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LUZERN: Filmemacher Christophe Merkle produziert 360-Grad Filme

Merkles Arbeiten sind in der Ausstellung «Panorama digital» im Bourbaki-Panorama zu sehen. Mit speziellen Brillen wird den Zuschauern eine Rundumsicht ermöglicht. Diese gibt einem das Gefühl, Teil des Filmes zu sein.
Julia Stephan
Christophe Merkles SRF-Doku «Täglicher Kampf um Menschenleben» holt den Zuschauer nah an den OP-Tisch. (Bild: SRF/PD)

Christophe Merkles SRF-Doku «Täglicher Kampf um Menschenleben» holt den Zuschauer nah an den OP-Tisch. (Bild: SRF/PD)

Interview: Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Christophe Merkle*, für mich war Immersion, also das Eintauchen in virtuelle Welten, lange das, was Captain Kirk in der Serie «Raumschiff Enterprise» praktizierte, wenn er auf dem «Holodeck» eine Welt nach Wunsch generierte. Wie weit sind wir davon noch entfernt?

Wer mit einer Virtual-Reality-Brille über ein leicht erhöhtes Podest läuft und dessen Rand mit den Zehen fühlt, kann heute schon den Eindruck bekommen, dass um ihn herum ein gähnender Abgrund liege. Der Einsatz von Objekten wie etwa einem Schwert oder von Gerüchen können eine Immersionserfahrung gewaltig intensivieren.

Funktioniert dieses Ineinander von virtuellem und realem Raum immer unfallfrei?

Nein! Nehmen wir an, Sie generieren einen virtuellen Tisch. Die Chance, dass sich ein unerfahrener Benutzer daran anlehnt und umfällt, ist gross. An Lösungen für solche Probleme wird derzeit geforscht. Dass der in einen Bahnhof einfahrende Zug der ­Kinopioniere Gebrüder Lumière die Menschen einst aus dem Kino gejagt haben soll, mag eine Legende sein. Dennoch fühlen auch wir uns von den neuen Seherfahrungen manchmal überrollt. Manchen Menschen wird sogar schlecht. Insbesondere dann, wenn die Kamera nicht statisch ist, sondern sich zu schnell in zu viele Richtungen bewegt. In einem 360-Grad-Film sind nur langsame Kamerafahrten entlang der Hauptachsen möglich. Alles andere bringt unser Gehirn durcheinander.

Sie drehen 360-Grad-Filme. Die ermöglichen mit einer speziellen Brille eine Rundumsicht, die einem das Gefühl gibt, inmitten eines Films zu sein. Welche Inhalte bieten sich da besonders an?

Die Präsentation von Orten, die man sonst nicht sieht. Horrorfilme machen in Virtual Reality deutlich mehr Angst. Geschichten aus der subjektiven Erzählperspektive bieten sich ebenfalls an. Der Dokumentarfilm «Notes on Blindness» ist ein geglücktes Beispiel: Die Regie hat die Audio-Aufzeichnungen des verstorbenen Theologen John Hull, welche dieser nach seiner Erblindung in den 1980er-Jahren aufzunehmen begann, zur Partitur einer Vir­tual-Reality-Erfahrung gemacht, die einen die Welt mit den Augen eines Blinden sehen lässt.

In einem 360-Grad-Film entscheidet der Betrachter, wohin er schaut. Kann man als Regisseur dieselbe Form von Narration verwenden wie in einem gewöhnlichen Kinofilm?

Gerade weil man selbst entscheiden kann, in welche Richtung man blickt, wirkt das Erlebnis viel unmittelbarer. Achten Sie mal, wie Leute über ihre Seherfahrungen sprechen. Sie erzählen Ihnen keinen Filmplot. Sie sagen: «Ich habe das erlebt.» Als Macher eines 360°-Films bedeutet das, dass man den Blick stärker lenken muss. Man agiert wie ein Theaterregisseur, lenkt den Blick mit Ton und Lichteffekten und der Gestik der Schauspieler. Da Nahaufnahmen nicht funktionieren, ist auch die Ausarbeitung von Details nicht so entscheidend. Man muss aufpassen, den Zuschauer nicht mit Reizen zu überfluten.

Was für Chancen bietet diese Technik für die Zukunft des Journalismus?

Immersive Erfahrungen lösen mehr Empathie aus, als es «flache» Bilder je vermögen. Das haben Studienergebnisse ergeben. Eindrücke aus Katastrophengebieten kann man mit 360-Grad-Filmen erstmals vollständig und unverzerrt vermitteln. Der Medienkonsument muss sich nicht mehr aus vielen Bildern einen Gesamteindruck machen. Mag sein, dass sich dieser Effekt abnutzen wird. Aber im Moment ist er noch sehr stark.

Hinweis

* Christophe Merke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Departement Design & Kunst der Hochschule Luzern. Das Departement hat die Ausstellung «Panorama Digital» im Bourbaki-Panorama in Luzern mitorganisiert. Bis 3. Dezember. Öffentliche Führung: heute Mittwoch, 18 Uhr.

www.bourbakipanorama.ch

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