LUZERN: Protest vor Netrebkos Auftritt

Am Montag tritt die russische Sopranistin Anna Netrebko im KKL Luzern auf. Eine ukrainische Gruppierung spricht wegen ihrer Nähe zu Putin von einem «Affront».

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Über alle Kritik erhaben ist nur ihre Stimme: Anna Netrebko als «Iolanta». (Bild: EPA/Barbara Gindl)

Über alle Kritik erhaben ist nur ihre Stimme: Anna Netrebko als «Iolanta». (Bild: EPA/Barbara Gindl)

Urs Mattenberger

Einmal mehr sorgt der Auftritt eines mit Putin sympathisierenden Klassikstars für Kritik. Diesmal betrifft es in Luzern die Sopranistin Anna Netrebko, die am Montag im KKL die Hauptrolle in Tschaikowskys Oper «Iolanta» singt. Netrebko war vor einem halben Jahr heftig kritisiert worden, als sie an der Seite des prorussischen Separatistenführers Oleg Tsarov vor der Flagge des Gebiets «Neurussland» aufgetreten war.

«Glühende Putin-Verehrerin»

In einer Pressemitteilung protestiert jetzt die Gesellschaft Schweiz-Ukraine gegen den Auftritt der «glühenden Putin-Verehrerin». «Es ist uns ein Anliegen, bekannt zu machen, wer Netrebko ist», heisst es in dem Schreiben: «Eine Wiederholung wäre ein absoluter Affront.»

Bereits vor einem Jahr war es vor dem KKL zu Protesten anlässlich des Auftritts des Dirigenten – und Putin-Freundes – Valery Gergiev gekommen. Damals verteilten ukrainische Künstler vor dem KKL Flyer an Konzertbesucher. Und die Gesellschaft Schweiz-Ukraine, die jetzt den Protest gegen Netrebkos Auftritt im KKL versandte, verteilte ebenfalls friedlich Flugblätter bei deren Auftritt unlängst am Opernhaus Zürich.

Dass Gewalt von dieser Gesellschaft nicht zu befürchten ist, glaubt man ihrem Initianten aufs Wort. Sie wolle bloss Aufklärung betreiben, sagt Simon Gerber. Ohnehin hat die Gesellschaft bloss sechs Mitglieder und ist nicht zu verwechseln mit der Vereinigung der Exilukrainer in der Schweiz.

Dass es zu einem Zwischenfall wie in der Met in New York kommt, wo ein Aktivist nach einer «Iolanta»-Aufführung die ukrainische Flagge entrollte, ist also nicht zu erwarten. Werden nach solchen Protesten dennoch besondere Sicherheitsvorkehrungen vorgenommen wie Ende Mai im Fall des Swiss Media Forum? «Ob Massnahmen getroffen werden, ist derzeit noch offen», sagt Kommunikationsleiter Andreas Roth und nennt einen guten Grund: Bis gestern nämlich ging das Protestschreiben von Gerbers Gesellschaft nur an die Medien, nicht aber an das KKL Luzern, an das sich die Vorwürfe eigentlich richten.