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LUZERN: Mond fieberte mit der Camerata Musica mit

Die Camerata Musica Luzern liess sich am Wochenende von der Sehnsucht treiben: mal klassisch-­romantisch, mal mit Pop.
Tenorsänger Michael Laurenz sprang ein und überzeugte. (Bild: Philipp Schmidli)

Tenorsänger Michael Laurenz sprang ein und überzeugte. (Bild: Philipp Schmidli)

Am Wochenende war Vollmond – zumindest im Kulturraum Maihof, wo eine fiebrig-bleiche Scheibe an die Wand projiziert wurde. Unter ihrer Schirmherrschaft ging die Camerata Musica Luzern in zwei Konzerten dem Thema Sehnsucht nach. In erster Linie ging es um die romantischste aller Künste: die Musik. Doch auch die Schattenseiten der Sehnsucht (Stichwort Rausch) wurden durch den Zürcher Philosophen Yves Bossart zur Sprache gebracht.

Herrlich überschäumend

Das Konzert mit dem Titel «Hymnen an die Nacht» fand im Rahmen des Kulturprojekts «Sehnsucht» der Albert Koechling Stiftung statt. Wem das Thema beim Betreten des Maihofs nicht bewusst war, dem ging spätestens mit dem Eröffnungsstück ein Licht auf. Zu hören war Richard Strauss’ Orchesterlied «Cäcilie», das von der Sopranistin Jutta Maria Böhnert und der Camerata unter der Leitung von Andreas Felber in einer herrlich überschäumenden Version dargeboten wurde. Der erste Rausch war allerdings schnell wieder verflogen und machte der Uraufführung des Stücks «Von ewiger Liebe» Platz: einer Vertonung des gleichnamigen Gedichts von Josef Wenzig durch den Luzerner Komponisten Felix Schüeli.

Die Komposition kam zunächst mit düsteren Kreisfiguren der Bassklarinette daher, entfaltete aber einen eigentümlichen Orchestergroove und lichtete sich auf. Die Klangsprache war eine ganz andere als bei Richard Strauss – handfester, poppiger –, doch die Sehnsuchtskurve zeigte auch hier steil nach oben. Es lag am Tenor Michael Laurenz, der für den erkrankten Mauro Peter eingesprungen war, das Band der Liebe mit «Eisen und Stahl» zu ziehen und gegen Schluss zu beschwören. Man wusste nicht, ob Überzeugung oder Verzweiflung aus ihm sprach – ein dramatischer Höhepunkt war es sowieso.

In den Orchesterliedern von Mahler und Strauss bewältigte Laurenz seinen Solistenpart solide, doch blieb seine Stimme neben dem Orchester recht blass. Denn die Camerata liess es sich nicht nehmen, tief in die Farbenkiste etwa aus «Des Knaben Wunderhorn» zu greifen. Ein Höhepunkt war in Mahlers «Ich bin der Welt abhanden gekommen» zu erleben, als Böhnerts Sopranstimme in feinem Piano entschwebte.

Romantik mit Pop verbunden

Zu hören war auch Schüelis Neukomposition «Hymnen an die Nacht» nach dem gleichnamigen Gedichtzyklus von Novalis. Sie sollte das romantische Lebensgefühl des 19. Jahrhunderts mit der heutigen Popkultur verbinden, wie der Komponist erklärt hatte (Ausgabe vom Freitag). Dies blieb aber zuweilen rätselhaft: Einerseits sprachen die groovenden Rhythmen und Soul-Anklänge unmittelbar an und faszinierten durch ihren Nuancenreichtum. Andererseits zogen immer wieder dissonante Wolken auf, so als wollte sich Schüeli wie einst Mahler und Strauss nach der harmonischen Decke strecken. Die Dissonanzen mochten durch den Text und kompositionstechnisch begründet sein – doch waren sie eher dazu angetan, das popverwöhnte Ohr zu irritieren, als den Weg in die Romantik zu weisen.

Vielversprechend war das dissonante Spiel vor allem dann, wenn keine besonderen Erwartungen durch poptypische Muster geweckt wurden. Dies war in Schüelis Vertonung des schweizerdeutschen Texts «Geborgenheit» des Luzerner Autors Justin Rechsteiner der Fall. Hier kamen sich ein verängstigtes Kind (gesungen von Michael Laurenz) und eine fürsorgliche Mutter (Jutta Maria Böhnert) in dissonanten Schritten näher, bis ihre Stimmen gegen Ende verschmolzen.

Kritik an Werbung

Der Horizont für die unterschiedlichen Lieder wurde durch die Gedanken des Philosophen Yves Bossart geöffnet. Wenn er sagte: «Der Gesundheitswahn wird zur Krankheit», so konnte man ihm eigentlich nur zustimmen, da zwangsläufig jedem Wahn etwas Krankhaftes anhaftet. Seine Kritik gegen die Vereinnahmung des romantischen Lebensgefühls durch die Werbung blieb aber nicht ungehört. Und schliesslich kam man seinem Plädoyer für eine Sehnsucht als «Vergnügen, traurig zu sein» (Victor Hugo) dank dem bezaubernden Auftritt der Camerata sehr nahe.

Simon Bordier

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