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LUZERN: Gitarren boten faszinierendes Klangbad im Neubad

Das Guitar-Festival lieferte auch zum Abschluss kontrastreiche Konzerte. Das Lucerne Guitar Collective, Studierende aus Klassik und Jazz, überzeugte auf bis zu 15 E-Gitarren. Und ein Meister der leisen Töne versetzte in atemloses Staunen.
Gitarrenlehrer Mats Scheidegger bot eines der Highlights des diesjährigen Guitar-Festivals. (Bild: PD)

Gitarrenlehrer Mats Scheidegger bot eines der Highlights des diesjährigen Guitar-Festivals. (Bild: PD)

Was für ein Spektrum hielt das Guitar-Festival am Samstag im Neubad Luzern bereit! Die Konzerte boten aussergewöhnliche Kontraste von unglaublichem Rundum-Sound mit E-Gitarren bis zu hauchleise filigranen Klängen der klassischen Gitarre. Und die Besucherströme in allen neun Konzerten übertrafen die Erwartungen bei weitem.

Das mache Lust auf mehr, zog Initiator Raoul Morat Bilanz; bisher gab es etwa vier Konzerte über das Jahr verteilt, aber dieses Jubiläumsfestival, komprimiert auf fünf Tage, fand beste Resonanz. Es gab interessierte Zuhörer, die mehrere Konzerte besuchten und es sehr genossen, die Gitarre in ihrer ganzen Vielfalt zu erleben; ein Meisterkurs erweiterte das Programm.

Die Ohrenstöpsel brauchte es nur einmal

Auch Elise Tricoteaux, Präsidentin von Fokus Gitarre, meinte, dass sich die lange Vorbereitungszeit gelohnt hat. Das Konzert am Donnerstag war ausverkauft und alle anderen Konzerte sehr gut besucht. Zwischen den Solorezitals und Kammermusik-formationen (vergleiche Bericht vom Samstag), die sowohl im Marianischen Saal als auch im Neubad gute Bedingungen hatten, nahm das Nachmittagskonzert am Samstag eine Sonderstellung ein. Das Projekt mit fünfzehn Elektrogitarren liess sich nur in Zusammenarbeit mit der Musikhochschule Luzern verwirklichen, und es lockte trotz des schönen Wetters auch viele Familien mit Kindern an.

Vorsichtshalber wurden Ohrstöpsel verteilt – aber nur in dem Solostück «Trash TV Trance» des 2004 mit erst 41 Jahren verstorbenen italienischen Komponisten Fausto Romitelli gab es aggressive Klänge. Mauro Guggenbühler bearbeitete da seine E-Gitarre mit verschiedenen Gegenständen – Rasierapparat, Schwamm, Drumstick oder Geigenbogen. Und durch live übereinander gelagerte Loops entstand der Eindruck von bis zu sieben Gitarren.

Ruhig, mystisch und sphärisch begann das Konzert mit «Nebula» von Jordan Nobles. Die Komposition für acht elektrische Gitarren und zwei E-Bassgitarren verlangte von den Studierenden, die als Lucerne Guitar Collective auftraten, höchste Konzentration. Sie mussten die Töne sekundengenau spielen und benutzten für die Zeitangabe ihre Handys. Über einem immer wiederkehrenden Basston entfalteten sich die Klänge zunächst wie unter Wasser. Passender als im Neubadgrund geht dies kaum. Und sie verschoben sich minimal harmonisch und klanglich. Da tönte es schon mal wie Blasinstrumente oder Streicher, wie Wind oder Wellen auf- und abschwellend breiteten sich die Tonverbindungen aus.

Für das Septett von James Tenney (1934–2006) für 6 E-Gitarren und E-Bass gab Mats Scheidegger den exakten Takt an. Er unterrichtet Gitarre und Kammermusik an der Hochschule. Dieses Stück wird durchgehend von allen nur auf einem Ton gespielt, der sich aber durch rhythmische Verzahnungen und ständige Veränderungen zu orchestralem Klang ausbreitet. Faszinierend, wie es durch die vielen sich überlagernden Obertöne mal wie Läuten von Kirchen- oder Kuhglocken klang und über dem Bass schwebte.

Rundum-Sound mit Sogwirkung

Dass man «Electric Guitar Counterpoint» von Steve Reich einmal mit wirklich 15 Instrumenten hören konnte, war ein eindrucksvolles Erlebnis. Da wurden alle 15 E-Gitarren von den Klassik- und Jazz-Studenten gespielt. Sie lieferten den pulsierenden Rhythmus wunderbar klar, setzten nacheinander ein und liessen sich swingend auf die minimalistisch veränderten Harmonien und die sich stets ändernde Dynamik ein. Der Farbenreichtum der drei Teile bildete fantastischen Rundum-Sound mit enormer Sogwirkung.

Nach diesem Klangrausch gab es am Abend ein klassisches Gitarrenrezital mit einem Meister der leisesten Töne. Der polnische Gitarrist Marcin Dylla ist vielfach ausgezeichnet, gilt weltweit als einer der Besten seines Fachs und nahm das Publikum im voll besetzten Neubad mit auf eine Reise durch meditative und zarte Musik. Mit grandioser Technik zeichnete er die Feinheiten der Sonata op. 15 von Mauro Giuliani, ging bis in zarteste Register, und das Publikum lauschte atemlos.

Mit den Cinq Préludes von Villa-Lobos gab es spanisches Flair, das er ruhevoll auskostete. Er schien die Töne aus seiner Gitarre herauszulocken, indem er sich innig mit ihr verband. «Nocturnal» von Britten interpretierte er mit leichter Hand und variablen Klängen, zauberte mühelos virtuose, dabei filigrane Arpeggien. Aber erst in den Zugaben von Manuel Maria Ponce (Kadenz aus dem «Concierto del sur») und Joaquin Turina zeigte er temperamentvolle Rhythmik, gepaart mit akrobatischer Finesse.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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