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LUZERN: Ein Bademeister zum Saisonauftakt im Kleintheater

Im Stück von Martina Clavadetscher lehnt ein von seinem Dorf zum Held verklärter Bademeister die Heldenrolle ab – und wagt den Sprung ins kalte Wasser.
Die Schauspielcrew im Pool des Veranstaltungshauses Neubad in Luzern. (Bild: PD)

Die Schauspielcrew im Pool des Veranstaltungshauses Neubad in Luzern. (Bild: PD)

Der überdimensionierte Stammtisch – sein Vorbild steht im Luzerner Restaurant Helvetia – beansprucht im Zuschauerraum des Kleintheaters bereits mächtig Platz. An ihm werden die Dörfler aus dem Stück «Später.Früher.Meister» Lobreden auf ihren Bademeister halten. Vor Jahren hat er ein ausländisches Kind gerettet und so das als xenophob verschriene Dorf davor bewahrt, dass sein Image Schiffbruch erleidet. Wir haben uns mit der deutschen Regisseurin Sophie Stierle über die Co-Produktion zwischen Kleintheater und Neubad unterhalten.

Frau Stierle, bei den Tellspielen in Altdorf erlebten wir gerade wieder einen Helden, der die Heldenrolle nur widerwillig akzeptiert. Auch in Martina Clavadetschers Stück will ein Bademeister kein Held sein. Woher rührt diese Heldenmüdigkeit?

Sophie Stierle: Der Clou dieser Geschichte liegt darin, dass eine Gemeinschaft das Image eines einzelnen Bürgers erschafft – das geht schon fast in die Richtung von Max Frischs «Andorra». Doch zugleich hat dieser Bademeister aufgrund seiner persönlichen Vergangenheit gute Gründe, diese Rolle abzulehnen.

Martina Clavadetscher lebt und schreibt in Brunnen. Die Dorf­dynamik im Stück scheint mir nicht allzu weit entfernt von der Schweizer Dorfrealität, finden Sie nicht auch?

Stierle: In der Geschichte soll einer der Bewohner einen Brandanschlag auf ein Asylheim verübt haben. Das Dorf wird deshalb medial sehr schnell an den rechten Rand geschoben. Aber mindestens genauso schnell schafft dieses Dorf auch wieder den Imagewandel. Für mich ist das ein sehr schweizerisches Phänomen.

Andererseits braucht dieser Bademeister zehn Jahre, um für sich zu entscheiden: Ich will diese Heldenrolle nicht. Warum?

Stierle: Genau! Diese unglaubliche Dauer ist ebenfalls sehr schweizerisch. Mich als Deutsche erinnert das Stück ein wenig an meine erste Zeit hier. Eines Tages hatte mir ein sehr netter Polizist einen Strafzettel in die Hand gedrückt, mit den freundlichen Worten: «Sie werden mit 20 Franken gebüsst.» Diese Rhetorik findet sich auch in diesem Stück. Es geht nicht nur ums Verdrängen, sondern auch darum, dass man die schlimmsten Dinge sehr freundlich sagen kann.

Mit Martina Clavadetscher arbeiten Sie nun schon zum fünften Mal zusammen. Was fasziniert Sie so an ihren Texten?

Stierle: Martina Clavadetscher ist eine starke Dialogschreiberin. Als Regisseurin denkst du bei der Lektüre ihrer Texte oft, die Umsetzung sei eindeutig. Doch beim Proben gibts dann Szenen, bei denen du merkst: Moment mal, da steckt ja noch dieser und jener Aspekt drin. Eine weitere Besonderheit ist, dass Clavadetscher viele Leerstellen lässt. Als Regisseurin ist man gezwungen, eine Entscheidung zu fällen. Man wird zwar an die Hand genommen, aber letztendlich ist man doch allein mit diesen Texten. Ich schätze so etwas.

Das Stück spielt an einem Abend an zwei Standorten. Während der Pause wechseln die Zuschauer ins Neubad. Was erwartet sie da?

Stierle: Im Kleintheater wird am Stammtisch viel geredet, im Neubad werden wir das Schwimmbad als realen Raum nutzen. Ein Bühnenbild im klassischen Sinn gibt es nicht. Die meisten Szenen spielen sich am Beckenrand ab, die Schlüsselszene im Becken selbst.

Man munkelt bereits, während des Spaziergangs zwischen Kleintheater und Neubad werde auch ein Eisverkäufer auftauchen. Totaler Humbug, oder ist da was dran?

Stierle: Anfangs hatten wir uns überlegt, ob es auf diesem Spaziergang noch einen Input braucht. Inzwischen sind wir aber der Meinung, dass wir die Zuschauer besser sich selbst überlassen. Ich bin inzwischen sogar versucht, den Leuten einfach einen Zettel in die Hand zu drücken und ihnen zu sagen: Sucht den Weg selbst.

Schauen wir uns die aktuellen Tellspiele an. Ist das ein Innerschweizer Phänomen, dass man sich nicht traut, der Held zu sein?

Stierle: Für mich ist genau das etwas typisch Schweizerisches: Es geht nicht nur darum, dass jemand ein Held ist, sondern es scheint fast genauso wichtig zu sein, aus welcher Region diese Person stammt. Dieses Zugehörigkeitsgefühl gibt es sicher überall, aber in der Schweiz empfinde ich es als besonders stark. Ob jemand aus Zürich oder aus Luzern kommt, schon da scheinen Welten dazwischen zu liegen. Auch wenn man die Strecke in 50 Minuten zurücklegen kann!

Julia Stephan

Dienstag, 13. September, 20.00
Luzern, Kleintheater und Neubad.

Start im Neubad. Bis 18. September.
Infos: www.kleintheater.ch

Rampenfreaks gesucht für das Luzerner Quartierfest «einquartier(t)»

Bevor das Luzerner Kleintheater seinen regulären Betrieb aufnimmt, wird zwischen dem 8. und 10. September zum vierten Mal in Folge beim beliebten Quartierfest «einquartier(t)» die Kleinkunst gefeiert.

Egal, ob Profi, Amateur oder Bühnenjungfrau: Wer genügend Mumm hat, darf auf der Bühne im Helvetiagärtli sein darstellerisches Können der Öffentlichkeit präsentieren. Das Fest gibt sich weltläufig: Mitmachen dürfen nicht nur Menschen aus dem Quartier Hirschmatt-Neustadt, auch Bewohner aus den angrenzenden Quartieren – und darüber hinaus – sind herzlich willkommen.

Wer Lust hat, kann sich am 10. September (22.00) zudem das zeitgleich stattfindende Konzert des Worldmusic-Trios Jan Galega Brönnimann, Moussa Cissokho und Omri Hason anschauen, das im Rahmen des Glücklich-Festivals im Kleintheater stattfindet.

jst


Bühnenkünstler können sich über die Mailadresse einquartiert@gmx.ch anmelden.
Programm: www.einquartiert.ch

Die beliebte Bühne im Helvetiagärtli bei der dritten Ausgabe im letzten Jahr. (Bild: PD)

Die beliebte Bühne im Helvetiagärtli bei der dritten Ausgabe im letzten Jahr. (Bild: PD)

Sophie Stierle, Regisseurin: «Es geht darum, dass man die schlimmsten Dinge sehr freundlich sagen kann.» (Bild: PD)

Sophie Stierle, Regisseurin: «Es geht darum, dass man die schlimmsten Dinge sehr freundlich sagen kann.» (Bild: PD)

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