LUZERN: Gianna Nannini begeistert mit alten Hits in Luzern

Ein Pianist, der rappt, provokante Gesten und viel Leder: Willkommen in der Welt von Gianna Nannini. Am Dienstagabend spielte die italienische Rocklady mit der Reibeisenstimme ihr erstes von zwei Schweizer Konzerten der «Inno»-Tour.

Annina Hasler, sda
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Gianna Nanninis trat in Luzern auf, hier bei einem Auftritt Ende April in Mailand. (Bild: Keystone)

Gianna Nanninis trat in Luzern auf, hier bei einem Auftritt Ende April in Mailand. (Bild: Keystone)

Es waren vor allem die alten Hymnen, die das Publikum von den Sitzen des ausverkauften Konzertsaals im KKL Luzern rissen. Ob «Bello e impossibile», «I maschi» oder «Profumo», Gianna spielte sie alle. Weniger Anklang hingegen fanden die Stücke des aktuellen Albums «Inno», mit denen die Sängerin und ihre Band das Konzert anstimmten.

Das mag auch daran liegen, dass der Konzertsaal des KKL zwar perfekte Akustik bietet, für ein Rockkonzert aber denkbar ungünstig ist. So muss sich Nannini erst einmal mit der seltsamen Distanz zwischen ihr und dem tief unter ihr sitzenden Publikum arrangieren. Was bewirkt, dass die Sängerin relativ lange unzugänglich und zurückhaltend wirkt.

Es braucht einen «Latin Lover» (1982), bis die 1500 Zuschauerinnen und Zuschauer - praktisch durchwegs im Alter der Sängerin - von ihren Sesseln springen. Auch «Radio Baccano» (1993) bewegt das Publikum zum Tanzen, Pianist Davide Ferrario übernimmt den Rap-Part von Jovanotti.

Der Bann ist gebrochen, und es füllen Zwischenrufe wie «Gianna, sei grande» oder «Sei l'unica» die Pausen zwischen den einzelnen Stücken. Jetzt ist klar: Von Bühnenmüdigkeit nach über 30 Jahren im Showbusiness ist bei Nannini keine Spur zu finden.

Sie provoziert noch immer gerne

Nannini ist eine Livemusikerin, das ist offensichtlich. Songs, die auf dem neuen Album manchmal sehr poppig, fast seicht klingen, erhalten am Konzert mehr Ecken und Kanten. Die hat auch die Musikerin. Noch immer provoziert die charismatische Italienerin gerne mit Griffen an empfindliche Körperteile oder anderen Gesten.

Um Geschlechterstereotypen schert sich Nannini keinen Deut, gerne hängt sie die Mackerin raus, ihre Bühnenoutfits, die sie mehrmals wechselt, bestehen aus Leder, uniformähnlichen Fracks und Shirts, die ihre muskulösen Oberarme betonen.

Musikalisch bietet die Sängerin ihrem Publikum ein breites Spektrum: Sie stimmt Balladen an und versprüht damit Italianità, die an Italien-Ferien und lange zurückliegende Fussballweltmeisterschaften erinnert. Und im Handumdrehen verwandelt sich die 58-Jährige in die schreiende Rockgöre, die einst ganz Italien provozierte.

Ihre Band besteht ausschliesslich aus Männern

In einem zweiten Konzertteil holt Nannini ihre Bandmitglieder - ausschliesslich Männer - vom Podest zu sich herunter und spielt einige der alten Stücke wie «Profumo» (1986) in der intimen Runde in Instrumental-Versionen. Auch den Musikern bietet sie damit eine Plattform, ihr Können zu zeigen.

Zwar verliert Nannini gegen Ende des zweistündigen Konzerts vor den 1500 Zuschauerinnen und Zuschauern etwas an Stimme, dafür gewinnt sie an Profil. Und beweist, was sie trotz Ausflügen in seichtere Gegenden, wirklich ist: Rockerin durch und durch.

So will das aktuelle Album mit seinen oft austauschbaren Popsongs nicht so recht zu Nannini passen. Seinem Namen «Inno» - zu deutsch «Hymne» - wird es jedenfalls nicht gerecht. In einem Interview sagte Nannini einst, sie habe die Lieder noch «im Hormonrausch» kurz nach der Geburt ihrer Tochter vor gut zwei Jahren geschrieben. Die Sängerin gebar mit 55 Jahren ihr erstes Kind.

Am 26. Mai wird Gianna Nannini ihr zweites Schweizer Konzert geben, im Théâtre du Leman in Genf.