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LUZERN: Gianna Nannini stürmt das KKL

Ihre Hitstory Tour 2017 brachte die Rock-Ikone nach Luzern. Nannini war bester Laune und Stimme. Man vermisste höchstens eines – eine kleine Hommage an Joplin.
Susanne Holz
Wie immer eine starke Performerin: Gianna Nannini bei ihrem Auftritt im KKL Luzern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 28. März 2017))

Wie immer eine starke Performerin: Gianna Nannini bei ihrem Auftritt im KKL Luzern. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 28. März 2017))

Susanne Holz

susanne.holz@luzernerzeitung.ch

Dienstagabend, 19.30 Uhr, im KKL. Man sitzt in Reihe 14 und wartet auf Gianna Nannini. Der Konzertsaal ist nicht ganz aus­verkauft, aber beinahe. Nanninis sechs Streicher sind schon da – die Red Rock Strings legen sich in Rot und rechts auf der Bühne mächtig ins Zeug. Eine klassische Nummer, die man wohl kennen sollte, es aber nicht tut.

Man wartet also auf Nannini und ist leicht missgestimmt beim Gedanken, bei Turbo-Hits wie «Latin Lover» brav sitzen bleiben zu müssen. Die italienische Rockröhre und ein Publikum in KKL-Stuhlreihen? Fühlt sich an wie Satire. Überhaupt, das Publikum, wer ist gekommen? Es sind viele graue und weisse Haarschöpfe zu sehen – die Generation von Gianna Nannini halt, deren Geburtsjahr mal mit 1954 (Wikipedia), mal mit 1956 (sie selber) angegeben wird.

Ein Wirbelsturm, eine Naturgewalt

Dass Nannini vermutlich aber ohnehin unsterblich ist, realisiert man in der nächsten Sekunde. Jeglicher Trübsinn wird vom Energiebündel aus Siena nur so weggefegt: Urplötzlich stürmt die Rockröhre die Bühne, genauso plötzlich setzt die Band ein, laut, mit Schlagzeug, Bass, Gitarren, Piano. Gianna Nannini, ein Wirbelsturm, eine Naturgewalt. Man lacht – vermutlich dank einer akuten Flutung mit Glückshormonen. Auch die sechs Streicher lachen übers ganze Gesicht.

«America», legt Nannini los – klar, kein Hit von ihr eignet sich besser für einen derart fulmi­nanten Einstieg als die Hymne aus dem Jahr 1980, als die Kon­ditorentochter mit ihrem rebel­lischen Album «California» zum ersten Mal Furore machte im konservativen Italien, das nichts wissen wollte von Freiheitsstatuen mit Vibrator in der Hand – so zu sehen auf dem Plattencover.

Im KKL lässt «America» das Publikum am Dienstag nach vorne stürmen. Und natürlich stürmt man mit. Schön fände man, folgte gleich im Anschluss «Latin Lover», der zweite Hit von Nannini, der so richtig in die Beine fährt. Diesen Gefallen tut sie einem aber nicht – immerhin ist die studierte Literaturwissenschaftlerin, Philosophin und Komponistin schon über 60 – und auch noch Mutter einer kleinen Tochter, die sie mit Mitte 50 gebar. «Dieses Kind kann sich glücklich schätzen», denkt man unwill­kürlich, sieht man Nannini aus nächster Nähe auf der Bühne hopsen, mit einem Lachen, so breit und herzlich, wie man es leider nicht alle Tage sieht.

Zerzauste Haare und Top-Charisma

Direkt am Bühnenrand drängen sich auch zahlreiche Frauen in schwarzen Shirts mit eindeutigem Schriftzug: der Gianna-Nannini-Fanclub ist ebenfalls auf Tour. Aus Italien, Deutschland, Frankreich kommen sie – Sonia aus Lausanne strahlt und sagt: «Wir sind die ‹Ragazze dell’Europa›.» Ein Hit, der alsbald gespielt wird. «Latin Lover» performt Italiens bester Schreihals dann gegen Ende des Konzerts. Jetzt noch «Me an Bobby Mc-Gee», wünscht man sich – doch leider: Nix mit Janis Joplin, dem grossen Idol von Nannini.

Dafür lassen sich Sängerin und Band mit Zugaben nicht lumpen: Schreiende Gitarren, ein starkes Schlagzeug, dann wieder ein sanftes Piano – die Fans danken das mit Rosen und Plüschherzen. «Aria», «Un’estate italiana», alle singen mit, auch die, die kein Wort Italienisch können. Gianna lacht und will ihrem ersten Geiger auf die Schultern klettern. Klatscht die Hände der Fans ab. Zerzauste Haare, Fendi-Glitzer-Outfit und Top-Charisma.

Letzte Zugabe: «Revolution». Zwei Stunden sind um. Was tun? Nach Revolution wäre einem nun auch zu Mute. Mit dem Schlagzeuger durchbrennen? Selbst Schlagzeuger werden? Sich an den Fanclub heften? Wenigstens darf man schreibend schwärmen, von dieser Powerfrau des Rock.

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