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LUZERN: Junge Solisten mit unverwechselbaren Klangidealen

An den Debut-Konzerten kann man am Lucerne Festival Künstler erleben, bevor sie vielleicht zu grossen Stars werden. Auch der Intendant des Festivals ist 1985 an einem solchen Konzert aufgetreten.
Valeriy Sokolov (links) und Evgeny Izotov. (Bild: Patrick Hürlimann/LF)

Valeriy Sokolov (links) und Evgeny Izotov. (Bild: Patrick Hürlimann/LF)

Die Debuts behalten ihre Sonderstellung am Lucerne-Festival im Sommer. So waren auch die beiden Konzerte dieser Woche wie bereits die vorangegangenen ausverkauft (mit der Cellistin Chiara Enderle am Dienstag) oder sehr gut besucht (mit dem Geiger ­Sokolov gestern in der Lukas­kirche). Zu ihrer Beliebtheit tragen die Konzertzeit über Mittag und die moderaten Preise bei. Und auch wenn hier keine berühmten «Stars» auftreten, stellen sich dennoch bereits arrivierte junge Musiker vor.

Unterstützt werden die Debut-Konzerte deshalb von Stiftungen, die solche Künstler fördern. Neben der Walter-und-Maria-Strebi-Stiftung ist das die Esterhazy-Stiftung, die kürzlich im «Schweizerhof» über ihr Engagement informierte. Die Esterhazy-Stiftung sponsert dieses Jahr das Debut des Schumann-Quartetts, dem sie selber schon in Österreich eine Plattform bot. Bestimmen also die Debut-Förderer die Auswahl und die Programme?

«Nein, aber es gibt einen regen Austausch mit der Esterhazy- und der Strebi-Stiftung», sagt Intendant Michael Haefliger: «Sie schlagen uns zwar Künstler vor, mit denen wir dann Kontakt aufnehmen. Aber die Programme gestalten wir selber.» Und für jeden Musiker, der hier auftritt, ist es nach schon gewonnenen Preisen ein weiterer wichtiger Schritt in der Karriere als Solist und Kammermusiker. Michael Haefliger ist selbst – als Geiger – 1985 an einem Debut in Luzern aufgetreten – mit seinem Bruder, dem Pianisten Andreas Haefliger.

Temperamentvoller Bogenstrich

Wie unverwechselbar solch junge, arrivierte Künstler bereits musizieren, konnten die Besucher im ausverkauften Konzert von Chiara Enderle erleben – auch sie eine Cellistin, die bereits mehrfach ausgezeichnet wurde (siehe Ausgabe vom Montag). Mit natürlicher Unbekümmertheit trat sie vor das nahe sitzende Publikum, und wie sie sich in dem «Cappriccio per Siegfried Palm» für Cello solo von Krzystof Penderecki quasi selbst überraschte, das war hohe Kunst. Denn die Anforderungen in diesem anspruchsvollen Stück gehen über die normale Spieltechnik weit hinaus, und immer wieder kommen neue «Un»-Möglichkeiten dazu. Chiara Enderle machte daraus ein humorvolles Ereignis, in dem die technischen Schwierigkeiten wie ein Spaziergang durch unbekanntes Gelände wirkten.

Umrahmt wurde dieses kurze Werk von Schuberts Arpeggione-Sonate a-Moll und der Cellosonate Nr. 2 F-Dur von Brahms. Die Pianistin Hiroko Sakagami passte sich bei Schubert dem warmen Klang des Cellos einfühlsam an, das Adagio interpretierten sie mit ganz eigenem Schmelz, und im Allegretto ahmte die Pianistin die Pizzicati hinreissend nach. Bei Brahms überzeugte Enderle mit temperamentvollem Bogenstrich und feiner Farbpalette, die vom Klavier in zarten Passagen impressionistisch aufgenommen wurde. In den leidenschaftlich vollgriffigen Akkorden und Tremoli allerdings dominierte das Klavier doch zu stark, was das Cello vorübergehend überdeckte.

Da hatte es Valeriy Sokolov in seinem Debut einfacher, denn selbst wenn Evgeny Izotov kräftig in die Tasten griff, konnte sich die Violine meist behaupten. In Beethovens Sonate A-Dur überwog das Lieblich-Heitere, während der Beginn von Prokofjews einziger Violinsonate unheimlich und düster ausgespielt wurde. Nur im dritten Satz gab es weiche Töne, die Sokolov intensiv aufleuchten liess. Sein Spiel reichte von flirrenden Läufen und heftigen Doppelgriffen bis in fast opernhafte Dramatik. Bachs ­Ciac­cona lebte von vollen variablen Tönen, und mit atemberaubender Virtuosität interpretierte er «Introduction et Rondo capriccioso» von Camille Saint-Saëns.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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