Luzern wird zur Musical-Metropole

Das Musical «Heimweh – Fernweh» steht in den Startlöchern. Die Produzenten setzen auf einen Mix aus Schweizer Hits und Schweizer Promis. Reicht das zum Erfolg?

Roman Kühne
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Das ganze Ensemble mit Bo Katzman (Mitte, mit Blazer und weissem Hemd) und Tochter Ronja Borer (Zweite von links, auch auf dem Titelbild).Bilder: PD

Das ganze Ensemble mit Bo Katzman (Mitte, mit Blazer und weissem Hemd) und Tochter Ronja Borer (Zweite von links, auch auf dem Titelbild).Bilder: PD

In Luzern ist das Musical-Fieber ausgebrochen. Was sonst nur in Basel oder Zürich möglich scheint, soll plötzlich auch in Luzern funktionieren. Gleich zwei Grossproduktionen feiern innerhalb einer Woche ihre Premiere. Die eine Organisation ist schon länger etabliert. Das «Le Théâtre» in Emmen ­bespielt seit vierzehn Jahren die Musicalbühne und ist ein fester Wert in der Innerschweizer Musikszene. Ab dem 14. Dezember bringen sie das New Yorker Erfolgsstück «Rock of Ages» auf die Bühne. Der andere Anbieter ist relativ neu im Geschäft, zumindest was den Raum Luzern betrifft.

Allerdings ist der Organisator und Produzent Werner Grossniklaus natürlich in Luzern kein Unbekannter. Mit seiner Agentur Ricom hat er wohl schon alle Feste in Marketing und Sponsoring begleitet, die es in der Schweiz zu organisieren gibt. Das Eidgenössische Turnfest, Jodelveranstaltungen und vor allem natürlich das «Eidgenössische», die Goldnadel der Schwinger. Und jetzt also ein Musical. «Ich war am Rande dabei, als Daniel Greber in Bern im Jahre 2012 das Musical «Alperose» produzierte», erklärt Werner Grossniklaus. «Da fand ich spontan: Hey, das könnten wir doch auch in Luzern machen. Die Luzerner sind sehr kulturinteressiert und haben ein grosses Flair dafür. Aber immer, wenn es um grössere Sachen geht, müssen sie nach Zürich oder Basel pilgern. Ich bin aber überzeugt, dass eine solche Produktion auch hier funktionieren kann.»

Aushängeschild Bo Katzman

Gross wird es definitiv. Dies beginnt bereits beim Spielort. Die Produktion «Heimweh – Fernweh» logiert in der Messehalle 1 in Luzern. Während das «Le Théâtre» pro Aufführung «nur» 670 Plätze füllen kann, haben auf dem Messegelände 1500 Gäste Platz. Und dies 35 Mal! Eine (zu) grosse Herausforderung für die Organisatoren? «Wir haben schon 13000 Tickets verkauft», führt Werner Grossniklaus aus. «Jeden Tag verkaufen wir weitere 200 bis 300 Eintritte. Aber natürlich, die Ziele bleiben ambitiös. Wenn wir total auf 30000 Zuschauer kämen, das wäre schön.»

30000 Zuschauer? Da muss natürlich einiges geboten werden. Allen voran sind es bekannte Gesichter, die für den Publikumsaufmarsch sorgen sollen. Das Aushängeschild der Produktion ist Bo Katzman. Zum ersten Mal singt er mit seiner Tochter Ronja Borer gemeinsam in einer grösseren Show. Der Musiker gastierte mit seinem Bo-Katzman-Chor bereits 66-mal im KKL – vor meist ausverkauften Rängen! Das andere bekannte Antlitz ist die Fernsehmoderatorin Nina Havel, die schon durch die Sendungen «MusicStar» und «Ninja Warrior Switzerland» führte oder auf Nikelodeon zu sehen war. Daneben gibt es einen interessanten Mix aus aufsteigenden Namen, von der Bloggerin und Musikerin Christina-Maria Sieber bis hin zum klassisch ausgebildeten Luzerner Samuel Tobias Klauser.

