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LUZERN: Klassik-Festival Zaubersee: Die Oper ist wichtig für die russische Seele

Erstmals steuert das Luzerner Sinfonieorchester zum russisch geprägten Kammermusikfestival grosse Oper bei. Und überrascht mit szenischen Elementen im übrigen Festivalprogramm.
Vom Licht ins Dunkel: Das Jerusalem-Quartett spitzt musikalische Gegensätze auch visuell zu. (Bild: Marco Borggreve/PD)

Vom Licht ins Dunkel: Das Jerusalem-Quartett spitzt musikalische Gegensätze auch visuell zu. (Bild: Marco Borggreve/PD)

Das Zaubersee-Festival versteht sich vor allem als Kammermusikfestival mit einem persönlichen Touch. Dazu gehört, dass die Konzerte in kleinen Sälen stattfinden, die an die Salons erinnern, in denen diese Musik einst gespielt wurde. Dazu gehört aber auch, dass man etlichen Musikern in verschiedenen Kombinationen wiederholt begegnen kann.

Grosse Oper im KKL

Umso mehr sticht dieses Jahr das Orchesterkonzert heraus. Denn das Luzerner Sinfonieorchester bringt erstmals grosse Oper von Peter Tschaikowsky und Giuseppe Verdi in den Konzertsaal des KKL Luzern. Werke wie Tschaikowskis «Eugen Onegin» oder Verdis «La forza del destino» und «Don Carlo», für die das Haus an der Reuss und sein Orchestergraben zu klein sind.

Die Opernauszüge werden zwar konzertant aufgeführt. Aber umso auffälliger ist, dass es in weiteren Konzerten des Festivals quasi szenische Elemente gibt – etwa unter Einbezug einer Schauspielerin, von Volksmusik oder einer geradezu theatralen Lichtgestaltung.

Vorgriff auf Salle Modulable?

Da kann man sich leicht vorstellen, wie man solche szenischen Ansätze in einer Salle Modulable weiter entwickeln könnte. Spielt der erstmalige Einbezug der Oper darauf an, welche Entwicklungspotenziale ein solches Haus bieten würde? «Das war nicht der Grund für die Wahl dieses Programms», sagt LSO-Intendant Numa Bischof Ullmann: «Aber natürlich würde die Salle Modulable dem Orchester die Möglichkeit bieten, sich im zentralen Bereich der Oper ähnlich zu entwickeln, wie das im sinfonischen Bereich im KKL der Fall war.»

Aber Bischof sieht noch eine weitere Parallele: «Die Salle Modulable steht auch dafür, dass sich in Zukunft standardisierte Aufführungskonzepte vermehrt dadurch auflösen, dass sich die Grenzen zwischen Sparten und Genres vermischen. Damit experimentieren wir im kleinen Massstab durchaus am Zaubersee-Festival.»

Die Wahl des Opern-Programms hat dagegen direkt mit dem Kerngedanken dieses Festivals zu tun. «Zum einen ist die Oper einfach wichtig für die russische Seele. Zum andern ist eine zentrale Idee dieser Tage russischer Musik, diese im Zusammenhang mit den kulturellen Migrationen zwischen Russland und den anderen europäischen Ländern aufzuführen», sagt Bischof.

Verdi in St. Petersburg

Dazu gehören nicht nur die bekannten Aufenthalte russischer Komponisten auch in der Schweiz, wofür exemplarisch Sergej Rachmaninows langjähriges Domizil in der Villa Senar in Hertenstein steht. «Wir zeigen dieses Jahr, wie der Einfluss und die Migration auch in die andere Richtung stattfanden», sagt Bischof und nennt als ein Beispiel dafür, wie die Opern von Puccini und Verdi in Russland gefeiert wurden: «Verdis ‹La forza del destino› wurde sogar in St. Petersburg uraufgeführt – eine Stadt, die damals von westeuropäischen Architekten wie dem Tessiner Domenico Trezzini neu geprägt wurde.»

Was ist von dieser Nachbarschaft in den Werken von Verdi und Tschaikowsky zu spüren? Das Opernkonzert zeigt es, indem es Auszüge aus Opern beider Komponisten nebeneinanderstellt. Und das unter Leitung des Dirigenten Marco Armiliato, der als Italiener sich auch mit russischer Oper einen Namen gemacht hat. So hatte er mit dem Orchester bereits das Programm für den – abgesagten – Auftritt Anna Netrebkos mit dem LSO einstudiert.

Licht, Rezitation, Volksmusik

Aber szenische Elemente finden sich im Festival ausserhalb der Oper. Wie man mit minimalen Mitteln ein Konzert «inszenieren» kann, zeigt das Jerusalem-Quartett im «Schweizerhof». Das beginnt hier mit dem Programm, das dem vitalen amerikanischen Streichquartett von Dvorák als Gegensatz das düstere letzte Quartett von Schostakowitsch gegenüberstellt. Das Ensemble spitzt diesen zu, indem es das erste Werk im erleuchteten, das zweite dagegen im abgedunkelten Zeugheersaal spielt.

