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LUZERN: Kleines Instrument bietet ein barockes Feuerwerk

Maurice Steger und seine Blockflöte vermögen mühelos sogar das KKL zu füllen. Doch im intimeren Rahmen des Marianischen Saals entfaltet seine Musik eine noch intensivere Wirkung.
Roman Kühne
Virtuosität pur: Flötist Maurice Steger. (Bild: Philipp Schmidli (7. Januar 2017))

Virtuosität pur: Flötist Maurice Steger. (Bild: Philipp Schmidli (7. Januar 2017))

Der Winterthurer Maurice Steger (47) hat fast im Alleingang der Blockflöte zu einem Revival verholfen. Dies einerseits mit seiner hohen Virtuosität, seiner spielerischen Kraft, die auch in einem KKL die Zuschauer von den Sitzen reisst. Andererseits hat er der Blockflöte ein grosses Repertoire, vor allem aus der Renaissance, erschlossen und hat jeweils mehr als eine Preziose im Gepäck.

Gestern konzertierte er im vollbesetzten Marianischen Saal im Rahmen von «Kammermusik Luzern» und zeigte ein Programm, das von Anfang bis Ende eine Entdeckung ist, eine Art Tour d’horizon durch das frühe Italien, genauer durch Neapel, das Zentrum für barocke Opernmusik.

Eine der Trouvaillen stammt von Giovanni Antonio Pandolfi Mealli, der im 17. Jahrhundert seine «Sonata per canto e basso» schrieb. Er pflegte den verschiedenen Teilen seiner Werke Namen von Personen, meist aus seinem Umfeld, zu geben.

Eine Oper für Blockflöte

Seine Sonaten stiessen lange Zeit auf wenig Verständnis. Noch im 20. Jahrhundert charakterisierte sie der österreichische Musikwissenschaftler Herbert Seifert als von «exzessiver Chromatik» und «dissonanzenreich». Der Geiger Andrew Manze sah in ihnen jedoch die «Wiege der deutsch-österreichischen Violinschule».

Im Konzert erklingt «La Bernabea». Wie dies Maurice Steger und der Cembalist Sebastian Wienand zelebrieren, wird jede Kritik an des Stückes Qualität im Keime erstickt. Dies liegt auch an dem Niveau der Solisten. Maurice Steger verfügt über eine perfekte Technik. Fliessende Phrasierung paart sich mit stupender Artikulation. Sein Staccato und seine fliegenden Finger rasen wie Perlen durch die Tänze. Aber er hat wesentlich mehr zu bieten als reines Tempospektakel. In der «Cantata per flauto e basso» von Giovanni Hasse, eine Art Oper für Blockflöte, werden dramaturgisch alle Winkel ausgelotet. Weite Bögen und expressives Spiel geben dem Stück Herz und Wärme.

Zum Schluss Improvisation

Sebastian Wienand am Cembalo steht Maurice Steger in nichts nach. Er spielt sein Instrument sensibel, mit vor- und nachgebender Intensität. Seine Solosonate von Domenico Scarlatti ist eine spannende Ergänzung zur Duett-Musik. Beide spielen sie sehr bildhaft, ja theatralisch gar. In Dario Castellos «Sonata per canto solo» meint man das Bühnenbild, die Kostüme der italienischen Opera Seria mit den Händen greifen zu können. Alles ist drin: Schmelz, Technik und viel Ausdruck. Höhepunkt des Abends ist die «Follia di Spagna» von Alessandro Scarlatti – oder zumindest was davon noch übrig ist. Denn die Partitur hat «mehr weisse Seiten als Noten», wie Maurice Steger mit Augenzwinkern bemerkt.

Doch die beiden improvisieren mit Lust und Fantasie durch die leeren Zeilen. Fast im Stile eines Fats Waller stampft der Cembalist durch seine Akkorde, während die Blockflöte rhythmisch scharfe, teils verwischte Töne streut. Krönender Abschluss eines inspirierenden Konzertes.

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Nächste Veranstaltung von Kammermusik Luzern: Brentano Quartet, Sonntag, 21. Januar, 17 Uhr im Marianischen Saal.

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