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LUZERN: Edelstein funkelte im Glanze Bachs

Zum Start in seine 25. Saison jubilierte das Ensemble Corund in der Jesuitenkirche mit Bachs grosser Messe in h-Moll. Es zeigte dabei auch einen spannenden choristischen Effekt.
Roger Daniel Tanner
Das Ensemble Corund sorgte in der Jesuitenkirche gleichermassen für Begeisterung und Ergriffenheit. (Bild: Roger Grütter (4. November 2017))

Das Ensemble Corund sorgte in der Jesuitenkirche gleichermassen für Begeisterung und Ergriffenheit. (Bild: Roger Grütter (4. November 2017))

Roger Daniel Tanner

kultur@luzernerzeitung.ch

Ein Edelstein erstrahlt erst mit dem Schliff und wird so zum Brillanten. Das weiss auch Stephen Smith und nahm vor 25 Jahren die Edelsteingruppe «Korund», zu welcher etwa Rubine oder Saphire gehören, als Vorbild für sein inzwischen weitherum bekanntes und hochgeschätztes Vokalensemble. Situativ ergänzt er dieses mit dem gleichnamigen Barockorchester.

Um dem wertvollen «Korund» eine angemessene Fassung zu geben, war auch zum Jubiläum nur das Beste gut genug. So bezauberte das Ensemble im Glanze des wohl bedeutendsten Chorwerks: der Messe in h-Moll des epochalen Barockmeisters Johann Sebastian Bach. Die Schleifarbeit hat sich gelohnt. In der gut besetzten Jesuitenkirche erhoben sich am Samstag die Herzen zu dieser tiefgründigen Musik, die gemäss dem Komponisten allein zur Ehre Gottes gereichen sollte.

Spannende Aufstellung der Chorregister

Die Aufstellung der Chorstimmen, allesamt solistisch oder doppelt besetzt, war spannend. Die erste Gruppe von fünf Stimmen, also je ein Sopran 1 und 2, Alt, Tenor und Bass, stand vor dem Orchester. Die zweite Gruppe, mit derselben Bestückung, stand hinter dem Orchester. Dies wechselte jedoch im zweiten Teil des Konzertes und wurde je nach Bedarf noch weitere Male umgestaltet. Das Verblüffende daran war, dass durch die räumliche Distanz eine Art akustischer Effekt zum Tragen kam, der die Zuhörer glauben machte, hier stünde ein grosser Chor, was der Aufführung die nötige Strahlkraft gab.

Für das eröffnende Kyrie fand Maestro Stephen Smith, der für barocke Musik wie gewohnt die Aufführung vom Cembalo aus leitete, das richtige Tempo. Dieses sich vor dem Schöpfer verbeugende und um Gnade flehende Motiv konnte auf diese Weise hautnah miterlebt werden. So war auch die Tonart h-Moll, die damals als melancholisch galt, das ergreifende Mittel, um das Publikum in diese besinnliche Atmosphäre zu holen.

Die Jesuitenkirche ist für Musiker akustisch eine Herausforderung. So waren die tollen Stimmen des Ensembles Corund alle gleichermassen gefordert, nicht nur gesangstechnisch Grosses zu leisten, sondern im Speziellen mit allen zur Verfügung stehenden Resonanzräumen des menschlichen Körpers zu arbeiten, was nicht allen Sängerinnen und Sängern gleich gut gelang.

Als Beispiele zu erwähnen sind die Sopranistin Zoë Brook­shaw, die vor allem in den festlichen Tutti-Stellen herausragte, und die Altistin Annina Haug, welche in der Arie «Qui sedes» zu begeistern wusste. Derweil konnten die beiden baritonal wirkenden, gut geeigneten Bassstimmen jede auf ihre Weise die Aufführung bereichern. Während Hubert M. Saladin in «Et in spiritum sanctum» mit seinen Klangfarben bestach, war es Jonathan Sells im «Quoniam», der mit direkter Stimmführung und scharfer Diktion überzeugte. Schade, drehte er sich stellenweise zum Dirigenten und stahl sich selbst die klangliche Wirkung.

Auch der mit ihm spielende Trompeter Simon Lilly, der – wie es Bach anwies – in diesem Stück das Jagdhorn blies, verhinderte mit der Haltung seines Instruments das akustische Durchkommen in den Kirchenraum.

Ein seltenes Duett von Bach für Sopran und Tenor

Ein Hochgenuss waren die perfekten Triller und wundervoll ­barock gestalteten Vorhalte von Gabriela Bürgler in der Arie «Laudamus te» für Sopran, virtuos unterstützt von Konzertmeisterin Christina Gallati. Ausgeglichen und einem harmonischen Liebesduett gleich gestalteten Sara Jäggi und Zacharie Fogal eines der wenigen Duette, die Bach für Sopran und Tenor komponierte, zusammen mit den warm klingenden Traversflöten von Claire Genewein und Karel Valter. Auch hier drehte sich der Tenor verständlicherweise einige Male zum Dirigenten, was den Klang seiner hellen Stimme schmälerte. Dafür konnte er sich im zu seiner Stimme bestens passenden «Benedictus», das ein Höchstmass an Sensibilität und stimmlicher Beweglichkeit verlangt, revanchieren.

Stellenweise war der festliche Gesamtklang des hervorragenden Orchesters eine Spur zu dick, was den Gesang etwas verdrängte. Der Schlusssatz «Dona nobis pacem» vermochte das Publikum aber derart zu fesseln, dass nach Verklingen des letzten Tones ein respektvolles Schweigen den Saal erfüllte. Dann brachten die Konzertbesucher mit langem Applaus und stehenden Ovationen ihre Freude zum Ausdruck.

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