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LUZERN: Czernowins Oper «Pnima» am Luzerner Theater

Das Luzerner Theater hat Chaya Czernowins Oper «Pnima» zur Schweizer Erstaufführung gebracht. Der düstere Abend beeindruckt insgesamt.
Die Israelische Komponistin Chaya Czernowin, Fotografiert im Hotel Wilden Mann in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die Israelische Komponistin Chaya Czernowin, Fotografiert im Hotel Wilden Mann in Luzern. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

In die Abgründe von Ängsten und Traumata führt die Oper «Pnima» der israelischen Komponistin Chaya Czernowin, «composer in residence» am diesjährigen Lucerne Festival. Das Luzerner Theater zeigt das im Jahr 2000 uraufgeführte Stück nun als Schweizer Erstaufführung. Howard Arman dirigierte, Regie führte David Hermann.

Angeregt wurde das Werk durch den Roman «Stichwort: Liebe» von David Grossmann, der Geschichte eines jüdischen Jungen in einer vom Holocaust traumatisierten Familie. Er ahnt, dass die Erwachsenen ein düsteres Geheimnis haben, doch niemand spricht mit ihm darüber. An diesem Tabu zerbricht er schliesslich fast.

Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
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Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
Bild: Tanja Dorendorf / T+T Fotografie
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10 Bilder

Pnima am Luzerner Theater

Doch Czernowins Oper ist keine Romanvertonung. Das hebräische «pnima» bedeutet «ins Innere» und Czernowin will in jene sprachlich nicht fassbaren Bereiche der Seele eindringen, denen nur die Musik beikommt. Es gibt daher weder Text noch Figuren. Es gibt lediglich vier Sänger. Ihre Stimmen werden häufig parallel geführt; Gesangslinien gibt es keine, nur Schreie, Wimmern und Stammeln am Rand der Sprachlosigkeit.

Geräuschhafte Klänge

So liegt die Hauptaussage beim Orchester und sechs Soloinstrumenten, die dem Grauen vielfältigen, vorwiegend geräuschhaften Klang geben. Das Luzerner Sinfonieorchester hat intensiv geprobt, oft in Anwesenheit der Komponistin, und spielte mit grossem Engagement. Der Reichtum der Partitur käme allerdings besser zur Geltung, wenn man es, wie offenbar ursprünglich geplant, auf der Bühne platziert hätte.

Die Regie betont die Allgemeingültigkeit dieses musikalischen Psychogramms und tilgt die letzten Bezüge zum Roman. Die Ausstatterin Magdalena Gut hat einen schönen, geheimnisvollen Raum geschaffen, mit Schränken und Vitrinen, in denen Relikte der Vergangenheit aufbewahrt werden.

An ausklappbaren Arbeitsflächen sitzen die Solisten wie Studenten der Dreissiger Jahre und werden immer wieder von Panikattacken gepackt.

Im Zentrum untersucht ein Wissenschaftler (der Schauspieler Christian Baus) einen Meteoriten, öffnet ihn mühsam und entnimmt ihm, immer erschöpfter, immer widerstrebender, allerlei merkwürdige Gegenstände. Man kann das als Bild sehen für den Versuch gegen innere Widerstände ans Licht zu holen, was man als Tabu verdrängt hat.

Bruchlandung am Schluss

Ihren Höhepunkt erreicht die Partitur, wenn gegen Ende die Elektronik die Musik in den Saal trägt und das Publikum wirklich im Innern des Schreckens sitzt. Nun öffnet sich einer der Kästen, grüner Rauch quillt heraus und schliesslich zeigt sich ein quasi nacktes fremdartiges Wesen, halb Mensch, halb Tier - Symbol des Verdrängten.

Das beeindruckt. Doch dann entpuppt sich das Wesen als weiss geschminkte Tänzerin, die sich als eine Art Alien über die Bühne schlängelt und dabei auch gleich ein bisschen aufräumt - und die Inszenierung landet in der Banalität von Science Fiction und Comic.

Das Premierenpublikum applaudierte freundlich allen Beteiligten, vor allem der Komponistin.

sda

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