LUZERN: Lustspielmusik eröffnet Lucerne Festival

Das Lucerne Festival im Sommer ist am Freitagabend mit einem Konzert des von Bernard Haitink geleiteten Lucerne Festival Orchestras musikalisch eröffnet worden. Zuvor hatte sich der Pianist Alfred Brendel Gedanken zum Festivalthema «Humor» gemacht.

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Bernard Haitink dirigiert das Lucerne Festival Orchestra im Eröffnungskonzert mit Anna Lucia Richter als Solistin bei Gustav Mahlers Sinfonie Nr.4 in G-Dur. (Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer)

Bernard Haitink dirigiert das Lucerne Festival Orchestra im Eröffnungskonzert mit Anna Lucia Richter als Solistin bei Gustav Mahlers Sinfonie Nr.4 in G-Dur. (Bild: Lucerne Festival / Priska Ketterer)

Der 84-jährige Brendel verabschiedete sich 2008 aus dem Konzertleben. Nun kehrte er als Redner in den Konzertsaal des KKL Luzern zurück. Musik und Humor seien neben der Liebe die phänomenalsten Wohltaten, die er in der Welt gefunden habe, sagte Brendel in seiner Rede «Über Humor, Sinn und Unsinn».

Brendel ist nicht nur Musiker, sondern auch Schöpfer grotesker Verse. Er verteidigte in seiner Rede den Humor gegen die, die sich über das Komische entrüsten. Humor zeige der Welt, dass sie absurd sei. Er breche Tabus und setze sich über unsere Gewissheiten hinweg.

Unsinn und Sinn sind gemäss Brendel miteinander verflochten. Der Sinn des Unsinns sei es, ins Unendliche zu führen, der Unsinn des Sinns sei, dass dieser rational festgemauert sei, sagte er.

Gegen musikalische Erwartungen verstossen

Am diesjährigen Lucerne Festival geht es in erster Linie um den Humor in der Musik. Komische Musik verstosse gegen musikalische Erwartungen, sagte Brendel, und er hob Joseph Haydn hervor, der die «absolute Musik» dem Komischen dienstbar gemacht habe.

Eine Kostprobe davon erhielt das Publikum beim Eröffnungskonzert mit Haydns Sinfonie Nummer 60. Haydn hatte das sechssätzige Werk voller musikalischer Überraschungen als Bühnenmusik zum Lustspiel «der Zerstreute» komponiert.

Zudem spielte das Lucerne Festival Orchestra Gustav Malers 4. Sinfonie, ein Werk, das der Komponist als «symphonische Humoreske» konzipiert hatte und das er mit Schellengeklingel beginnen lässt. Oft wird von einer Narrenkappe gesprochen, die sich Mahler hier aufgesetzt habe.

Dirigiert wurde das Festivalorchester erstmals vom 86-jährigen Bernard Haitink. Ab 2016 wird der 62-jährige Riccardo Chailly das von dem 2014 verstorbenen Claudia Abbado gegründete Orchester fest leiten.

Das Lucerne Festival im Sommer dauert bis am 13. September und umfasst weit über hundert Veranstaltungen. Das Rückgrat bilden die über 30 Sinfoniekonzerte.


sda