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LUZERN: Luzerner Literaturfest: Viele Faces und viele Books zum Entdecken

Der Buchmarkt in der Kornschütte Luzern zeigt die Schönheit eines Objekts, das sich berühren und lesen lässt. Noch bis Sonntag um 17 Uhr kann man sich der Entzückung hingeben. Ein Rundgang als Appetitmacher.
Pirmin Bossart
Stöbern, entdecken, anfassen, schmökern – gestern am Buchmarkt in der Kornschütte Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch (24. März 2018))

Stöbern, entdecken, anfassen, schmökern – gestern am Buchmarkt in der Kornschütte Luzern. (Bild: Manuela Jans-Koch (24. März 2018))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Alte Bekannte und ein paar Neulinge bilden wiederum den bunten Buchmarkt in der Kornschütte, der noch bis heute abend Lust zum Schmökern und Lesen weckt. Rund 40 Klein- und Kleinstverlage zeigen Neuerscheinungen, Renner und ihre liebevoll gehegten Spezialitäten. Nicht mehr dabei sind die beiden Kleinverlage Der Kollaboratör und Das Fünfte Tier mit ihren Protagonisten, was man daran bemerkt, dass der Buchmarkt etwas actionarmer geworden ist. Und alkoholfreier.

Es ist trotzdem was los in der Kornschütte, wo nicht nur Bücher bestaunt, sondern mit kurzen Lesungen Autorinnen und Autoren erlebt werden können. Gestern waren das Margrit Schriber, Beat Vogt, Gertrud Leutenegger und André David Winter. Aber auch solcherlei ist möglich: Am Stand von Buchdrucker Beat Felder können sich die Besucher selber mit einem Boston-Tiegel von 1850 ihren Namen auf einen Buch­deckel drucken und so ihr persönliches Notizbüchlein gestalten.

Beim Skifahren an Bücher denken

Das Literaturfest verstehe sich als «Vermittler und Ermöglicher», sagte Leslie Schnyder, Präsidentin und Geschäftsführerin, zur Eröffnung am Freitag. «Wir sind das reale Gegenstück zu Facebook. Bei uns findet man viele Faces und viele Books.» Solch gehobene Kalauer hatte Grossstadtratspräsident András Özvegyi nicht zu bieten, der als höchster Stadtluzerner die Begrüssungsrede hielt.

«Wir Politiker haben leider nicht so viel Zeit für Bücher, wir müssen Akten lesen», sagte der Bedauernswerte. Schon vermeinte man, im Publikum ein paar Schluchzer zu hören, als Özvegyi doch noch drei Bücher nannte, die er in letzter Zeit gelesen hatte: Neben Martin Suter («Elefant») und Sacha Batthyany («Und was hat das mit mir zu tun?») die Segantini-Biografie von Asta Scheib, die ihn nachhaltig beeindruckte: «Jedes Mal, wenn ich Ski fahre, muss ich an dieses Buch denken.»

Dann wird der Geruch der Chäschüechli immer penetranter, die Gläser klingen, dezente Apérostimmung kommt auf. So lässt sich frohgemut der Rundgang durch die Büchertische beginnen. Faces und Books treten in Austausch, bald wird geplaudert und gewitzelt. Niemand will ins Buchgejammer einstimmen. Hier sind Liebhaberinnen und Liebhaber versammelt, die alsbald ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: neuen Stoff zu entdecken.

«Den ‹Melnitz› von Charles Lewinsky kennen Sie sicher», sagt der graubärtig-imposante Verleger Wolfgang Koch, als wir am Hörkultur-Verlag vorbeipirschen. 600000-mal hat sich das Buch weltweit verkauft, auch in chinesischer Übersetzung. Jetzt hat es Koch als Hörbuch auf vier CDs produziert. «Über 30 Stunden, vom Autor selber gelesen, in zehn Tagen eingespielt.» Leider sei die Schweiz noch nicht so richtig offen für Hörbücher, meinte Koch. Wir wünschen viel Glück.

Winziges, Künstlerisches, und Bibliophiles

Das mit 10 mal 7 Zentimeter kleinste Buch – sogar mit original Holzschnitten illustriert – haben wir am Tisch der Editions Dendron gefunden. Ihr Schwerpunkt ist die Verbindung von Lyrik mit Grafik und Illustrationen, die vom Inhaber Gerhard S. Schürch selber gefertigt werden. Eine Augenweide sind jedes Jahr die Bücher des Verlags von Klaus G. Renner, die auf handgeschöpftes Büttenpapier gedruckt sind und ganz ohne bunte Bilder auf den Umschlägen auskommen.

Zu den Stammkunden gehö­ren der in Luzern wirkende Verlag Der Gesunde Menschenversand, nationales Aushängeschild für Spoken-Literatur. Die Edizioni Periferia mit wunderbar ge­fertigten Kunstbuch-Werken. Stephan Wittwer mit seinen «957»-Kunstmagazinen. Luzerner Verlage wie Aura mit ihren Fotobüchern, Quaternio mit aufwendigen Faksimile-Drucken oder die feine Edition Bücherlese, die von Hitzkirch nach Luzern gezogen ist.

Wundersam wie jedes Jahr ist die Ecke des Berliner Verlegers Christian Ewald von der Katzengraben-Presse, dessen bibliophile Gesamtkunstwerke man gesehen und begrapscht haben muss. Wer Bewährtes sucht und mit einer Prise Mundart-Exotik aufpeppen möchte, dem empfehlen wir ein Büchlein des Lenos-Verlags: «Dr gläi Brinz», baasel­düütschi Ussgoob. Vel Vergniege.

Hinweis

Buchmarkt: Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Kornschütte Luzern. Sofalesungen: Konrad Abegg (13 Uhr), Ueli Habegger (14 Uhr), Kurt Steinmann (15 Uhr), Matthias Burki (16 Uhr).

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