Eine ungewohnte Szenerie bietet auch das anschliessende Spätkonzert: Hier liest die Schauspielerin Xenija Rappoport Texte unter anderem von Alexander Puschkin, von dem die Vorlage für Tschaikowskis «Onegin» stammt. Die Akkordeonistin Ksenija Sidorova spielt speziell dazu ausgewählte Musik russischer Herkunft.

Ein anderes Beispiel für die Vermischung der Stil- und Spartengrenzen ist das Doppelkonzert vom Donnerstagabend im «Schweizerhof». Da wirkt der Geiger Philippe Quint in romantischer Kammermusik von Borodin und Arensky mit, anschliessend beschwört er mit den Wolga-Virtuosen und ihrem farbigen Volksmusikinstrumentarium die Welt der «russischen Märchen».

Russische Klavierschule?

Von gewichtigen Ausnahmen wie dem Pianisten Marc-André Hamelin abgesehen präsentiert das Festival jüngere Künstler aus Russland. Wie weit verkörpern sie noch eine «russische Schule» in einer globalisierten Welt? Dieser Frage geht in Bezug auf das Klavier ein Gespräch mit dem bedeutenden russisch-stämmigen Klavierpädagogen Gary Graffman (88) nach, der im Rahmen des Festivals einen öffentlich zugänglichen Meisterkurs gibt.

Urs Mattenberger

Russische Romantik zwischen Märchenzauber und Wolga-Virtuosen

Mittwoch, 4. Mai

19.30, Hotel Schweizerhof, Luzern, Zeugheersaal: Eröffnungskonzert mit Klaviertrioum die Pianistin Valentina Lisitsa (Arensky, Skrjabin und Rachmaninoff).

Donnerstag, 5. Mai

10.00, St. Charles Hall, Meggen, Wintergarten: Meisterkurs Klavier mit Gary Graffman.
12.30, St. Charles Hall, Meggen, Rittersaal: Lunchkonzert I – Alena Baeva (Geige) und Vadym Kholodenko (Klavier) spielen Werke von Nikolai Medtner.
19.30, Hotel Schweizerhof, Luzern, Zeugheersaal: Ensembles um den Geiger Philippe Quint spielen Spätromantik von Borodin und Arensky.
22.00, Hotel Schweizerhof,Luzern, Zeugheersaal: Der Geiger Philippe Quint und die Wolga-
Virtuosen (mit russischen Volksmusikinstrumenten) beschwören «russische Märchen» unter anderem mit Mussorgskis «Bildern einer Ausstellung».

Freitag, 6. Mai

11.00, St. Charles Hall, Meggen, Rittersaal: Gespräch mit Gary Graffman (88) über die «Russische Klavierschule», anschliessend Meisterkurskonzert.
19.30, Hotel Schweizerhof, Luzern, Zeugheersaal: «Bright and Dark Night» – das Jerusalem-Quartett spielt Dvoráks «amerikanisches» Streichquartett in F-Dur und Schostakowitschs letztes Streichquartett Nr. 15 in es-Moll.
22.00, Hotel Schweizerhof, Luzern, Zeugheersaal: Russische Poesie mit der Schauspielerin Xenija Rappoport (Puschkin, Lermontov) und der Akkordeonistin Ksenija Sidorova.

Samstag, 7. Mai

12.30, St. Charles Hall,Meggen, Rittersaal: Lunchkonzert II – Der für sein virtuoses Raritäten-Repertoire bekannte Pianist Marc-André Hamelin spielt Werke von Medtner, Feinberg und Liapunov – und Stücke des nach Russland emigrierten Franzosen Georgi Catoire.
19.30, KKL, Luzern, Konzertsaal: Luzerner Sinfonieorchester – Auszüge aus Tschaikowskys Oper «Eugen Onegin» und Verdis «La forza del destino», «Don Carlo» und «Simon Boccanegra». Solisten: Marina Rebeka, Stefano Secco und Carlos Alvarez.

Sonntag, 8. Mai

11.00, KKL, Luzern, Konzertsaal: «Peter und der Apfelschuss» – Konzert für die ganze Familie zum Muttertag, u. a. mit Prokofjews «Peter und der Wolf» und Kurt Aeschbacher als Erzähler.
17.30, Hotel Schweizerhof, Luzern, Zeugheersaal: Schlusskonzert – Danses Suisses und Chansons Russes mit Marc-André Hamelin (Klavier), Philippe Quint (Geige) und Christian Poltéra
(Cello).

mat

Weitere Infos: www.zaubersee.ch

Romantik und Volksmusik: Geiger Philippe Quint. (Bild: PD)

Romantik und Volksmusik: Geiger Philippe Quint. (Bild: PD)

Raritäten-Virtuose: Pianist Marc-André Hamelin. (Bild: PD)

Raritäten-Virtuose: Pianist Marc-André Hamelin. (Bild: PD)

Kindgerechter Erzähler: Kurt Aeschbacher. (Bild: PD)

Kindgerechter Erzähler: Kurt Aeschbacher. (Bild: PD)

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