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LUZERN: Heute geht's los: Das Blue Balls Festival startet mit souligem Auftakt

Das diesjährige Aushängeschild des Luzerner Blue Balls Festivals, der 23-jährige Londoner Samm Henshaw, eröffnet heute das neuntägige Festival. Neben weiteren Nachwuchshoffnungen stehen auch zahlreiche gestandene Künstler und Publikumsmagnete auf den Bühnen.
Blue Balls auf dem Europaplatz vor dem KKL. (Bild: Manuela Jans- Koch)

Blue Balls auf dem Europaplatz vor dem KKL. (Bild: Manuela Jans- Koch)

Am (heutigen) Eröffnungsabend des diesjährigen Blue Balls Festivals wird der Londoner Samm Henshaw, der nigerianische Wurzeln hat, im Luzerner Saal des KKL sein erstes Schweizer Konzert spielen. Henshaw spielt ein weites Spektrum an Soul. Sein erstes Album nahm er im Februar auf. Am gleichen Abend gibt der deutsche Soul- und R&B-Sänger Xavier Naidoo im Konzertsaal des KKL ein akustisches Konzert. Los geht das Blue Balls am Freitagabend um 18 Uhr.

Denn das Festival bleibt sich auch bei seiner 25. Ausgabe treu und engagiert neben Nachwuchshoffnungen gestandene Künstler und Publikumsmagnete. Gleichzeitig setzen die Programmmacher auf stilistische Vielfalt von Soul über Pop bis Rock.

Auf der Bühne stehen neben der US-Sängerin Macy Gray auch die Londoner Trip-Hop-Band Morcheeba, der Singer-Songwriter David Gray, und die Punk- und Rock-Ikone der 1970er-Jahre, Patti Smith, in Luzern auf der Bühne.

Vertreten ist aber auch eine junge Garde. Beispielsweise gibt das deutsch-schweizerische Duo BOY ein exklusives Konzert. Sie hat für die Abschluss-Nacht des Blue Balls Festivals eine Carte Blanche erhalten.

Zu hören sind auch die junge Norwegerin Aurora oder die 18-jährige Britin Mahalia, deren erstes Album Anfang 2017 erschien, die aber bereits Shows von Ed Sheeran oder Tom Odell eröffnet hatte.

Musik im und ums KKL

Erwartet werden an den neun Festivaltagen gegen 100'000 Besucher. Festival-Locations sind das KKL, der Pavillon und das Hotel Schweizerhof. Vor dem KKL und auf der Pavillon-Bühne bemalen nationale und internationale Künstler 4 Quadratmeter grosse Leinwände. An den neun Tagen entstehen total 18 Kunstwerke, die gekauft werden können.

sda

Tipps der Redaktion fürs Blue Balls Festival

Neben dem Hauptprogramm im KKL bietet das Festival weitere, viele Entdeckungen. Wir haben für jeden Veranstaltungstag einen Tipp herausgesucht.

Täglich The Rolling Stones Olé, Olé, Olé!, 22 Uhr, KKL

Nein, Sie haben nichts verpasst: Die Rolling Stones kommen nicht ans Blue Balls. Aber auf der Leinwand kann man sie bewundern: Der Dokumentarfilm «The Rolling Stones Olé, Olé, Olé!» über ihre Tour durch Südamerika feiert am Blue Balls Schweizer Kinopremiere. Dabei kann man euphorisierte Fans und die Altrocker in beeindruckender Form erleben. Ein Besuch im Kino erscheint uns gerade für den Sonntagabend ideal. Wer die Stones übrigens wirklich live sehen will: Am 20. September kommen sie in den Zürcher Letzigrund.

Freitag, 21. Juli Avender, 18 Uhr, Seebar

Im allgemeinen Trubel rund um das Luzerner Seebecken bildet die Bühne vor der Seebar beim KKL die Ruheinsel. Dort auf der «Young Talent Stage» spielen Jazzstudenten von verschiedenen Hochschulen aus der Schweiz. Eröffnet wird diese Bühne mit Luzerner Beteiligung: Sängerin Despina Corazza hat soeben die hiesige Jazzschule abgeschlossen, und Kontrabassist Jonas Künzli stammt aus Büron. Zusammen machen sie eine auf die Essenz eingedampfte Musik, die viel Wärme und Gefühl ausstrahlt. Genau das Richtige, um kurz innezuhalten, bevor man sich wieder ins grosse Getümmel stürzt.

Samstag, 22. Juli Taktattackers, 23 Uhr, Schweizerhof

Die Blue-Balls-Nächte im Hotel Schweizerhof sind lange, intensiv und heiss. Manchmal, so behaupten böse Zungen, käme es gar nicht so drauf an, wer denn auf der Bühne im Zeugheersaal Musik macht – die Nacht generell und diverse kalte Getränke sorgen sowieso für Party. Im Fall der Taktattackers aus Deutschland ist dem Festival aber eine gelungene Wahl für den Samstagabend geglückt. Ihr mit viel Reggae versetzter Hip-Hop hat genügend Punch, um die Temperatur im altehrwürdigen Saal noch einige Grade höherzuschrauben.

