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LUZERN: Munterer Fusion-Funk

Seit über 50 Jahren ist Herbie Hancock (77) am Puls des Jazz: Mit einer jungen Band hat er im KKL Luzern auch ein paar alte Hits frisch und funky Revue passieren lassen.
Pirmin Bossart
Der Jazz-Pianist und Komponist Herbie Hancock bei seinem Auftritt im KKL Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 27. November 2017))

Der Jazz-Pianist und Komponist Herbie Hancock bei seinem Auftritt im KKL Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 27. November 2017))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Grosse Namen füllen den weissen Saal des KKL Luzern im Nu, auch im Jazz: Mit Herbie Hancock trat am Montag ein «giant of jazz» im ausverkauften Saal auf, der auch nach langer Karriere vital und munter geblieben ist. Mit väterlichem Stolz stellte er die souverän eingespielte Band vor, mit Schwung und Neugier stieg er in die Tasten und wechselte im Verlauf des Abends nahtlos zwischen Flügel und elektronischen Keyboards. Mit sphärischen Klängen und einem synthetisch glitzernden Jazz-Funk-Gebräu eröffnete er ein Konzert, das fast zwei Stunden dauerte und je länger je lockerer und knackiger wurde.

Stets wieder am Puls der Zeit

Herbie Hancock hat sich neuen Trends nie verwehrt. Als Mitglied des zweiten grossen Miles-Davis-Quintetts, das bahnbrechend für den neuen Jazz war, ist er Mitte der 1960er-Jahre bekannt geworden. Nach seiner experimentierfreudigen Mwandishi-Phase mit viel Elektronik hatte er 1974 mit dem Fusion-Funk von «Headhunters» einen Millionenerfolg. In den 1980er-Jahren experimentierte er mit dem Vocoder und integrierte Disco, R ’n’ B und Electro in seine Klangvorstellungen. Hancock war ein Pionier für den Einsatz des Computers in der Musik. Immerhin hatte er neben Musik auch Elektrotechnik studiert. 2007 bekam er einen Grammy für seine CD «River – The Joni Letters», eine Hommage an Joni Mitchell.

Hancocks guten Riecher für musikalische Entwicklungen am Puls der Zeit zeigt seine Zusammenarbeit mit der Los-Angeles-Jazz-Elektro-Crew um Flying Lotus, Kendrick Lamar, Kamasi Washington, Thundercat und Terrace Martin. Martin spielt in Hancocks Band Keyboard und Saxofon. Bekannt ist er vor allem als Produzent von Lamars Album «To Pimp A Butterfly» geworden. Martin wird auch das neue Album von Hancock produzieren, das 2018 erscheint. Wie er es mit Miles Davis erlebt hat, ist nun Hancock seinerseits ein Mentor von jungen Talenten geworden, die ein Jazzverständnis entwickeln, das mit R ’n’ B, Hip-Hop und Elektro null Berührungsängste hat.

Synthetischer Funk-Jazz-Rock

Die Band bildete visuell auf der KKL-Bühne eine Raute: Die Horizontale mit den beiden Keyboardern Hancock und Martin schnitt sich mit der Vertikalen, die vom Schlagzeuger Trevor Lawrence Jr. im Hintergrund und vom Bassisten James Genus gebildet wurde, der quasi als Frontman vorne in der Mitte stand. Anfänglich noch etwas verwummert, begann sich der Bass mit fortschreitendem Konzert zu differenzieren, wie es überhaupt eine gewisse Anlaufzeit brauchte, sich von diesem synthetisch aufgemotzten Funk-Jazz-Rock-Eintopf vereinnahmen zu lassen.

Es war nicht das Konzert, das einen emotional tief beglückte oder einem einen neuen Horizont eröffnet hätte. Wer zeitgenössischen Jazz aufgrund seiner Energie, seiner Improvisationswucht und seines Überraschungspotenzials liebt, kam an diesem Abend nicht auf die Rechnung. Das flotte Dahingrooven mit dem souverän gehandhabten Sound-Gebretzel mochte einem manchmal etwas einsilbig vorkommen. Doch unter dieser Oberfläche konnte es dank ausgezeichneten Musikern ganz schön rumoren.

Vocoder-Stimmen und Gassenhauer

Drummer Lawrence hielt die Band aufdringlich auf Drive, Genus legte den Bassteppich-Puls. Martin, der auf vielen Hip-Hop-Produktionen zu hören ist, blies sein Altosax mit einem scharfen Sound und gut dosierten Linien. Pointiert, überraschend und mit einer rhythmischen Dringlichkeit generierte Hancock seine Ideen auf den Tasten. Und als er sich das weisse Keyboard umhängte (Keytar), eine grässliche Erfindung der 1980er-Jahre, begann er erst richtig zu brillieren.

Die Band spielte eine Handvoll längere Tracks, die mehrheitlich den jazzigen Fusion-Funk zelebrierten. «Actual Proof» stammt vom Album «Thrust» (1974), das trocken-funkige «Chamäleon» von «Headhunters»(1973). Doch die Stücke wurden nicht einfach reproduziert, sondern aus dem Hier und Heute neu interpretiert. Das galt auch für den Disco-souligen Song «Come Running To Me», in dem sich Hancock und Martin die Vocoder-Stimmen teilten.

Mit «Cantaloupe Island» intonierte die Band einen alten Hit, den alle schon gehört haben. Als Hancock auf der Keytar und Martin auf dem Saxofon nach fast zwei Stunden in einen kecken Call-and-Response-Dialog traten, hätte es musikalisch erst so richtig losgehen können. Ein starker Schlusspunkt, zum Glück.

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