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LUZERN: Hier konnte man akustische Bilder betrachten

Gemeinsam in der Stille eines Raumes sieben elektronische Kompositionen hören: Das «Elephant House» lud zu einer akustischen Ausstellung. Sie ermöglichte ein besonderes Kunsterlebnis.

Endlich eine Vernissage ohne Geknabber, Geplapper und Gedränge im Ausstellungsraum. Mancher Künstler würde sich das wünschen: Aufmerksamkeit. Aber die Vernissage war auch schon die Finissage, und die Ausstellung dauerte – mit Pause – gut anderthalb Stunden. Zu sehen gab es nichts als weisse Wände und das Aufscheinen und Vergehen von inneren Bildern. Im Zentrum stand der Klang.

«Wie kann Sound in einem Ausstellungsraum präsentiert werden, ohne dabei Nebenprodukt einer Installation oder Videoarbeit zu sein und ohne eine Konzert im Rahmenprogramm zu werden?»: Das war die Versuchsanordnung, mit welcher Remo Bitzi und Martinas Lussi am Samstagabend das Publikum im sic! Raum für Kunst (Elephant House) konfrontierten.

Der Titel «Chairs, speakers, sparse light» beschrieb die Ausstattung: Stühle, vier Lautsprecher und das (immer noch helle) Licht einer Halogenlampe gaben das Setting, in dem man Kunst auf sich wirken lassen konnte. Bitzi und Lussi vermittelten mit Kompositionen von Soundproduzenten aus Australien, Deutschland, Holland, Ägypten, Frankreich und der Schweiz ein abwechslungsreiches Hörbild von zeitgenössisch elektronischer Musik.

Ermüdend und faszinierend

Mit Franziska Lingg und Shayu waren auch zwei Luzerner Soundkünstlerinnen vertreten. Shayu lieferte mit «Pontia Helice» ein vitales, zugängliches Stück modernerer Electronica mit verschobenen Beats und Soundschichtungen, während Franziska Lingg den Begriff Komposition in ihrem klanglich plastischen und von Brüchen durchsetzten Stück «Momentum_2» am stringentesten umsetzte.

Andere Kompositionen spielten mit Field Recordings, Drone, synthetischen Flächen und effektgeladenen Verschwurbelungen. Die mit knapp 18 Minuten längste Komposition – «Vegetations» von Félicia Atkinson – war trotz latenten Ermüdungserscheinungen das faszinierendste und in seiner Machart vielleicht konsequenteste Stück des Abends. Gedacht als «soundpiece and poemscore», ermöglichten einem die Ruhe und das Space dieser Musik, die Leerstellen der Rhythmik und Klanganordnungen mit den sparsamen Worten des Gedichtes «A Plant» zu füllen, das auf einem Blatt mitgeliefert wurde. Oder einfach die Leerstellen atmen zu lassen.

Gegen 40 Personen sassen auf den Stühlen, bunt im Raum verteilt. Einige hielten die Augen geschlossen, andere starrten in den Boden oder suchten sonst eine gedankenversunkene Position. Hörenderweise schweifte man zwischen weissen Wänden, Musik aus vier Lautsprechern, Aussengeräuschen und assoziativen Impulsen im Kopf. Es war ein Setting, in dem man sich für einmal voll auf das Ausstellungs­thema konzentrieren konnte.

Andere Versuchsanordnungen, Klang im Raum zu präsentieren, sind denkbar und rufen nach einer Fortsetzung. Mehr und weniger Licht, völlige Dunkelheit, Hängematten, Schlafkonzert. Es wird sich erneut zeigen: Eine Hörgalerie ist mindestens so abenteuerlich wie ein visueller Gang durch Bilder einer Ausstellung.

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

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