Montag, 24. Juli Belly Hole Freak 18 Uhr, Schweizerhof

Von seinen Anfängen als Blues Festival sind beim Blue Balls heute nur noch Spuren übrig geblieben. Doch es gibt den Blues immer noch. Etwa der Belly Hole Freak aus Italien, der ab Montag drei Tage vor dem Hotel Schweizerhof spielt. Als Ein-Mann-Band spielt er den Blues in seiner dreckigen, knorrigen Variante, versetzt ihn aber auch mit Trompete und sonstigen Groovern. Man hört der Musik die Strasse an, das ist ein schöner Kontrast zu all den glatt geschliffenen Popsternchen dieser Tage.

Dienstag, 25. Juli GeilerAsDu, 18 Uhr, Pavillon

Nicht nur der Blues ist am Blue Balls nicht gerade übervertreten, auch Luzerner Künstler sind eher die Ausnahme. Mit GeilerAsDu steht aber etwas vom Besten aus der Region auf der Pavillonbühne. Das ist Rap mit Haltung, Mut und einem eigenen Flow. Die Texte sind weit weg vom Hedonismus von anderen Schweizer Rappern und oftmals dunkel und abgründig. Aber keine Angst: Das wird kein trauriger Anlass. Auch als Liveact sind GeilerAsDu ausgezeichnet und finden den richtigen Mix zwischen Party und Aussage. Und Herumhüpfen kann man auch nach dem Konzert genug: Dann kommt der Bieler Nemo auf die Bühne. Der ist deutlich jünger und tanzbarer.

Mittwoch, 26. Juli Wildwood Kin, 18 Uhr, KKL Plaza

Die drei Frauen (darunter zwei Schwestern) von Wildwood Kin haben gerade einen Lauf. Soeben spielten sie am grossen Glastonbury-Festival (auf einer Nebenbühne), und im August erscheint ihr Debütalbum auf einem Unterlabel von Sony. Sie spielen einen oftmals dreistimmigen und harmonieverliebten Folk. Das erfindet zwar das Rad der Musik nicht unbedingt neu, ist aber äusserst eingängig, hat viele schöne Melodien und macht gute Laune.

Donnerstag, 27. Juli Voodo Jürgens, 20 Uhr, Pavillon

Musik aus Österreich hat derzeit Hochkonjunktur. Wanda und Bilderbuch gehören zu den angesagtesten Acts im deutschsprachigen Raum. Ganz so weit ist Voodo Jürgens noch nicht. Aber vielleicht schon bald. In breitestem Wiener Dialekt erzählt er über reichlich rumpligen Sound allerlei groteske Geschichten. Das ist vielleicht nicht wirklich durchgehend mehrheitsfähig, aber steckt so voller Charme, Witz und einer Schrägheit, dass man einfach fast hinhören muss.

Freitag, 28. Juli Tash Sultana, 20 Uhr, Pavillon

Es gibt dieses Video von Tash Sul­tana. «Jungle» heisst es und wurde in der Stube ihres Elternhauses in Melbourne aufgenommen. Die damals 20-Jährige hat in dem sonst schon recht überstellten Zimmer viel Material aufgebaut. Gitarre, Mischpult, Computer und einen ganzen Haufen Effektgeräte. Dann beginnt Sultana den Song langsam aufzuschichten, Riff um Riff und Beat um Beat, dazu singt die Dame und tanzt, als wäre es gerade morgens um drei in einer Disco.

Ganz allein entwickelt sie dabei ­einen Sog und eine Energie, die anderen Bands auch in der Grossbesetzung abgehen. Es ist ein hypnotischer Mix aus Reggae, Folk und recht rockigen Passagen. Ihre musikalische Technik ist dabei deutlich weniger imposant als ihr Gespür für den Song: Selbst das knapp achtminü­tige «Jungle» wird eigentlich nie langweilig – allen Spielereien und Ausufereien zum Trotz. Auf Youtube wurde der Song bereits drei Millionen Mal geklickt. Das wird ein Ereignis.

Samstag, 29. Juli Abay, 20 Uhr, Pavillon

Aydo Abay war auch schon in Luzern. 2006 spielte er mit seiner damaligen Band Blackmail in der Schüür. Blackmail waren eine prägende Band in der deutschen Gitarrenrock-Landschaft. Ende 2008 gingen Band und Abay getrennte Wege. Der Sänger hat aber nie aufgehört, Musik zu machen. Unter anderem mit Ken oder nun mit Abay. Pop mit einem gewissen Hang zum Pathos, der aber auch vor krachigeren und druckvolleren Passagen keine Angst hat. Ein würdiger Schluss des Festivals.

Michael Graber
michael.graber@luzernerzeitung.ch

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