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LUZERN: Das neue «Uferlos» – eine winzige Salle Modulable

Am Geissensteinring ist ein altes Lokal aufgefrischt worden: Das «Uferlos» wird neu von einer jungen Crew betrieben und soll zu einer Plattform für ganz verschiedene kulturelle Veranstaltungen werden.
Hinter die «alten» «Uferlos»-Fotos wurden LED-Lampen eingebaut. Dietrich & Strolch sorgen für die Musik. Nächste Veranstaltung: Riot Riot mit Bit-Tuner, Hardly Booked & Ducks on Repeat am 4. Oktober. (Bild Jean-Pierre Grüter)

Hinter die «alten» «Uferlos»-Fotos wurden LED-Lampen eingebaut. Dietrich & Strolch sorgen für die Musik. Nächste Veranstaltung: Riot Riot mit Bit-Tuner, Hardly Booked & Ducks on Repeat am 4. Oktober. (Bild Jean-Pierre Grüter)

Seit 1995 war das «Uferlos» das ­Vereinslokal der Homosexuellen-Arbeitsgruppen Luzern (Halu). Hier trafen sich Lesben, Bisexuelle und Schwule, feierten sie Partys oder machten Anlässe. Das Lokal konnte auch von andern Gruppierungen gemietet werden. Unter anderem weil sich in den letzten Jahren die «Szene» eher in andere Städte verlagert hat, beschloss die Halu, das Lokal nicht mehr weiterzubetreiben.

Sanft restauriert

Als Lukas Meyer (33) eines Tages von einem Kollegen hörte, dass das «Uferlos» zu vergeben sei, setzte er sich mit Till Grüter (26) in Verbindung. «Jeder von uns hatte schon länger mit der Möglichkeit eines Lokals geliebäugelt, in dem man unbürokratisch kleine Veranstaltungen machen könnte», sagt Lukas Meyer. Warum also jetzt nicht zupacken?

Prompt klappte das neue Vorhaben. Grüter und Meyer erhielten den Zuschlag und konnten den Mietvertrag unterzeichnen. In den letzten zwei Monaten gingen sie zusammen mit einigen Kumpels daran, das Lokal für ihre Bedürfnisse neu herzurichten. Eine Zwischenwand wurde herausgerissen, eine neue Bartheke installiert, der schwarze Asphaltgussboden wieder hervorgeholt. Auch die Wände wurden mit neuen Malereien versehen (Ampel Magazin und Co.).

Offener Raum

Das «Uferlos» war schon immer eine gut dimensionierte Lokalität, die sich für Partys, Feste und kleine kulturelle Veranstaltungen als ideal erwiesen hat. In den Zeiten, als die Boa noch aktiv war und auch die Frigorex nur einen Katzensprung entfernt, gehörte das «Uferlos» zusammen mit andern kleinen (illegalen) Bars und Lokalen in diesem Quartier zum fes­ten Ausgangsturnus nimmermüder Nachtschwärmer.

Doch die neuen Betreiber wollen aus dem «Uferlos» keinen Festtempel machen und schon gar nicht einen Kommerzschuppen, wo es jedes Wochenende abgeht. «Es gibt in Luzern ausser der Kegelbahn, dem Sedel oder der Gewerbehalle sehr wenige Räumlichkeiten, in denen man niederschwellig und unkompliziert kleinere Anlässe veranstalten kann. Denn das ist unser Ziel», sagt Till Grüter.

Den beiden schwebt vor, mit dem «Uferlos» eine Plattform zu schaffen, wo alle, die etwas Kulturelles anbieten wollen, ihren Platz finden. «Es soll ein offener Raum sein, in dem sich verschiedenste Kulturtäter einbringen, präsentieren und verwirklichen können.» Möglichst wenig Grenzen, möglichst wenig fixe Installationen, möglichst variabel, lautet das Motto. Vielleicht liesse sich auch sagen: eine Art Salle modulable für die Off-Szenen.

Neustadtmusik

Natürlich sollen auch die eigenen Musikprojekte ab und zu im «Uferlos» Platz finden. Till und Lukas gehören zu «Neustadtmusik», einem Kollektiv von sieben Soundproduzenten, die auch ein Plattenlabel und diverse Sublabels betreiben. Till ist zusammen mit seinem Bruder Milo in der elektronischen Szene als Dietrich & Strolch und Lukas mit seinem Kollegen Teo Islamovic als Sou Sol bekannt. Dietrich & Strolch produzieren eigene Tracks und machen Livesets, während Sou Sol vor allem als DJ arbeiten, aber auch begonnen haben, selber Sound zu machen.

Die beiden legen Wert darauf, dass sie das «Uferlos» nicht als «Neustadtmusik» gemietet haben, sondern als private Interessenten. «Das ‹Uferlos› wird nicht zu einer Homebase von Neustadtmusik, und es entsteht auch kein Elektroschuppen. Wir haben das Lokal unabhängig übernommen und sind froh, wenn dort möglichst unterschiedliche Aktivitäten stattfinden können», betont Till.

Apropos Neustadtmusik: Noch dieses Jahr gibt die Crew eine Compilation mit 16 Tracks auf vier Schallplatten heraus, die verschiedene lokale Elektroproduzenten in unterschiedlichen Kombinationen zusammenbringt. Dafür hat das Kollektiv letztes Jahr einen Werkbeitrag von Stadt und Kanton Luzern in der Höhe von 30 000 Franken erhalten.

Vorerst nur Samstag

Getragen wird das «Uferlos» vom Kulturverein IG Uferlos. Das Lokal wird nicht ständig, sondern nur beschränkt offen sein. Am Donnerstag und Freitag kann es bis um 0.30 Uhr und am Samstag bis um 5 Uhr betrieben werden. «Das heisst aber nicht, dass wir an diesen Tagen automatisch immer offen sind, sondern nur dann, wenn wir kulturell etwas anzubieten haben.»

Im September und Oktober werden die Öffnungszeiten vorerst auf den Samstag beschränkt. Die Initianten brauchen eine Anlaufzeit, um das Programm zu planen. Mit der Zeit soll es ein Monatsprogramm geben und später dann auch einen Homepage-Auftritt.

Noch nicht definitiv festgelegt sind die Mietpreise des Lokals. Grüter: «Wir werden eine gewisse Abstufung vornehmen. Wer Sachen macht, die ohne Eintritt oder sonst wie idealistisch über die Bühne gehen, wird sicher weniger zur Kasse gebeten als jene, die eine private Party, ein Geburtstagsfest oder einen kommerziellen Anlass durchführen.» Alles andere wird sich ergeben. Sicher ist, dass die Luzerner Szene wieder um einen kleinen, aber feinen Ort reicher sein wird.Pirmin Bossart

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