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LUZERN: «Comix»-Festival Fumetto – Poetisch, polemisch und paradox

Auch für Sehbehinderte gibt’s Comics. Diese und weitere bildhafte Überraschungen bietet Fumetto dieses Jahr seinem Publikum. Dies hat ein Augenschein am Wochenende gezeigt.
Kurt Beck
Werk von Anda. (Bild: Fumetto/PD)

Werk von Anda. (Bild: Fumetto/PD)

Kurt Beck

kultur@luzernerzeitung.ch

Einmal Minnie oder Mickey Mouse sein und durch die bunte Comic-Welt spazieren. Kein Problem. Das Internationale Comix-Festival Fumetto Luzern macht’s möglich. Genauer gesagt Ber­trand Lavier (68), der im Kunstmuseum Luzern eine begehbare Comic-Installation eingerichtet hat. Der französische Konzeptkünstler, der schon an der Documenta in Kassel vertreten war, zeigt in Luzern ein Arrangement aus der Serie Walt Disney Productions, die ihn seit dreissig Jahren beschäftigt.

Grellbunt ist der Ausstellungssaal im Luzerner Kunstmuseum. Die Wände sind gelb und hellgrün gestrichen, der Boden mit violettem Teppich ausgelegt. An den Wänden hängen abstrakte Gemälde, im Raum stehen drei Plastiken. Die Installation ist eine lebensgrosse Umsetzung aus einem Mickey-Mouse-Comic von 1977. In dieser Bildergeschichte schleppt Minnie ihren Mickey in eine Ausstellung, um ihm die moderne Kunst näherzubringen. Glücklicherweise wird ein Bild gestohlen, sodass sich Mickey statt mit Kunst mit der Aufklärung des Verbrechens beschäftigen kann.

Bertrand Lavier thematisiert in seiner Installation das Spannungsfeld zwischen musealer Hochkultur und populärer Trivialkunst. Es ist ein witziges hintersinniges Spiel, das der Künstler mit seinem Publikum treibt, indem er Versatzstücke moderner Kunst in einen Comic-Kontext setzt und sie im Kunstmuseum zeigt.

Entlarvende Fakenews

Weniger um Kunst als um die Wahrheit geht es in der Ausstellung «Meyer spricht von Gratiskaffee» von Luca Schenardi (38) im Erfrischungsraum an der Rössligasse 12 in Luzern. Der Urner Künstler kombiniert Wahres zu Falschaussagen, indem er unterschiedliche Meldungen, die er im Teletext findet, zu absurden Schlagzeilen verbindet.

Das Resultat sind Fakenews, die Wahrheiten nicht verschleiern, sondern in bissig böser Weise auf den Punkt bringen. Seine Botschaften wie beispielsweise «Weniger Firmen gehen pleite – Politiker besorgt», «Kinderzimmerdealer zum Ritter ernannt» oder «Afghanen fordern Luftangriff in Andermatt» sind zynische Kommentare zum Weltgeschehen und Kritik am gedanken­losen Newskonsum.

Als zweite Ausstellung an der Rössligasse 12 bespielt das 1977 gegründete holländische Künstlerkollektiv Lamelos die Kapelle des ehemaligen Kunstigebäudes. Die vier Comic-Künstler bieten den Besuchern einen Einblick in ihr Schaffen. Dabei zeigen sie sich als extrem produktive und kreative Geister, die auf einen riesigen Output zurückblicken können. Der Raum ist vollgestopft mit ihren Arbeiten, die in ihrer Fülle gleichzeitig faszinieren und irritieren.

Ausweitung in die Agglomeration

Mit drei Hauptausstellungen und mehreren Satellitenausstellungen hat das Festival in Emmenbrücke Fuss gefasst. Die spektakulärste Schau des diesjährigen Fumetto ist im Akku, der Kunstplattform an der Gerliswilerstrasse 23, zu finden. In einer einzigartigen Retrospektive ist hier das Werk des Comic-Weltstars Julie Doucet (51) zu sehen.

Die Kanadierin ist der Stargast des Festivals (vergleiche Beitrag in der Ausgabe vom letzten Dienstag). Die Ausstellung zeigt anhand von mehr als 200 Originalwerken, Videoinstallationen, Kurzfilmen, Diaschau und Illustrationen die Entwicklung des schöpferischen Universums der Künstlerin von den Anfängen in den frühen 1980er-Jahren bis zur jüngsten Porträtserie, die im vergangenen Jahr entstand. Autobiografisch inspiriert, tabulos und subversiv provokativ sind die Arbeiten, die durch ihre schonungslose Offenheit nichts für Zartbesaitete sind.

Schön harmlos ist da vergleichsweise die poetische Bildergeschichte von Anda, die im Comic-Bau 711 neben dem Akku ausgestellt ist. Anda, alias Anne-Danielle Furrer (30), präsentiert ihre Arbeit im Rahmen der Fumetto-Schleuder, der Nachwuchsplattform des Festivals.

Comics ohne Bilder und ohne Schriftblasen sind paradox. Doch der griechische Konzeptkünstler Ilan Manouach (36) hat genau dies in seinem Projekt Shapereader realisiert. In einem verdunkelten Raum der Hochschule Luzern – Design & Kunst in Emmenbrücke hat er Holzplatten ausgelegt, in die Zeichen hineingefräst wurden, die mit den Fingern lesbar sind. 216 Zeichen aus geometrischen Mustern hat der Künstler erfunden, um seinen Comic «Arctic Circle» in eine Form zu übersetzen, die sich ertasten lässt. Der Comic ist ungewohnt und anspruchsvoll, sogar für Sehbehinderte, die auch mehrere Tage üben müssen, bis sie den Comic lesen können.

Luca Schenardis Teletext-Zeichnungen.

Luca Schenardis Teletext-Zeichnungen.

Ilan Manouachs «Shapereader».

Ilan Manouachs «Shapereader».

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