lienhard-Bigband.

Diese Musiker pflegen nicht ganz die feine Klinge des Militärspiels Heer Nord, aber mit Dampf und Kraft reissen sie das Publikum mit. Tücken bietet teils die elektronische Verstärkung der Bands. Sowohl bei der Armeeband, wo das Drum vieles verdeckt, als auch bei den Rigispatzen oder bei der Live Band SBB: Vieles kommt schwammig über die Boxen, die Soundgestaltung könnte noch verbessert werden.

Doch dies tut dem fröhlichen Volksfest keinen Abbruch. In der kommenden Woche stehen weitere Höhepunkte auf dem Programm, wie die Canadian Brass vom Mittwoch oder die Band der Royal Air Force am Tattoo on stage. «Auf sie freue ich mich besonders», erklärt Werner Obrecht, «sind sie doch zum ersten Mal bei uns zu Gast.»

Hinweis

Programm und Infos auch zum Besson Swiss Open Contest: www.worldbandfestival.ch

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