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LUZERN: Wie Heinz auf den Kreisel kam

Ohne ihn würde es die Kreiselskulptur «Heinz» nie geben. Ein Jahr nach der Einweihung des Kreuzstutz-Kreisels legt der Künstler Christoph Fischer in der Kunsthalle den mehrjährigen Entstehungsprozess offen. Eigentlich schwebten Fischer mal lachende Würste vor.
Julia Stephan
Christoph Fischers «Heinz» in der Kunsthalle Luzern. (Bild: Kilian Bannwart)

Christoph Fischers «Heinz» in der Kunsthalle Luzern. (Bild: Kilian Bannwart)

So, wie das Positiv von «Heinz»’ Torso mit abgesägten Armen in der Luzerner Kunsthalle steht, sieht er einer gestürzten ­sozialistischen Skulptur sehr ähnlich. Doch die im Abguss dreieinhalb Meter hohe und dreieinhalb Tonnen schwere Betonplastik, die seit einem Jahr die täglich 25 000 den Kreuzstutz-Kreisel passierenden Autos grüsst, zeigt keinen durchtrainierten Arbeiter, der die Faust heroisch gen Himmel reckt. Sie zeigt einen Mann fernab jeder Idealisierung: ein Porträt des vormalig unbekannten Strassenwischers Heinz Gilli. Aldo Gugolz’ Dokfilm «Rue de Blamage» über die Baselstrasse und Christoph Fischers Plastik haben ihn bekannt gemacht.

Der Luzerner Zeichner Christoph Fischer blickt seit Jahren von seinem Atelier auf den Verkehrsknotenpunkt Kreuzstutz. Heinz hat er, wie viele Originale im Quartier, skizziert und gefilmt – eine ältere Videoarbeit ­sowie die Publikation «Teufelskreisel Kreuzstutz» (2008) dokumentieren diese skizzenhafte, empathische Annäherung an Alltagsrituale von Strassenpassanten. Die von Kunsthalle-Leiter Michael Sutter, dem Grafiker André Meier und dem Künstler konzipierte Ausstellung legt den mehrjährigen Annäherungsprozess offen, der weit vor dem im Jahr 2009 ausgeschriebenen Kreiselwettbewerb ansetzt und macht die zeitliche Komponente hinter diesem ikonischen Werk erfahrbar.

Vom Typus zum Menschenporträt

Überraschend ist dabei, dass «Heinz» keineswegs am Anfang von Fischers Suchbewegung stand, die fast schon narrative Qualitäten besitzt. Die Ursprungsidee von der Schaffung eines Menschentypus, der das Quartier repräsentiert, führte über Modelle eines Gastarbeiters mit Koffer und lachenden Schaukelwürsten schliesslich – für Fischer selbst überraschend – zu einem sehr persönlichen Porträt. Für dessen Umsetzung war für den Zeichner die Aneignung bildhauerischer Fähigkeiten zunächst eine Herausforderung. Da klassische Bildhauermethoden sein Budget gesprengt hätten, findet man in der Ausstellung fantasievolle, selbst gebaute Apparaturen, die es nicht zu kaufen gibt, oder fast vergessene Instrumente wie einen Pantografen, mit dem man Zeichnungen in einen grösseren Massstab übertragen kann. Den Umkreis des Kreisels mass er mit einer Schnur.

Mit diesem Instrumentarium schuf Fischer eine Plastik, die sich dem Perfekten bis zur Perfektion annähert, und dennoch aufgrund ihrer unkonventionellen Entstehungsweise nicht wirkt wie aus einem Guss. Eindrücklich ist eine Wand mit 894 ausgedruckten E-Mails, die es zur Durchsetzung dieses öffentlichen Projektes gebraucht hat. Dort werden so absurde wie aus Sicherheitsgründen notwendige Fragen diskutiert, wie die, ob ­Fischers Heinz eine scharfe Kante besitze oder nicht. Ecken und Kanten, die diese eigenwillige Schau allemal mitbringt.

Julia Stephan

julia.stephan@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Publikation: Christoph Fischer/André Meyer (Hrsg.): Heinz statt Blumen. Eigenverlag, Fr. 20.–

Christoph Fischer: «Heinz». Kunsthalle Luzern. Finissage am 17. 9. mit Filmvorführung «Rue de Blamage», Stattkino Luzern,

11 Uhr. www.kunsthalle-luzern.ch

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