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LUZERN: Peter Doherty am Blue Balls: Tanzen auf dem schmalen Grat

Peter Doherty kam am Blue Balls tatsächlich auf die Bühne und war tatsächlich gut. Meistens.
Michael Graber
Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (25. Juli 2017))

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Am Schluss ist die Bühne voller Menschen. Es ist eine wilde Mischung aus Tanzen, Selfies schiessen und sich selber inszenieren. Peter Doherty hatte das Publikum für die Zugabe auf die Bühne gebeten. Und wie er da umgeben von einer feiernden Masse «Fuck Forever» sang, das hatte etwas Rührendes. Er, der so oft an den Drogen, dem Alkohol und sich selber zerbrochen ist, wirkte da richtig glücklich. Und vor allem im Element. Musik machen kann der Mann, da kann er noch so sehr Raubbau an sich selber betreiben. All die Drogen konnten das Talent nicht zertrümmern.

Vieles andere aber schon: Der 38-Jährige sieht immer noch nicht sonderlich gesund aus, er wirkt oft sehr fahrig, und Schritt und Stimme sind nicht immer sicher. Allerdings weiss man auch nicht genau, ob die Ursache genügend Alkohol ist oder ob eine gewisse Grundextravaganz halt mittlerweile zum Gesamtpaket Peter Doherty gehört – die Verspätung hielt sich dieses Mal mit einer Viertelstunde aber in engen Grenzen.

Im ersten Drittel auf der Suche

Mit all seinen Eskapaden scheint er jedenfalls einige Fans vergrault zu haben: Sein Konzert im Konzertsaal war nur mittelmässig besucht – vor vier Jahren am Blue Balls waren es noch deutlich mehr.

Vielleicht hatten diese Leute einfach auch die letzten paar Konzertkritiken von Doherty gelesen. Sein Auftritt in Montreux muss ein Debakel gewesen sein, und auch anderswo war er stets näher am endgültigen Scheitern als am neuerlichen Triumph. Am Dienstagabend war es umgekehrt. Während er im ersten Drittel des Konzerts offensichtlich immer wieder auf der Suche nach dem Frieden mit dem Publikum, seiner Band und sich selbst ist, steigert sich der Auftritt vor allem im Mittelteil merklich. Irgendwann singt er fast schon mantraartig «I’ve never lost control, because I’ve never had control». Was man nie hatte, kann man auch nicht verlieren. Da ahnt man: Es ist nicht nur lustig, wenn man Peter Doherty ist.

Die Band zeigt ihm den Weg

Immer wieder steht er zusammen mit seiner Band The Puta Madres im Kreis. Man hält sich im Arm, spricht miteinander, trinkt auch mal zusammen. Gerade Dohertys Gitarrist scheint dabei eine Rolle zwischen Musiker und Psychologen innezuhaben. Mit sanften Zeichen weist er dem schlaksigen Sänger immer wieder die Richtung, hilft ihm zurück in die Spur, wenn Doherty lieber lange und lallig über Albumcovers nachdenkt, als selber zu spielen.

Der Band ist es auch zu verdanken, dass dieses Konzert eine ganz besondere Spannung erhält. Es ist nicht immer ganz klar, ob da miteinander oder gegeneinander gespielt wird. Als Doherty an der Gitarre nur von einer Geigerin begleitet wird, stimmen weder Tempo noch Einsatz auch nur im Geringsten überein. Aber es entsteht eine spannende Reibung, und beide ziehen ihr Ding einfach stoisch durch. Das ist beeindruckend. Irgendetwas zwischen beeindruckend mutig und beeindruckend stur.

Viel von Dohertys Charme beruht auf diesem Unperfekten. Den Rotz seiner Anfänge hat er sich grösstenteils konserviert, und den ständig lauernden Schlendrian bringt er auch nicht weg. Es ist immer alles eine Gratwanderung zwischen Absturz und Euphorie. Doherty absolviert diese aber nicht angespannt und vorsichtig, sondern tänzelt drauflos. Das Scheitern nimmt er ständig in Kauf.

Das hat einen gewissen Reiz, kann auf Dauer aber auch etwas ermüden. Gegen Ende des langen Sets franst alles ein bisschen aus. Viele seiner neuen Songs gehören jetzt nicht unbedingt zu seinen stärksten, und so kann Doherty die Spannung leider nicht durchgehend hochhalten.

Erst als sich nach und nach immer mehr Publikum aus den Stühlen erhebt und direkt vor die Bühne steht, scheint der Brite noch einmal neue Energie zu kriegen. Und nach langem Applaus kehrt er für die eingangs beschriebene Zugabe zurück auf die Bühne.

Welcher ist nun der richtige Doherty?

Das ist dann noch einmal ein neuer Doherty, der da zurückkommt. Einer, der mitreissen kann. Einer, der auch fast schon klar wirkt. Nicht mehr lallen, nicht mehr tanzen am Abgrund, nicht mehr dieser seltsam verlorene Blick.

Welches der richtige Doherty ist, weiss man nach diesem Abend nicht. Aber es bleibt zu bezweifeln, dass er es selber überhaupt weiss.

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

Peter Doherty im KKL. (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 25. Juli 2017))

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