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LUZERN: Globalisierung aus dem Schellack-Trichter

Ohne inhaltlichen Bezug zum Osterfestival lockte «Lucerne Young» Kinder ins Neubad. Und zwar zu einer spassigen musikalischen Weltreise, bei der aber die Bewegung den Musikern vorbehalten blieb.
Spiel mit Volksmusikoriginalen im Neubad. (Bild: Peter Fischli/LF (9. April 2017))

Spiel mit Volksmusikoriginalen im Neubad. (Bild: Peter Fischli/LF (9. April 2017))

Das am Sonntag zu Ende gegangene Osterfestival setzte Zeichen für die Zukunft mit Produktionen, die Bewegungselemente miteinbezogen. Das ging bis hin zur Interaktion mit dem Publikum im Bewegungstheater zu Monteverdis Marienvesper in der Jesuitenkirche (Ausgabe von gestern). Ohne thematischen Bezug zum Festival erinnerte am Sonntag eine Young-Produktion von Lucerne Festival daran, dass das genau die Elemente sind, mit denen man auch Kinder abholen kann.

Aber das Stück «Once Around The World» blieb im Neubad trotz einer reizvollen Story hinter diesem Anspruch zurück. Auf der Poolbühne war vor dem Ensemble der Academy-Alumni ein Trichter-Plattenspieler platziert. Mike Svoboda (Erzähler und musikalische Leitung) kramte alte Schellackplatten hervor, die sein «Urgrossvater» auf Weltreisen aufgenommen hatte.

Schöne neue Weltvolksmusik

Aus dem Trichter knisterten bayerische Volksmusik, Balkan-Grooves oder afrikanische Gesänge. Dazu sah man auf animierten Postkartenprojektionen den Urgrossvater (Svoboda selber witzig mit Tropenhelm) unter furchterregenden «Nègres» (Postkartenunterschrift) posieren.

In einer Zeit, wo selbst CDs ein Auslaufmodell sind, war das für die Kleinen ein gwundriges Kuriosum. Und wenn das vorzügliche Alumni-Ensemble sich spritzig und herzhaft in die historischen Tonspuren einmischte und diese frei weiterspann, hatte das nicht nur hohen Unterhaltungswert. Wenn aus Originalen etwas Eigenes entstand, das doch immer ähnlich nach neuer Weltvolksmusik klang, konnte man sogar ins Sinnieren kommen über die musikalische Globalisierung und Stillvermengung seit dem Schellackzeitalter.

Aber im Verlauf der einstündigen Vorstellung erwies sich die Story doch als dünn. Die Auseinandersetzungen zwischen Svoboda und seinem – animierten – Urgrossvater verloren sich etwa in Disputen darüber, ob diese oder jene Aufnahme im Senegal oder in Südafrika gemacht wurde. Schon da, mitten im Rätselkontinent Afrika, schielten selbst Erwachsene erstmals auf die Uhr. Die einzige Aktivität, die den Kindern zugestanden wurde, war die Bestätigung, ob sie diese oder jene Aufnahme hören wollten.

Ein Sprung in der Platte

Natürlich wollten sie, aber die obligaten Ja-Rufe blieben so halbherzig wie diese Animationsversuche selber. Erstaunlich: In der Jesuitenkirche liess sich das Festivalpublikum dazu verführen, bei Monteverdis vielstimmigem «Ave Maris Stella» mitzusingen. Hier im Neubad bekam man nicht einmal bei Liedern, wo sich das geradezu aufdrängte, Gelegenheit dazu.

Da sprang einem ein neapolitanisches Volkslied derart ins Herz und in die Beine, dass man lieber ins zeitlos-authentische Original eingestimmt hätte, statt seiner Verfremdung zuzuhören. Aber ausgerechnet hier hatte die Schellackplatte einen – fiktiven – Sprung. Das gab zwar Gelegenheit für eine theatrale Einlage – aber eben nur für die Musiker.

Am Schluss war man froh, dass die Reise quasi im Dampf­loki-Schnellzug durch die USA führte – die augenzwinkernden Reiseanimationen mit Fahrrad, Esel oder Flugzeug bestätigten sich bis zum Schluss als ein Höhepunkt vor allem für kleineren Kinder. Das nahtlose Zapping durch Blues-, Swing- und Countrystile profitierte nochmals von den hohen musikalischen Qualitäten des Ensembles als Herzstück der ganzen Produktion.

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

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