Luzern taucht in die erste Festival-Nacht ein

Im Beisein von Prominenz aus Kultur, Politik und Wirtschaft ist am Mittwochabend das Lucerne Festival im Sommer eröffnet worden. Bis am 18. September leuchten hochkarätige Interpreten und Orchester die verschiedenen Facetten der Nacht musikalisch aus.

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Das Eröffnungskonzert wird live vom KKL aufs Inseli übertragen. (Bild: Keystone)

Das Eröffnungskonzert wird live vom KKL aufs Inseli übertragen. (Bild: Keystone)

Die Zürcher Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen führte zur Eröffnung ins Leitmotiv des Festivals ein. Für sie ist die Nacht ein Verführungsort. Im Dunkeln seien existenzielle Grenzerfahrungen möglich. Es gebe eine andere Zeitrechnung. Die Konturen würden unscharf, doch das geistige Sehen schärfer.

Nacht und Schlaflosigkeit

«Wir brauchen den Verführungsort Nacht, um verborgene, verbotene und vergessene Welten zu erfahren», sagte Bronfen, und nannte dazu den Traum, den Tod und die erotische Ekstase. Aus den Erfahrungen, die in der Nacht gewonnen werden könnten, nehme man etwas in den Morgen danach mit, wodurch der neue Tag anders werde.

Diesem von Bronfen aufgezeigten Weg (»durch Nacht zum Licht») hat Lucerne Festival einen eigenen Zyklus gewidmet. Eine andere Konzertreihe widmet sich der Schlaflosigkeit. Weiter prägen Serenaden, Nachtgesänge, Nocturnes, Nachtgestalten und Umnachtete das 100 Veranstaltungen umfassende Programm.

Erstes Konzert auf dem Inseli

Zur Eröffnung spielte das Lucerne Festival Orchestra unter seinem Dirigenten Claudio Abbado das «Adagio» aus Gustav Mahlers zehnter Sinfonie. Das Konzert wurde live auf das Inseli übertragen. Für Mahler waren Komponisten «Nachtwandler», die auf einem ihnen unbekannten Weg «dem fernen Lichte» zugehen.

Das 2003 von Abbado gegründete Orchester spielte ferner Vorspiele zu Richard Wagners «Lohengrin» und das d-Moll-Klavierkonzert von Johannes Brahms. Am Flügel sass Radu Lupu und nicht wie vorgesehen Hélène Grimaud, dies weil es zwischen der Pianistin und dem Dirigenten zu künstlerischen Differenzen gekommen war.

Calmy-Rey: «Es sind Träume der Freiheit»

Auch Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey nahm in ihrer Ansprache das Festivalthema auf, konzentrierte sich aber dabei auf den Traum. Es seien Träume der Freiheit, die sich im arabischen Raum bemerkbar machten, sagte sie. Die Schweiz müsse das ihre beitragen, dass sich diese Träume nicht in Albträume verwandelten.

sda/rem