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LUZERN: Chornacht: Primetime vor Mitternacht

Die Dirigentin Ulrike Grosch lanciert die erste Luzerner Chornacht, die zum Schluss zwölf Chöre mit 500 Sängern in der Hofkirche versammelt. Damit ist der Anlass auch eine Art Testlauf für ein späteres Luzerner Chorfestival.
Urs Mattenberger
Sucht mit ihrem Collegium Vocale zu Franziskanern immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Chören: Chornacht-Initiantin Ulrike Grosch in der Franziskanerkirche. (Bild: Dominik Wunderli (17. September 2017))

Sucht mit ihrem Collegium Vocale zu Franziskanern immer wieder die Zusammenarbeit mit anderen Chören: Chornacht-Initiantin Ulrike Grosch in der Franziskanerkirche. (Bild: Dominik Wunderli (17. September 2017))

Interview: Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Ulrike Grosch, Sie lancieren die erste Luzerner Chornacht mit zwölf Chören. Herrscht unter diesen statt Konkurrenz nur eitel Minne, oder gab es ein Gerangel um die Primetime um 19.30 Uhr?

Nein, ein solches Gerangel gab es nicht. Es ist ja auch nicht so, dass sich die Chöre direkt konkurrenzieren. Tendenziell haben alle ihr Stammpublikum von Leuten, die jemanden im jeweiligen Chor kennen. Eine Idee der Chornacht ist, dass sich die Chöre und ihr Publikum gegenseitig besser kennen lernen. Deshalb hat das Programm auch keinen roten Faden. Vielmehr soll sich jeder Chor mit seinem eigenen Profil vorstellen.

Aber Traditionschöre wie das Bach-Ensemble oder der Konzertchor Luzern sind nicht mit dabei. Wie haben Sie ausgewählt?

Ich habe überhaupt nicht ausgewählt! Vielmehr haben wir ein OK gebildet, in dem Mitglieder aus verschiedenen Chören ehrenamtlich mitwirken – auch das war eine neue und für die Zukunft wichtige Erfahrung. Angeschrieben haben wir nach bestem Wissen und Gewissen alle Chöre, auch die von Ihnen genannten. Dass aus organisatorischen oder terminlichen Gründen nicht alle mitmachen, ist verständlich.

Es fällt auf, dass vielversprechende junge Formationen wie die Bach-Akademie Luzern oder der PH-Chor von Pirmin Lang fehlen.

Das hat damit zu tun, dass diese wie der Akademiechor im Umkreis der Musikhochschule entstanden oder tätig sind. Damit funktionieren sie ganz anders als die anderen als Vereine organisierten Chöre. Pirmin Lang ist deshalb zum Beispiel mit seinem G.-F.-Händel-Chor mit dabei.

Zurück zur Primetime: Da tritt der Chor des Luzerner Theaters auf, der wie der andere Profi-Chor, das Ensemble Corund, nicht dem Vereinsmodell entspricht. Da ist es wohl kein Zufall, dass beide nach 19.30 Uhr auftreten?

Der Auftritt des Theaterchors ist tatsächlich etwas Spezielles. Er singt zwar wie alle anderen Werke aus seinem aktuellen, regulären Programm, in diesem Fall Chöre aus der «Traviata» oder der «Zauberflöte». Ein Sonderfall ist das, weil der Theaterchor kaum je konzertant mit einem eigenen Programm auftritt. Aber mit einer Hierarchie hat das nichts zu tun. Wir sehen die Chornacht ja als Ganzes, und da hat jeder Auftritt seine besondere, doch auch programmatische Bedeutung – bis hin zum gemeinsamen Auftritt aller 500 Sänger vor Mitternacht in der Hofkirche.

Wie würden Sie diesen Programmablauf charakterisieren?

Wir bespielen bewusst verschiedene Luzerner Kirchen. Diese sind wunderbare Räume mit je eigenem Charakter, die man immer mehr auch für weltliche Projekte nutzen sollte. Daraus ergab sich eine Abfolge, die von eher weltlicher Chormusik hinführt zu eher geistlichen Programmen. Wobei das nicht heisst, dass das hin zu mehr stiller Einkehr oder Frömmigkeit führt.

Sondern?

Das «Gloria» von Francis Poulenc etwa, mit dem das Klangwerk um 22 Uhr das Spätprogramm in der Hofkirche eröffnet, ist eine durchaus diesseitige, unglaublich vitale Musik. Die Cappella der Hofkirche singt – mit dem Organisten Wolfgang Sieber – Auszüge aus der Messe des Orgelvirtuosen Louis Vierne, der Singkreis Maihof zeitgenössische Messseteile aus Julian Wachters «Summerville Service», bevor alle Chöre in einem englischen Hymnus zusammenkommen.

Schon zuvor treten Chöre gemeinsam auf. Wird da im Kleinen die Zusammenarbeit im Hinblick auf grössere gemeinsame Projekte erprobt?

Das ergab sich zwischen den Chören, die in derselben Kirche auftreten. «Der Chor» eröffnet die Chornacht in der Lukaskirche mit Werken baltischer Komponisten, die sich bereits zwischen geistlicher und weltlicher Musik bewegen. Anschliessend treten der Kammerchor und der Händel-Chor einzeln und gemeinsam in Werken von Brahms, Gounod oder Philip Stopfords «For The Beauty Of The World» auf. Einen weltlichen Schwerpunkt steuern das Collegium Vocale zu Franziskanern und Molto Cantabile in der Franziskanerkirche bei – mit Brahms, Ravel und Gustav Mahler. Das Ensemble Corund singt eine Messe von Monteverdi und gemeinsam mit der Matthäus- und der Luzerner Kantorei Auszüge aus den «Carmina Burana».

Sie haben einst die Idee eines Luzerner Chorfestivals auch mit internationalen Gastchören lanciert. Ist die Chornacht mit solchen Zusammenarbeiten ein Schritt dahin?

Das könnte durchaus sein. Jetzt geht es vor allem einmal darum, sich besser kennen zu lernen und einander zuzuhören. Aber schon jetzt ist abgemacht, dass wir anschliessend zusammensitzen und diskutieren, was in Zukunft möglich sein könnte. Als ich vor 15 Jahren nach Luzern kam, staunte ich, wie viel hier aneinander vorbeiläuft, ohne dass man von den Plänen der anderen weiss. Eine Chornacht kann ein wichtiger Schritt sein, das zu ändern und damit die Grundlage zu schaffen für eine weitergehende Zusammenarbeit. Das Potenzial dafür hat Luzern mit seiner vielfältigen Chorszene auf jeden Fall.

Jetzt müssen Sie noch erklären, wie Sie 500 Sänger in der Hofkirche unterbringen.

(Lacht) Das ist in der Tat eine logistische Herausforderung. Rund 300 Sänger werden hinten im Chor platziert sein, die übrigen 200 vorne auch rund um das Publikum. Wir haben das mit 20 Sängern einschliesslich des Auf- und Abgangs simuliert. Schon deshalb ist auch dieser Auftritt um 23 Uhr eine Primetime dieser Chornacht!

Hinweis

Samstag, 23. September, 17.00 (Lukaskirche), 18.30 (Franziskanerkirche), 19.30 (Luzerner Theater), 20.30 (Matthäuskirche), 22.00 (Hofkirche). Eintritt frei (Kollekte). www.luzerner-chornacht.ch

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