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LUZERN: Die Totenklage wird zum intimen Gebet

Das Lucerne Festival an Ostern beginnt mit zwei ausverkauften Abenden. Während der erste eine Sternstunde schafft, bewegt sich der zweite in irdischen Gefilden. Das liegt nicht nur an den auftretenden Stars.
Roman Kühne
Fulminante Emotionalität: Sopranistin Julia Lezhneva und Countertenor Dmitry Sinkovsky in der Hofkirche. (Bild: Priska Ketterer/LF (17. März 2018))

Fulminante Emotionalität: Sopranistin Julia Lezhneva und Countertenor Dmitry Sinkovsky in der Hofkirche. (Bild: Priska Ketterer/LF (17. März 2018))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Es ist ein erster Leuchtturm des Festivals. Ein Abend mit musikalischer Stärke und spiritueller Dringlichkeit. Sopranistin Julia Lezhneva, Countertenor Dmitry Sinkovsky und das Orchester La Voce Strumentale gestalten eine religiöse Sinnsuche zwischen Trostlosigkeit und Lösung.

Nur schon programmatisch nimmt der Eröffnungsanlass eine Sonderstellung ein. Die andern Konzerte des Festivals, mit Ausnahme der Bruckner-Messe von heute Montag, sind mehr dem Weltlichen gewidmet. Im Fokus der Aufführung vom Samstagabend in der ausverkauften Hofkirche stand das Stabat Mater von Giovanni Battista Pergolesi.

Ein ganzes Leben in einem Werk

Dieses Werk ist eine emotionale Komposition, eine Lebens- und Glaubenssuche von schwebender Intimität. Wenig gewährte das Leben dem neapolitanischen Komponisten. Nur fünf Jahre nach dem Abschluss seiner Studien starb er 1736 an Tuberkulose. Eine Schaffenskraft bündelt sich in seinem forschenden Gebet Stabat Mater.

Die Auftretenden versehen diesen Schmerz mit einer ganz persönlichen Note. Star des Abends ist die bereits nahe der Weltspitze singende Julia Lezhneva (28). In «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi scheinen ihr keine Grenzen gesetzt. Unangestrengt und leicht wirbelt sie durch die Tonleitern. Legati über zwei Oktaven, Sprünge, Koloraturen, Wohlklang und Eleganz: Keine Schwierigkeit ist auszumachen. Alles leuchtet selbstverständlich und unaufgeregt.

Doch was den Auftritt zum Erlebnis macht, ist Lezhnevas eindringliche Formung. Die Fülle an Farben, ihr Agieren zwischen hell und schattig geben dem Stabat Mater eine eigene, tief suchende Empfindsamkeit. Im Gleichklang mit dem Orchester stirbt ihre Stimme dahin. Abgründige Trauer der um Jesus klagenden Mutter. Ein Schlund, aber auch ein privates Gebet, klar und schlicht. Es sind ergreifende, hoffnungsvolle Momente.

Ihr russischer Landsmann Dmitry Sinkovsky steht dieser Exzellenz in nichts nach. Sein transparenter Ton, die heraus­ragende Klarheit der Sprache und seine überzeugende Technik sind eine exzellente Basis. Natürlich verfügt er nicht über ein ganz so strahlendes Organ. Eindringlich im Solo, bedeutungsvoll in der Gestaltung verschmilzt er auch im Duett mit Julia Lezhneva zu einer natürlichen Einheit.

Wunderbar zeichnen sie den erlösenden Schluss des Schmerzgebetes, eine erhobene Hand, scheu auf himmlische Gnade hoffend. Als Kontrast dazu spielt La Voce Strumentale – auf historischen Instrumenten – den Auftakt spritzig akzentreich, stark den Gegenschlag betonend, ja fast schon rockig hart. Es erinnert an den italienischen Cantautore Angelo Branduardi, der schon vor 30 Jahren aktuelle Strömungen der Barock-Interpretation antizipierte, einfach mit E-Gitarre und Schlagzeug.

Startenor Rolando Villazón mit Witz und Charme

Ein Auftakt, der Massstäbe setzt. Diesen wird das gestrige Konzert vom Sonntag im Maihof nicht gerecht. Es ist der Auftritt des Iberacademy Orchestras. Das Projekt ermöglicht es, dass talentierte Jugendliche aus Kolumbien auf einem klassischen Instrument ausgebildet werden. Das Programm existiert seit drei Jahren, und vielleicht ist es noch etwas früh, damit auf Reise zu gehen. Die Jugendlichen spielen engagiert, aber es fehlt der weite Bogen, der durchgehende Sog.

Der Geiger Roberto González Monjas, unter anderem Konzertmeister des Musikkollegiums Winterthur, leitet das Orchester vom ersten Pult aus. Ein Dirigent wäre die bessere Wahl. Vieles wirkt ungenau, der Klangausgleich lässt zu wünschen übrig. Dafür überzeugt das junge Ensemble mit seiner mitreissenden Energie und Spiellust. Vor allem der langsame Totenmarsch in Beethovens 3. Sinfonie entwickelt viel Kraft und Emotion.

Vor der Pause begleiten die Musiker zwei hochkarätige Gesangssolisten. Die junge Sopranistin Fatma Said singt expressiv, theatralisch und mit viel Strahlkraft. Der Startenor Rolando Villazón hat nicht mehr ganz die Brillanz früherer Tage – dafür ist er als Opernregisseur und Showmaster zu sehr engagiert –, interpretiert aber seine Mozart-Arien mit Witz und Charme. Höhepunkt sind die Duette in den Mozart’schen Zugaben «Pa, pa, pa» aus der «Zauberflöte» und – «Là ci darem la mano» aus «Don Giovanni».

Hinweis

Das weitere Programm des Osterfestivals: www.lucernefestival.ch

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