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LUZERN: Junge Oper – Geschlechterkampf mit Wasserpistolen

Die Oper hält immer mehr Einzug in der freien Szene: Das jüngste Projekt zeigt, wie man auch eine spröde Haydn-Rarität spielerisch lebendig machen kann.
Auch die Situationskomik kam im Theaterpavillion nicht zu kurz. (Bild: PD)

Auch die Situationskomik kam im Theaterpavillion nicht zu kurz. (Bild: PD)

Wenn von der freien Szene die Rede ist, denken alle an Performance und Theater. Aber Oper, wo zu den Sängern und zur Ausstattung ein Orchester hinzukommt? Das ist ohne Subventionen kaum zu stemmen. Umso spannender ist, dass sich in der Region Versuche mehren, Oper ausserhalb etablierter Institutionen nah ans Publikum heranzubringen an der Bar, im Soap-Format oder im Neubad Luzern.

Nun stellte sich diese Woche eine weitere Gruppe vor, die Oper für ein jüngeres Publikum zugänglich machen will. Gegründet wurde die «JunGe Oper» von der Pianistin Eva Laas, die an der Musikhochschule Luzern studiert hat. Aber obwohl Gesangsstudenten und Musiker aus deren Umfeld mitwirken, war die Produktion mit Haydns «L’isola disabitata» auf sich allein gestellt.

Hörbar heikle Aufgaben für Instrumentalisten

Gemessen daran beeindruckte die Premiere am Dienstag im Theaterpavillon durch das professionelle Niveau des Sängerquartetts. Mit Haydns Oper hatte es sich die Truppe aber nicht leicht gemacht. Sie wirkt spröde im Vergleich zum dramatischen Kick eines Mozart. Und sie stellt das solistisch besetzte Instrumentalensemble hörbar vor heikle Aufgaben, auch wenn die kammermusikalische Fassung dem schlanken Musizieren unter der Leitung von Michael Koeck ei­gene Qualitäten verdankte.

Die Geschichte der Frau, die von ihrem Geliebten vermeintlich verraten und auf einer Insel sitzen gelassen wird, gab dann aktuellen Stoff her für eine Art Geschlechterkampf. Regisseurin Eva Laas geht ihn, unterstützt von den poppig-pointierten Kostümen von Moana Lehmann, spielerisch-versöhnlich an.

Sie kontrastiert das Leidenspathos der verlassenen Geliebten mit der kecken Lebenslust ihrer Schwester. Die beiden Männer karikieren mit Mafiosi-Brillen und Body-Builder-Posen Männerklischees, hinter denen sich doch Softies verstecken. Einfache Requisiten wie ein raffiniert eingesetztes Spiegel-Bild oder Wasserpistolen unterstützen die Situationskomik, die an der gut besuchten Premiere vom Dienstag viele Lacher erntete.

Junge Sänger sorgen für Höhepunkte

Entdeckungen sind dennoch vor allem bei den Sängern zu machen. Gabriela Glaus verhilft mit wendig-leichter Stimme dem Abend zu einem starken Schuss Theaterblut, und wenn sie Edgardo (Jonathan Prelicz mit warm vibrierendem, klar zeichnendem Bariton) aus seiner Coolness befreit und in den Gefühlsstrudel mit hineinzieht, wird das ein Höhepunkt des Abends. Beim ernsten Paar setzt Eva Hergers Altstimme expressive Akzente, während sich Balduin Schnee­berger als Fernando nicht recht vom Klageton befreien kann.

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Vorstellung: Mittwoch, 19. Oktober, 20 Uhr, Theater­pavillon, Luzern.

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