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LUZERN: Rammstein am «Allmend rockt»-Festival: Messerscharfe Riffs und viele Knaller

Viel Rock, viel Schlamm und viel Feuerwerk. Rammstein brachten zahlreiche Knalleffekte ans «Allmend rockt».
Rammstein-Sänger Till Lindemann. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Rammstein-Sänger Till Lindemann. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Michael Graber

Mit dem Regen ist es so eine Sache: Er macht nicht nur nass, wenn er denn da ist, sondern er macht auch Angst, wenn er gerade ausbleibt. So auch gestern am «Allmend rockt». Kaum war es trocken, dominierte die Angst, dass es bald wieder «schüttet wie aus Kübeln». Immerhin: Nach 18 Uhr kübelte es nicht mehr. Den Boden konnte das zwar auch nicht mehr retten. Über das Gelände zu laufen, glich einem Eiertanz. Holzschnitzel, Bodenplatten und Plachen konnten da bestenfalls optisch etwas Abhilfe verschaffen.

Deutlich Besorgnis erregender war die Warteschlange vor dem Eingang. Je näher das Konzert von Rammstein rückte, desto länger wurde sie. Der Einlass war dem Ansturm ganz offensichtlich nicht gewachsen – was einigermassen absurd ist, da man die Anzahl Besucher im Vorfeld (50 000, das Konzert war ausverkauft) exakt wusste. Ein grosses Kränzchen geht an dieser Stelle an die anstehenden Besucher. Sie blieben erstaunlich ruhig und gelassen. Reichlich Bier und etwas Sonnenschein dürften das Ihrige zu dieser positiven Grundstimmung beigetragen haben.

Schweizerische Pünktlichkeit

Weitaus hektischer trommelten, schrien und hämmerten drinnen derweil Bands wie Anthrax (erstaunlich grossartig) und Apocalyptica (erstaunlich langweilig). Trotz ihrem herzlichen Engagement konnten ihre Auftritte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es am gestrigen Abend eigentlich nur um eine Band ging. Was am Freitag Iron Maiden war, war am Samstag Rammstein. Die Rocker mit den stampfenden Effekten und den knalligen Melodien (oder wars umgekehrt?) betraten mehr oder weniger pünktlich (alles an diesem Festival war sonst zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk) um 21.10 Uhr die Bühne.

Die Band um Sänger Till Lindemann setzte auf wenige musikalische Überraschungen und viel Show. Das klingt negativer, als es gemeint ist. Rammstein sind ein Ereignis, aber vor allem als Gesamtpaket. Neue Songs sind ebenso Fehlanzeige wie grosse Variation. Rammstein lebt vom Mythos Rammstein. Das Spiel mit all dem rollenden R, den ganzen teutonischen Elementen und den messerscharfen Riffs funktioniert auch über zwanzig Jahre nach der Gründung noch hervorragend.

Das wirkt auch in seinen harmlosesten Momenten noch wunderbar brachial. Immer wieder knallt es, und Rakten schiessen in die Höhe. Auch die Bühne selbst steht mal in showtechnischen Flammen. Eben: Bumm-Bumm-Total. Dem Volk gefällts.

Imposante Musik

Bewundernswert ist der Druck, den Rammstein aufbauen können. Schon nach wenigen Sekunden entsteht ein Sog über das ganze Gelände – und das ist dicht an dicht gefüllt. So dicht, dass es beinahe etwas unangenehm ist. Raum, um zu entkommen und zu pausieren gibt es aber genügend – anders als bei Iron Maiden am Vorabend wird wohl auch kein Konzertbesucher über zu geringe Lautstärke motzen.

Bei all dem Peng und Bumm: Auch auf die Musik reduziert ist Rammstein imposant. Das ist weit mehr als Show. So vorhersehbar die Raketen zwar manchmal explodieren, so selten verfehlen sie ihre Wirkung. Der stampfende Grundbeat passt herrlich in die Kulisse mit Pilatus und Lopper. Die blinkende Lichtshow wirkt bis in die letzte Reihe.

Zerstampfte Wiese

Mit Rammstein ging auch das «Allmend rockt» 2016 zu Ende. Das war alles mindestens eine Schuhnummer grösser als noch bei der Ausgabe 2014, als Gölä noch in der Swissporarena spielte. Ob es zu einer Wiederholung in der Grössenordnung dieses Jahres kommt, entscheidet wohl vor allem das Angebot an Bands. Rammstein war ein sehr würdiger Headliner.

Die Wiese war jedenfalls bis zur Unkenntlichkeit zerstampft am Ende. Schlamm nennen böse Zungen so was. Aber das sind alles Leute, die noch nie an einem Open Air waren.

Die Show von Rammstein wollte sich Dölf Wigger nicht entgehen lassen – dem Schlamm zum Trotz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die Show von Rammstein wollte sich Dölf Wigger nicht entgehen lassen – dem Schlamm zum Trotz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Allem Schlamm zum Trotz strömten Tausende auf die Allmend. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Allem Schlamm zum Trotz strömten Tausende auf die Allmend. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

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