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LUZERN: Wo der Puls des Blue Balls schlägt

Die grosse Menschenmasse findet sich am Blue Balls Festival jeweils abseits der Konzertsäle im KKL. Ein Rundgang zu den anderen Schauplätzen bietet schöne Momente. Und eine willkommene Entschleunigung.
Gross und Klein sorgt am Luzerner Quai für gute Blue-Balls-Stimmung. (Bild: Jakob Ineichen (22. Juli 2017))

Gross und Klein sorgt am Luzerner Quai für gute Blue-Balls-Stimmung. (Bild: Jakob Ineichen (22. Juli 2017))

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Es ist, gelinde gesagt, saublöd, dass es an beiden Starttagen des Blue Balls derart kräftig gewittern musste. Das verhagelt nicht nur die Stimmung, sondern meist auch ein bisschen die Bilanz des Festivals. Das ist schade. Vor allem auch deshalb, weil das Leben am Blue Balls draussen pulsiert. Unter dem KKL-Dach, am Quai, beim Pavillon und vor dem «Schweizerhof» (dort natürlich auch drinnen). Der Grossteil der jeweils geschätzten insgesamt 100 000 Besucher tummelt sich dort und weniger in den beiden Sälen des KKL.

Luzern sei «endlich sexy» während des Blue Balls, schrieb ein Mitarbeiter dieser Zeitung vor einigen Jahren zum Festivalabschluss. Das mag stimmen. Sexy ja, aber nicht sonderlich schön. Die zahlreichen Stände zwischen KKL und Pavillon versperren den Blick auf den See konsequent. Aber ganz ehrlich: Als Luzerner kennt man den See ja zur Genüge und eine schönere Lösung für all die Stände fällt uns jetzt auf die Schnelle auch nicht ein – immerhin leisten sie auch ihren finanziellen Beitrag an das Festival und sorgen so dafür, dass Wetterkapriolen weniger ins Gewicht fallen.

Der schöne Nebeneffekt des Grossaufmarsches rund um das Seebecken ist die Entschleunigung: Man ist gezwungen, zu schlendern, schneller vorwärts kommen wir nicht am Samstagnachmittag. Es ist eine faszinierende Mischung von Menschen, die sich hier zusammenfinden. Asiatische Touristen mit Selfie­sticks, britische Touristen mit beeindruckenden Sonnenbränden und erfreulich viele Einheimische mit Festivalpin. Noch etwas nerviger als sonst sind einzig die drei Polterabende, über die wir stolpern.

Man könnte meinen, dass da eine Frau am Singen ist

Als um 18 Uhr das Musikprogramm startet, lauschen wir vor der Seebar dem Duo Sarda. Die beiden Absolventen der Jazzschule Bern spielen entspannten Jazz. Durch das Zusammenspiel von Gitarre und Saxofon entsteht ein warmer Groove, der zum Verweilen einlädt. Leider ist wenig Zeit, und wir wandern weiter. Vor dem KKL spielen deutlich lauter James Levaux & Co. Beeindruckend ist vor allem die Stimme des Londoners. Mit geschlossenen Augen könnte man meinen, dass da eine Frau am Singen ist. Eine, die sehr gut singen kann. Alles sehr gefällig und unterhaltend.

Wir schlendern weiter Richtung Pavillon. Vor der Schiff­station gleich bei der Seebrücke halten wir gerne an: Da hat der ­Luzerner Strassenmusiker Cello Inferno seine Utensilien aufgebaut. Aus einer Kaffeekanne zischt Feuer und Cello Inferno spielt dazu dreckigen Rock. Das macht Spass. Sowieso: Überall entlang des Seebeckens treffen wir auf Nummern abseits des Programms. Da waren noch Ballonfalter, afrikanische Akrobaten und Klangtrommler zu sehen. Sie ergänzen das offizielle Geschehen ganz gut und verleihen dem Blue Balls einen fast schon mediterranen Charme.

Angekommen beim Pavillon, erwischen wir gerade noch ein paar Takte von Dobré. Da haben wir wohl etwas verpasst: Der Indie-Folk der Deutschen wird mit viel Herz und Humor serviert. Aber das ist halt der Fluch der überall verteilten Musik: Alles hören kann man leider nie.

Das hat Dampf und Kraft

Ähnlich verhält es sich mit den Foodständen. Man sieht vor lauter Angebot das Essen kaum. Lecker sieht fast alles aus. Am Schluss fällt die Wahl auf einen Pulled Beef Burger (vor dem KKL): sehr fein, aber doch etwas stolz im Preis (14 Franken). Verpflegt erfreuen wir uns anschliessend vor dem «Schweizerhof» an Wax & Boogie. Die Spanier machen sehr groovigen und mitreissenden Blues. Das hat Dampf und Kraft und lädt zum kräftigen Mitwippen ein.

Ein weiterer schlendernder Positionswechsel führt uns noch einmal zum Pavillon. Dort spielt die Britin Jo Harman ihren kernigen, rockigen Soul. Sie tut das mit einer gehörigen Portion Leidenschaft. Trotzdem lässt es einen etwas kalt zurück. Ganz anders das nahende Gewitter. Wir ziehen das Trockene vor und verabschieden uns vom Festival. Noch bleiben bis am kommenden Samstag viele weitere Blue-Balls-Nächte. Hoffentlich ab sofort ohne Gewitter.

Derweil erweist sich die deutsche Band Dobré als Geheimtipp. (Bild: Jakob Ineichen (22. Juli 2017))

Derweil erweist sich die deutsche Band Dobré als Geheimtipp. (Bild: Jakob Ineichen (22. Juli 2017))

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