Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERN: Wenn die Orgel den Pop rockt

Zum Auftakt des zweiten Echo-Orgelfestivals in der Hofkirche erklangen epochale Jazz-, Pop- und Rocksongs. Diese boten auch Inhalte, welche des sakralen Rahmens durchaus würdig waren.
Roger Daniel Tanner
Joseph Sieber überzeugte in der Hofkirche am Flügel. Auf der Projektion hinten sieht man seinen Vater, den Organisten Wolfgang Sieber. Bild: Corinne Glanzmann (28. Oktober 2016)

Joseph Sieber überzeugte in der Hofkirche am Flügel. Auf der Projektion hinten sieht man seinen Vater, den Organisten Wolfgang Sieber. Bild: Corinne Glanzmann (28. Oktober 2016)

Dass zur Eröffnung des zweiten Echo-Orgelfestivals in der Hofkirche gejazzt und gerockt wurde, mag die eine oder andere fromme Seele erschüttert haben. Denn was hat die Musik von Abba oder Queen in einem geweihten Raum verloren?

Eine schillernde Figur wie der früh verstorbene Queen-Frontmann Freddie Mercury war vieles – manchmal Drag Queen, Exhibitionist oder Rockmonster, manchmal verehrt wie ein Priester oder gar eine Gottheit. In diesem bipolaren Spannungsfeld entstanden die tiefgreifendsten Texte, die einen im Grunde introvertierten Menschen zeigen, der uns in seinen Liedern etwas zu sagen hat. Mit Inhalten mitten aus dem Leben, die durchaus an einen sakralen Ort gehören und dort erfahren werden dürfen.

«Rhapsody in Blue» als erster Höhepunkt

Diese Konzeption passt haargenau zum Initianten und Hauptakteur des Festivals, dem Stifts- und Hoforganisten Wolfgang Sieber. Es ist immer auch eine Grenzerfahrung, die den Raum zu Neuem öffnet. Das weiss auch das Publikum, das in Scharen anreiste und die Kirche fast vollständig füllte.

Vor dem Altar stand die grosse Leinwand mit der Direktübertragung vom Spieltisch, auf der Empore davor der stolze Flügel und dahinter die ganze Batterie der Perkussion. Für das Auge war diese Anordnung stimmig. Dazu gesellte sich die aufwendige Illumination des Kirchenraums. Fürs Ohr wurden die Instrumente mit Ausnahme der Orgel mittels Akustikanlage abgemischt.

Nach einem fulminanten Start mit Wolfgang Siebers Arrangement von Abbas «Dancing Queen», welches in den Grundzügen die Orgel als Harmonieträger und das Klavier mit Sohn Joseph Sieber als Stimmenträger einsetzt, folgte der erste Höhepunkt mit George Gershwins «Rhapsody in Blue», in welchem Vater und Sohn sich gegenseitig zu Höchstleistungen anstachelten. Während der Hoforganist sinnigerweise mit seinem Arrangement den Orchesterpart spielte, oblag das Klaviersolo Joseph Sieber, der ganz in der Manier eines Klavierkonzertes auch die Führung im Stück hatte.

Der junge angehende Konzertpianist löste diese virtuose Aufgabe mit Bravour. Unterstützt wurden die beiden von einer sportlichen Perkussion. Normalerweise sind in einer Orchesteraufführung mindestens drei Perkussionisten am Werk, dennoch gelang es Christoph Estermann in Personalunion, souverän alles unter einen Hut zu bringen.

Im zweiten Teil des Konzertes kamen für Rockmusik wichtige Ingredienzien dazu: die soulige Stimme der Luzernerin Tiffany Limacher und die klirrende E-Gitarre von Božo Paradžik. Zuvor erschien von der Empore über Video noch eine Grussbotschaft von Wolfgang Sieber. Mit «Hi Folks» verwendete er die gleichen Worte wie Pop-Verleger Jürg Marquard damals in der Radiohitparade der 70er-Jahre. Er stellte das Echowerk mit dem berühmten Handyklingelton «Grande Valse» kurz vor und leitete inhaltlich zu den Queen-Songs über.

Mercury verfügte bekanntlich über einen gigantischen Tonumfang, was eine junge Sängerin wie Tiffany Limacher vor eine grosse Herausforderung stellte. In mittleren und hohen Lagen konnte sie mit ihrer kräftigen und klaren Stimme voll überzeugen, die tiefen Lagen liessen noch einiges an Entwicklungspotenzial erahnen. Schade, dass ihr Augenmerk oft auf den Notenständer gerichtet war. Spätestens bei «Somebody To Love» hätte auswendiges Vortragen und die Konzentration auf die typisch ausdrucksstarke Queen-Gestik den Songs noch mehr Leidenschaft eingehaucht.

Intime Stellen und Fulminanz zum Schluss

Klanglich hat das der Gitarrist sicher geschafft, auch wenn seine zum Teil unfreiwilligen Spaziergänge (technische Probleme) etwas irritierten. Die chorischen Einwürfe wurden instrumental dargestellt, was etwas fad wirkte.

Auch beim zweitletzten Stück «Bohemian Rhapsody», dem Rock-Opus schlechthin, liessen die A-cappella-Einwürfe wie «Mama mia let me go!» und das Dialogische zwischen Sängerin und Instrumenten einige Spannungslücken entstehen. Doch das Publikum bekundete mit Bravo-Rufen seine berechtigte Begeisterung.

In den lyrischen Stücken gelang es Tiffany Limacher, zusammen mit der Orgel einen sehr intimen Rahmen herzustellen und mit der E-Gitarre, die bei Queen-Songs humanoide Züge annimmt, zu verschmelzen.

Zum Schluss machten die Protagonisten bei «We Will Rock You» ernst mit ihrer Aussage und forderten die Konzertbesucher wie an einem Rockkonzert zur aktiven Unterstützung auf. Was leider nur spärlich zu hören war. Doch mit seinem tosenden Applaus holte sich das Publikum «We Are The Champions» als Zugabe heraus.

Hinweis

Infos zu den weiteren Konzerten:

www.hoforgel-luzern.ch/echo-festival.

Roger Daniel Tanner

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.