LUZERN: Herbert-Haag-Preis geht an Volker Hesse und Andreas Knapp

Der Herbert-Haag-Preis 2018 geht an den Zürcher Theatermann und Regisseur Volker Hesse und den religiösen Lyriker Andreas Knapp. Die Herbert Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche hat das Wirken der beiden am Sonntag in Luzern ausgezeichnet.
Volker Hesse (73) inszenierte unter vielem anderem das Theater zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im April 2016. (Bild: Florian Arnold)

Volker Hesse (73) inszenierte unter vielem anderem das Theater zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im April 2016. (Bild: Florian Arnold)

«Eine katholische Stiftung beauftragt einen protestantischen Politiker damit, einen Theatermann zu loben. Was verbindet die drei?» So startete alt Bundesrat Moritz Leuenberger gestern im Hotel Schweizerhof vor weit über 200 Gästen die Laudatio für den Zürcher Regisseur Volker Hesse.

Natürlich wusste er um die Verbindung gleich selber: Es sind die Inszenierungen, die weder der katholischen Kirche noch der Politik und schon gar nicht dem Theatermann fremd seien. «Tiara und Weihrauch, Nationalhymnen und Paraden, der Vorhang und die Bühne: Wir treten auf, wir spielen, wir treten ab. Und alle drei Welten sehen sich immer wieder Erstarrung gegenüber: Ideologien, Dogmen, Abkapselungen und Überheblichkeiten, welche uns bedrohen.»

Nicht nur zur Freude der Auftraggeber

Leuenberger würdigte die Arbeit Hesses etwa anhand der Produktion zur Eröffnung des Gotthard-Basistunnels 2016. Hesse habe die Ambivalenz zwischen Natur und menschlichem Mobilitätsdrang, zwischen Unkontrollierbarkeit und Glauben an technische Machbarkeit thematisiert. Dies in einer direkt auf das Gefühl zielenden Theatersprache, die viel mehr gewirkt habe als die Worte der Politiker. «Und nicht nur zur Freude der Auftraggeber.» Denn diese hätten lieber etwas mehr Patriotismus erlebt. Auch in anderen Produktionen habe Hesse dem häufigen politischen Erwartungsdruck widerstanden.

Zu den Tellspielen 2008 sagte Leuenberger: «Volker Hesse hat uns statt eines Kämpfers gegen fremde Richter aus der habsburgischen EU einen apolitischen egozentrischen Einzelgänger gezeigt. Da ist ein Akt der Befreiung von Mythen, die für politische Dogmen missbraucht werden.» Und launig meinte er: «Noch heute meinen 7 von 10 Schweizern, Tell sei der Ehemann von Heidi, und die beiden hätten im Albisgüetli geheiratet.»

Volker Hesse, der auch zweimal beim Einsiedler Welttheater, 2013 das Freilichtspiel Tribschen «Wetterleuchten» sowie 2017 in Zürich «Akte Zwingli» inszeniert hatte, wies in seiner Dankesrede auf das katholische Milieu hin, in dem er aufgewachsen sei. «Am Anfang war Zorn. Ich lehnte mich auf gegen verlogene Sexualmoral oder gewalttätige Erziehungsmethoden. Entsprechend waren meine ersten künstlerischen Arbeiten waren und blasphemisch.» Mit der Zeit habe er sich mehr für politische Themen, etwa für ökonomische Gerechtigkeit, interessiert. «Aber die religiöse Sozialisation wirkte weiter, auch positiv. Es gab Menschen in meinem Leben, die tatsächlich christliche Liebe praktizierten. Zudem habe ich inszenatorisch stark vom Katholizismus und seinen sinnlichen Ritualen profitiert.» Und er wies dabei auf das Beispiel des Welttheaters Einsiedeln.

Der eine expressiv, der andere tastend

Zwischen Volker Hesse und dem zweiten Preisträger, dem Leipziger Priester Andreas Knapp, gibt es Gemeinsames. Dies zeigte Erwin Koller, Präsident der Herbert-Haag-Stiftung: «Beide nehmen die Sprache heutiger Menschen samt ihrer Rebellion und ihrer Not im Angesicht der Welt auf, vorsichtig tastend der Lyriker, expressiv bewegt der Regisseur.»

Zu Andreas Knapp meinte er weiter: «Er buchstabiert neu, was ihm Jesus bedeutet, sucht Worte jenseits des Katechismus mit dem absoluten Gültigkeitsanspruch, verständlich auch für religiöse Analphabeten.» So habe er Texte verfasst, die heute zur eindrucksvollsten und meistgelesenen religiösen Lyrik gehören. (are)

Andreas Knapp. (Bild: ZVG)

Andreas Knapp. (Bild: ZVG)

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