LUZERN: Jahresausstellung Zentralschweizer Kunstschaffen: Die Poesie der Leere

30 Werke hat die Jury dieses Jahr für die Jahresausstellung des Zentralschweizer Kunstschaffens selektioniert. Mit dem Jurypreis für Monika Feucht und dem Ausstellungspreis für Rebekka Steiger werden zwei sorgfältige und ausdrucksstarke Arbeiten ausgezeichnet.

Julia Stephan
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Das sind die prämierten Arbeiten im Kunstmuseum Luzern: ein Teil von Monika Feuchts Bleistiftarbeit «Paarlauf: Tête-à-Tête». (Bilder: Kunstmuseum Luzern)

Das sind die prämierten Arbeiten im Kunstmuseum Luzern: ein Teil von Monika Feuchts Bleistiftarbeit «Paarlauf: Tête-à-Tête». (Bilder: Kunstmuseum Luzern)

Dieser Selektionsprozess habe schon etwas «Sportliches», meinte Luzerns Kunstmuseumsdirektorin Fanni Fetzer an der gestrigen Medienkonferenz im Luzerner Kunstmuseum. Sie spielte damit an auf den Ruf der Jahresausstellung als interkantonaler Wettkampf um Exzellenz in Sachen Kunst.

180 Künstler aus den Kantonen Luzern, Obwalden, Nidwalden, Schwyz, Uri und Zug haben sich dieses Jahr um die Teilnahme beworben. Wo andere Kantone wie etwa der Aargau bei ihrer Auswahl in den eigenen Kantonsgrenzen bleiben, präsentieren sich die Zentralschweizer Kantone traditionell gemeinsam im Luzerner Kunstmuseum.

Kantone haben neu mehr Mitspracherecht

Neben den Problemen und Empfindlichkeiten, die sich daraus ergeben – um die Berücksichtigung aller Kantone zu gewährleisten, ernennt seit diesem Jahr abwechselnd je ein Kulturbeauftragter eines Kantons ein Jurymitglied –, hat dieses Vorgehen auch klare Vorteile: Die Auswahl ist grösser und die schweizweite Ausstrahlungskraft erhöht. Dass man in der Zentralschweiz mehr auf Klasse statt Masse setzt, ist begrüssenswert. 2014 wurden 41, 2015 22 und in diesem Jahr 30 Künstler ausgewählt. Zum Vergleich: Das Aargauer Kunsthaus lässt in diesem Jahr 72 Künstler in seine Ausstellungsräume.

Selektionierung erhöht den Leistungsdruck. Um den auszuhalten, konnte man sich legales und illegales Dope gleich an der Eingangspforte der Ausstellung abholen. Dort steht ein grell bemalter Zigarettenautomat. Der spuckt gegen Geld die legalen und illegalen Lifestyledrogen unserer Zeit aus: von Zucker und Kaffee über Ritalin und Crack könnte man da alles beziehen.

Die Betonung liegt auf «könnte». Denn Martin Guts «Drugsomat» ist defekt. Ebenso wie die Leistungskraft der Menschen, die auf solche Aufputschmittel angewiesen sind.

Leistungsdruck im Kunstbetrieb

Leistungsdruck und Wettbewerb thematisiert auch die letztjährige Gewinnerin des Ausstellungspreises der Kunstgesellschaft Luzern. Die in Berlin lebende Künstlerin Sabrina Labis ist mit Jahrgang 1990 eine digital native. Ihre Computersimulation, das Herz ihrer Kabinettausstellung «You are the only one», lässt uns durch die leere Messehalle der Art Basel schweben. An die Wand hat Labis Styroporverpackungen von Flachbildschirmen angebracht, als handle es sich dabei um Pilaster. Und Videoszenen von Skirennen – Fanni Fetzers angekündigter Sportgeist lässt grüssen! – und Bewegungen eines Tai-Chi-Lehrers in Zeitlupe werden mit Reflexionen über den Kunstmarkt unterlegt.

Das sind starke Bilder für die Verpackungskunst auf dem Kunstparkett, welche die Leere mal mehr oder weniger originell kaschiert.

Marzahn erscheint wie ein Weltraum

Um architektonische wie zwischenmenschliche Leere gehts in Moritz Hosslis Arbeit «Allee der Kosmonauten». Dass der Künstler ebenfalls in Berlin lebt, mag die inhaltliche Nähe zu Labis erklären. In der Videoarbeit verbindet er die Gespräche von Hobbyfunkern aus dem Berliner Stadtteil Marzahn mit Videovogelperspektiven von den grosszügig auf dem Gelände verteilten Wohnsilos. Marzahn erscheint wie ein Weltraum mit unendlichen Weiten oder Brachen, wo man nur über Funk soziale Kontakte herstellen kann. Monika Feucht (*1956), die Gewinnerin des mit 12 000 Franken dotierten Jurypreises, sowie die Gewinnerin der nächsten Kabinettausstellung Rebekka Steiger (*1993) gehen den klassischeren und sinnlicheren Weg über Zeichnung und Malerei.

Die Haare als Forschungsobjekt

Die in Luzern lebende Monika Feucht liess sich für ihre Arbeit «Paarlauf: Tête-à-tète» von Modeschaubildern inspirieren. Grossformatig hat die Künstlerin in Kleinstarbeit mit einem feinen Bleistift Haarknoten aufs Papier gestrichelt, die ohne den dazugehörigen Körper ein merkwürdiges Eigenleben bekommen.

Genauso akribisch vorgegangen ist Rebekka Steiger. Die Ölbilder «Feuer fangen» und «Set the world on fire» der jungen Künstlerin zeigen Menschen in Einsamkeit. Die intensive Emotionalität dieser Bilder ist das Produkt vieler Übermalungen.

Julia Stephan
julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Tickets fürs Museum

Wir verlosen 3-mal 2 Eintritte in die Jahresausstellung des Zentralschweizer Kunstschaffens im Kunstmuseum Luzern. Und so funktionierts: Wählen Sie heute noch die Telefonnummer 0901 83 30 23 (1.50 CHF pro Anruf), oder nehmen Sie unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe an der Verlosung teil. Die Gewinner werden informiert.

Rebekka Steigers ausdrucksstarke Ölgemälde «Feuer fangen». (Bilder: Kunstmuseum Luzern)

Rebekka Steigers ausdrucksstarke Ölgemälde «Feuer fangen». (Bilder: Kunstmuseum Luzern)

Rebekka Steigers Werk «Set the world on fire». (Bilder: Kunstmuseum Luzern)

Rebekka Steigers Werk «Set the world on fire». (Bilder: Kunstmuseum Luzern)