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LUZERN: Drei Duos zelebrieren die Lust am Spiel

Minimaltexturen, kecke Eklektiksongs, verspielte Elektronik: Die Duotage im Luzerner Neubad sind musikalisch so vielfältig wie stimmungsvoll eröffnet worden.

Die Elektronik ist menschlich geworden: So tickte es einem durch den Kopf, als zu später Stunde das Duo Joasinho aus München sein trippiges Kammerspiel aus warmen Techno-Beats, Geklöppel, Psy-Dub und Indie-Melodien in die Hallenbad-Arena pulsieren liess. Bei aller Technik und elektronischem Grundpegel: Es war ein geradezu kuscheliger Wohnzimmer-Sound. Ein elektronischer Indie-Pop, der keine Gitarrenband mehr braucht und von zwei sympathischen Musikern in einem wunderschönen Licht­ambiente kreiert wurde.

Ein grosser Teppich war im Pool ausgelegt. Darauf knieten die beiden Musiker vor einer viereckigen Anordnung aus Keyboards, Xylofon und bunt leuchtenden Elektrogeräten. Eine liebevoll ausgestattete Digitalwerkstatt, zu der auch allerhand analoge Musikinstrumente gehörten, die phasenweise in den Sound integriert wurden. Der frühe Homo sapiens kauerte am Feuer, wo er wahrscheinlich auch elementar musizierte. Die zeitgenössischen Nachkommen wie Joasinho sitzen um digitale Spielzeuge, mit denen sie ihren Indie-Deko-Sound anrichten.

Während Joasinho die Instrumente wie Gitarre, Flöte oder Trommeln zum Elektro-Sound schichtweise addierten, verschmolzen beim Duo von Hans Peter Pfammatter (präparierter Flügel) und Urban Lienert (Elektrobass, Laptop) die digitalen und die analogen Klänge homogener und auch interessanter. Reizvoll war allein schon die Kombination von präparierten und unpräparierten Klängen, die Pfammatter mit musikalischem Gespür in den Raum setzte. Dazu kamen die digitalen Frequenzen von Lienert auf dem Laptop und die teils ebenfalls verfremdeten Klänge auf dem E-Bass.

In der ersten Phase begleitete ein elektronisch subtiles Grundrauschen aus Feedbacks die perkussiven Patterns, die Pfammatter auf den Saiten und Holz­beschlägen des Flügelinnern erzeugte. Sukzessive wandelte sich die Musik in eine mal sanfter, mal heftiger fluktuierende Minimaltextur. Ihre Bestandteile waren melodisch-repetitive Rhythmusmodule, die Pfammatter und Lienert auf Tasten und E-Bass generierten und mit feinen Modulationen verschränkten.

Für das zweite Konzert des Abends wechselte das Publikum in den Keller. Auf der Bühne glitzerten, talkten und sangen die beiden Zürcher Musikerinnen Andrina Bollinger und Marena Whitcher in salopper Selbstbewusstheit. Das aufgekratzte Duo setzte im grossen Gemischtwarenladen aus Pop, Folk, Rock und Elektro einen durchaus eigenen Akzent mit ein bisschen Show. Getreu ihrem Namen Eclecta mischten sie die stilistischen Kästchen kunterbunt auf. Neben eigenen Songs und einem gelungenen Beatles-Medley – ganz a cappella – stiegen sie auch in den Röseligarten des Schweizer Liedguts und pflückten daraus die zwei Lieder «Simelibärg» und «Anneli, wo bisch geschter gsi». Ersteres performten sie mit einnehmenden Stimmen, die auch wunderbar zusammenklangen. Letzteres interpretierten sie ebenso herzerweichend mit der Stimme von Anneli ab einem Kassettengerät. Und weil das alles unterhaltungstechnisch sehr urban und frisch daherkam, ohne je verkopft oder überironisiert zu wirken, wurde dieses Duo zur Überraschung des Abends.

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Samstag, ab 20.30 Uhr, Neubad: Schwalbe & Elefant, David Koch & Urs Müller, Zardt. 24 Uhr: Deux Boules Vanille (Industriestrasse 9).

Sonntag, 20.30 Uhr: Osilasi (Industriestrasse 9).

Informationen: www.neubad.org

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