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LUZERN: Schüür feierte funky Geburtstag

Die Freak-Power-Show am Samstagabend im Konzerthaus Schüür brachte lokale Pop- und Jazz-Grössen mit dem Engländer Ashley Slater zusammen. Und sofort stellt sich eine Frage.
Pirmin Bossart
Ashley Slater mit weiblicher Verstärkung bei seiner zweistündigen Performance in der Schüür. (Bild: Philipp Schmidli (14. Oktober 2017))

Ashley Slater mit weiblicher Verstärkung bei seiner zweistündigen Performance in der Schüür. (Bild: Philipp Schmidli (14. Oktober 2017))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Ashley Slater? Der Sänger und Posaunist hatte 1994 mit Norman Cook die Band Freak Power gegründet. Ausser einem Hit und dem Umstand, dass aus Norman Cook später Mr. Big Beat Fatboy Slim wurde, ging die Band schnell in die Vergessenheit ein. 1995 spielten sie in der Schüür und räumten dort offenbar ab. Gut möglich, dass wir damals auch dabei waren. Es war die Zeit, als sich Acid Jazz, Funk, Soul und Trip Hop zu einem Allerwelts-Groove vereinigten, der an den Bars und in den Lounge-Sektoren für Umsatz sorgte, aber im musikalischen Gedächtnis rasch verpuffte.

Doch der Abend zum 25. Geburtstag der Schüür, der den Freak-Power-Sound neu anrichtete, machte Spass. Dahinter stand eine schöne Idee, die auf eine generationenübergreifende Zusammenarbeit setzte und ein buntes Volk quer durch die Szenen in die Schüür brachte, samt Stadtpräsident Beat Züsli und Partnerin. Geschäftsleiter Marco Liembd hatte rund 50 einheimische Musikerinnen und Musiker organisiert, inklusive eines Ad-hoc-Chors, die in diversen Formationen die Freak-Power-Songs intonierten. Ashley Slater verbrachte mehrere Tage in Luzern, um sein Material mit den diversen Bands flottzumachen – laut Liembd rund 30 Stunden Proben.

Nicht hart slappender Funk, sondern die Pop-Variante

Und wie die ersten Songs langsam eintänzelten, gespielt von der Reto-Burrell-Band ohne den Bandleader, begannen sich schon die Beine und Hüften zu bewegen. Es war funky Stuff, der einem die Leichtigkeit des Daseins in Erinnerung rief. Nicht der hart slappende Funk, sondern die Pop-Variante mit melodisch einprägsamen Motiven und einem Lächeln auf den Lippen. Slater hatte zwei Ladys mitgebracht, die am Bühnenrand mitsangen, tanzten und ein bisschen animierten. Alles schien startklar, um auch mal in Luzern eine Art Mini-Montreux-Feeling anzupeilen. Aber am Ende war es dann doch eher ein lokales Freundschaftstreffen, das seinen sympathischen ­Groove hatte.

Nach der ersten Band wurde der musikalische Level fester geschraubt. Mit einer coolen Bassfigur leitete Stoph Ruckli den ersten Song einer Combo ein, die mit Hans Peter Pfammatter und Fredy Studer zwei erfahrene Jazz-und Impro-Cracks in den Reihen hatte. Prompt franste der Song in eine Art lockere Jam aus, was Ashley Slater nicht wirklich zu goutieren schien.

Wohler wurde es dem Ex- Posaunisten der englischen Jazz-Big-Band Loose Tubes erst wieder, als er die spielerische Disziplin von Spinning Wheel im Rücken spürte. Das ganz in Weiss gewandete Luzerner Ensemble, das ebenfalls seit 25 Jahren auf der Piste ist, gab mit seiner Mischung aus Brass, Jazz und Funk den Slater-Songs eine schöne Portion Zentralschweizer Pfeffer, inklusive eines spritzigen Trompeten-Solos. Dann wurde es auf der Bühne noch enger: Ein 20-köpfiger Chor mit bekannten Gesichtern aus der Kulturszene trudelte ein, der unter der Regie von Universal-Impresario Christov Rolla (Keyboards, Arrangements) zusammen mit Franziska Staubli (g), Martina Berther (b) und Nick Furrer (dr) für die eigenwilligsten Interpretationen des Abends sorgten. Mit einem Feedback-geschwängerten Hardcore-Rock-Soli setzte Gitarristin Staubli gleich noch den musikalischen Glanzpunkt dazu.

Ein neues Mitglied der Schüür-Family

Den Abschluss des bunten Abends machten die unverwüstlichen Pop-Eklektiker von Hanreti. Der brandneue Song von Ashley Slater, den sie interpretieren – «eine Weltpremiere!» – klang wie eine Reminiszenz an «Hey Jude» (The Beatles), womit die funky Endlosschleife dieses Abends wieder zum Popsong zurückkehrte. Den härtesten Job in dieser Unterhaltungsrevue hatte Slater selber, der als Sänger, Posaunist, Animator und Moderator zwei Stunden pausenlos auf der Bühne stand. «You went to Lucerne with a trombone, you leave as a member of our family», würdigte Liembd ihn am Schluss vor vollem Bühnenbild.

Fünf Minuten später war der Konzertraum leer. Die Leute vergnügten sich bei spätherbstlich angenehmer Temperatur im Garten um das Feuer oder nahmen lange nach Mitternacht noch ein Ohr voll alter und neuer Songs der etwas vergessen gegangenen Band 7 Dollar Taxi, die im Erdgeschoss eines ihrer rar gewordenen Sets rockten. Am Ende blieben die DJs, die bei schon arg gelichteten Publikumsreihen die Nacht musikalisch verlängerten. Hey Schüür, auf weitere 25 Jahre!

Hinweis

Schüür-Programm: www.schuur.ch

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