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LUZERN: Fotograf Lorenz Andreas Fischer hat Respekt vor Büffeln und Nilpferden

Der Fotograf Lorenz Andreas Fischer stellt zum zweiten Mal an der Fotowerkschau aus. Im Zentrum seiner Arbeit stehen dabei die Gletscher. Aber auch Afrika als Fotosujet hat es ihm angetan.
Nadine Meier
Der Fotograf Lorenz Andreas Fischer mit einigen seiner Bilder an der Fotowerkschau in der Kornschütte Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Februar 2018))

Der Fotograf Lorenz Andreas Fischer mit einigen seiner Bilder an der Fotowerkschau in der Kornschütte Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 20. Februar 2018))

Nadine Meier

kultur@luzernerzeitung.ch

Die eindrücklichen Natur-Fotografien wirken zunächst verloren, wie sie so an den spartanischen Bauzäunen in der romantischen Kornschütte hängen. Das vergeht aber zum Glück bald, wenn man sich auf sie einlässt.

Der Fotograf Lorenz Andreas Fischer (Jahrgang 1966) – nicht zu verwechseln mit seinem Vater, der ebenfalls Fotograf ist – ist bekannt für seine Tier- und Naturfotografien. 2006 wurde er zum europäischen Naturfotografen des Jahres gekürt. Aktuell arbeitet er an einem Projekt über die Alpen. Es soll ein Bildband mit künstlerischem Anstrich werden, wie er im Gespräch erzählt. Für die Fotowerkschau hatte er vorab vier Bilder eingereicht. Sechs zeigt er an der Fotodok in der Kornschütte jetzt unter dem Thema «Melting Point», ein Teilprojekt, das Schmelzwasserphänomene auf Gletschern thematisiert. «Das Projekt soll sensibilisieren für den Klimawandel, der einfach Realität ist», sagt Fischer.

Der Biologe scheint durch

Zunächst spürt man wenig den Fotografen, vielmehr scheint der Biologe durch. Fischer erzählt, dass die Alpen stärker betroffen sind vom Klimawandel. «Kennst du den Aletschgletscher?», fragt er und wechselt auf die andere Seite des Bauzaunes. Vier Tannen im Vordergrund, weisse Wolken und einen schwach hervor­scheinenden Gipfel zwischen dem ­Nebel. Diese Fotografie schert aus der Gletscherserie aus. «Auf diesem Bild will ich zeigen, dass die Waldgrenze sich nach oben verschieben wird», erklärt Fischer ernst, die eine Hand auf die schwarzen Tannen gerichtet, die andere in der Hosentasche. Und dann fügt er an: «Mein ­Hintergrund ist Biologe, weisst du das?» Auch wenn man es nicht wüsste, fühlt man sich auto­matisch zurückversetzt in Bio­logie- und Geografiestunden von früher.

Die Bilder wirken eher wie gemalt

Fischer ist bereit für die dritte ­Fotodok-Ausgabe, die heute startet und bis zum 9. März dauern wird. Am meisten Zeit brauchte er für das Drucken und Ein­rahmen seiner Werke. Für diese wählte er einen Fine-Art-Print und ein spezielles, körniges Papier, das die surreale Wirkung der Bilder noch verstärkt. Die ­Bilder wirken mit ihren klaren Farben, starken Kontrasten und feinen Strukturierungen eher wie gemalt, und es fällt einem schwer, zu glauben, dass diese ­Effekte rein fotografisch erreicht wurden. Diesen Zweifel räumt ­Fischer aber schnell aus dem Weg: «Eine Bildbearbeitung soll im Schnitt nicht länger dauern als eine Minute.»

Die Gletscherbilder, die Fischer an der Fotowerkschau zeigt, strahlen Ruhe und Klarheit aus und erschaffen bei längerem Betrachten fast schon eine meditative Atmosphäre. Auf diese Wirkung zielt Fischer ab. In den Texten der Werkschilder, die Fischer mit kleinen Klammern an die Gitter des Bauzauns befestigt hat, heisst es: «Die Ästhetik der Bilder kontrastiert mit dem Ernst der Botschaft.» Mit etwas Fantasie kann man so in einem Schmelzwasser-Bach auch ein eisblaues Rückgrat sehen – ähnlich einem Röntgenbild –, das sich prominent durch die Mitte des Bildes zieht.

Das Alpenprojekt ist nicht das einzige Projekt, an dem Fischer zurzeit arbeitet. Er verfolgt auch noch ein mittelfristiges Projekt in Afrika. Das hat einen einfachen Grund: «Ich fotografiere lieber Tiere, an die man sich offen annähern kann», sagt Fischer. Bei Tieren in der Schweiz gehe das nicht gut. Sie seien viel zu scheu. In Afrika hingegen strahlen die Tiere durch ihre Grösse ein anderes Selbstbewusstsein aus. Auch da gibt es aber Ausnahmen: ­«Büffel und Nilpferde sind die zwei gefährlichsten Tiere, die es gibt», erzählt Fischer. Mit denen würden die meisten tödlichen Unfälle passieren, nicht nur in Verbindung mit Fotografen.

Fotografieren und Lehren

Fischer reist oft, aber nicht alleine nach Afrika. Einen wichtigen Teil seiner Arbeit machen Fotoreisen aus. Bei denen ist er mit einer Reisegruppe um die zwei Wochen lang unterwegs und gibt in Tipps und Tricks sein Wissen weiter, verrät, worauf es ankommt und gibt dabei dank seinem Master-Abschluss als Biologe erst noch spannendes Wissen zur hei­mischen Natur weiter. Was er wohl lieber macht? Beibringen oder selber fotografieren? «Ich habe ja auch noch das höhere Lehramt!», sagt Fischer. So ­mache er beides gern: Foto­grafieren und Lehren. Man ­könne ja seine Vergangenheit nicht leugnen.

Alleine dieses Jahr bietet er Reisen in den Kongo, nach Brasilien und Madagaskar an. Aber auch als Mentor in einem hiesigen ­Seminar kann man ihn buchen, oder aber er bebildert Geschäfts- und andere Räume. Die letzten zwei Jahre hat er sich ausserdem intensiv dem Aufbau eines Online-Archivs gewidmet, das er jetzt als Datenbank Magazinen sowie Privatpersonen zur Ver­fügung stellt.

An eigenen fotografischen Projekten arbeitet er zurzeit noch etwa einen Monat im Jahr, nicht mehr wie früher zwei bis drei ­Monate. «Das widerspricht dem romantischen Bild, das man von der Naturfotografie hat», sagt ­Fischer. Es sei dann jeweils eine wirklich konzertierte Produktion. Es mache zwar mehr Spass, wenn man auf eigene Faust aufbrechen könne. Aber man habe keine Chance, die kleinen «Viecher» zu sehen im Dschungel von Madagaskar, wenn man nicht wisse, wo man suchen müsse.

Suchen muss man bei Fischer auch den militanten Umweltschützer. Obwohl er als Ökologe für Behörden tätig war und jetzt mit Naturschutzorganisationen zusammenarbeitet, wirkt er gar nicht moralisierend. Er klärt auf eine feine, aber nachhaltige Art auf – und genauso wirken seine Bilder nach.

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