Max Sieber auf Chefsessel

Aber auch die leitenden Plätze sind prominent besetzt. Für das Buch und die Regie zeichnet Max Sieber verantwortlich. Seit «Teleboy» mit Kurt Felix oder seinen über 100 «Benissimo»-Sendungen ist er ein fester Begriff in der Schweizer Kulturszene. «Max Sieber ist für uns ein Glücksfall», zeigt sich auch Werner Grossniklaus überzeugt. «Er ist ein Heimweh-Luzerner, der hier aufgewachsen ist und zur Schule ging. Er hat deshalb sofort mit Begeisterung zugesagt. Mit ihm war es natürlich viel einfacher, unsere Gesangsstars zu rekrutieren.»

Die Choreografie hat Curtis Burger (DJ Bobo, Andrea Berg, «Darf ich bitten») übernommen. Optisch wird auf eine drehbare Bühne gesetzt, sodass die Szenen im schnellen Rhythmus wechseln. Ob dies reicht? Einer der Hauptinitianten, Daniel Greber, hatte mit der Musicalshow «Alperose» im Jahre 2012 in der Region Bern nicht ganz den erhofften Erfolg. Eine geplante Zweitaufführung für 2014 wurde abgesagt. Und offenbar gibt es bis heute offene Rechnungen (ein Artikel dazu erschien in der Luzerner Zeitung vom 15. April 2019).

Schweizer Hitparade

Damit es diesmal besser klappt, wird unter dem Titel «Heimweh –Fernweh» eine ganze Palette bekannter Schweizer Songs aufgemischt. Das Liederskript liest sich wie ein Who is who der hiesigen Pop- und Rockszene. Das Spektrum reicht von «Heaven» von Gotthard, über den «Schwan» (Gölä) bis hin zu «Heiterefahne» (Trauffer). Aber auch der Berner Komiker Müslüm mit «La Bambele», «Vierwaldstättersee» von Kunz oder der Ohrwurm schlechthin, «079» von Lo und Leduc, sind vertreten.

Füllt man wirklich mit solchen, teils wohl fast bis zum Überdruss bekannten Titeln die Messehalle? Werner Grossniklaus ist überzeugt, dass es funktioniert: «Wir verpacken die Musik in eine neue Geschichte und eine tolle Choreografie. Unser Musical wärmt nicht einfach alten Kaffee auf, sondern möchte mit Neuem überraschen. Auch liegen solche Zusammenstellungen im Trend.» Die Geschichte über eine Truppe erfolgloser Unterhalter, die engagiert werden, um den Strandklub «Lido» wieder auf Vordermann zu bringen, ist schnell erzählt. Umso gespannter darf man sein, was der Drehbuschreiber Max Sieber daraus macht.

Konkurrenz zum«LeThéâtre»

Etwas unglücklich ist, dass auch das andere Musical, «Rock of Ages», in Emmen im gleichen Zeitraum ein wohl ähnliches Publikum ansprechen will. Für Werner Grossniklaus ist es wichtig, dass nicht der Konkurrenzgedanke zum «Le Théâtre» im Vordergrund steht: «Auf keinen Fall wollen wir jemandem etwas wegnehmen. Was sie in Emmenbrücke machen ist grossartig. Aber von der Messe Luzern her gab es gar keinen anderen Termin für so viele Vorführungen. Ich bin auch überzeugt, dass Luzern, die Innerschweiz, zwei solche Grossproduktionen verträgt. Gerade zwischen Weihnachten und Neujahr gibt es ein grosses Publikumspotenzial. In dieser Zeit lassen sich die Leute gerne unterhalten.»

Und wer weiss, vielleicht führt das Nebeneinander von zwei grossen Shows wirklich dazu, dass Luzern auch als Musicalstandort wahrgenommen wird. Was dann auch wieder mehr Publikum brächte. Momentan probt «Heimweh – Fernweh» noch in der Viscosi-Stadt. Teils in den Sälen, wo früher der Schweizer Tatort gedreht wurde. Für das Team sei dies sehr inspirierend, schmunzelt Werner Grossniklaus: «Der alte Tatort wird zum Tatort für eine Art Schweizer Heimwehfernsehen.» Da darf man auf die Premiere gespannt sein.

Premiere: Sonntag, 8. Dezember, 18.00

Messe Luzern, Halle 1. Vorpremiere: Samstag, 7. Dezember, 19.30; 35 Vor­führungen bis und mit 6. Januar 2020. Infos: www.heiwehfernweh.ch