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LUZERN: Zur Einstimmung auf Weihnachten schon mal das «Gloria»

Als Vorgeschmack auf die Festtage sang der Chor der Universität in der Johanneskirche am Freitag Vivaldis «Gloria» und andere Herzerwärmer. Dabei wurde er den eigenen hohen Ansprüchen absolut gerecht.
Der Chor der Universität Luzern fand grossen Anklang. (Bild: PD)

Der Chor der Universität Luzern fand grossen Anklang. (Bild: PD)

Es gibt wohl kaum eine Uni, die neben sportlichen und geselligen Körperschaften nicht auch ihren Chor hat. Wer schon einmal in einem Chor gesungen hat, kennt dieses Gefühl, welches den Gemeinschaftssinn stärkt und Kraft gibt, schwere Aufgaben mit einer gewissen Leichtigkeit zu meistern. Singen ist wohl die beste Medizin zur Stärkung der Konzentration und Lernbereitschaft.

Der Chor der Universität Luzern konnte am Freitagabend in der gut besetzten Kirche St. Johannes, Luzern, davon nicht nur ein einzelnes, sondern eine ganze Palette von Liedern singen. Dabei begnügten sich die Studenten, ihre Professoren und Dozenten nicht mit Mittelmass.

Die steilsten Klippen mit Leichtigkeit gemeistert

Ihrem Bildungsstand entsprechend ist auch der Gesang auf einem für Laien hohen Niveau angesetzt, um eben, wie es schon der heilige Augustinus von Hippo lehrte, die das Studium unterstützende Wirkung zu entfalten. Mit Antonio Vivaldis «Gloria» in D für zwei Sopran- und Altsolo, Chor und Orchester war die Messlatte hoch angelegt. Doch dank der umsichtigen Führung des erfahrenen Dirigenten und Pianisten Andrew Dunscombe, der seit 2016 den Unichor leitet, meisterte dieser auch die steilsten Klippen mit Leichtigkeit.

Als Einstimmung auf das Konzert, welches mit viel Glanz und Gloria die adventliche Stimmung etwas überspielte, erklang vom Renaissance-Komponisten Jean Mouton «Quaeramus cum pastoribus». Der A-cappella-Vortrag war beeindruckend rein, in Diktion und Dynamik wohlgeformt und holte das Publikum ab in diese bestechende Klangwelt.

Frisch und aufgeschlossen startete der Chor das «Gloria», was den Dirigenten Dunscombe sprichwörtlich abheben liess. Seine Hüpfer, wenn auch für das Publikum etwas irritierend, inspirierten die Vokalisten zu einem begeisternden Vortrag.

In der Fuge «Et in terra pax» waren die Stimmeneinsätze etwas zurückhaltend gestaltet. Das Duett «Laudamus te» zeigte die beiden So­prane Madelaine Wibom und Stefan Wieland, der auch als Altus fungierte, in einem strahlenden Licht. Das NeckischDialogische war ebenso wie die verschmelzenden Terzen mit viel Sensibilität aus einem Guss gestaltet. Obgleich Wiboms Stimme eher etwas schwer wirkte und daneben Wieland naturgemäss barock agierte, war die Harmonie der beiden gut spürbar.

Ein kleiner Schönheitsfehler

Das «Propter magnam» war zwar leicht und strahlend gestaltet, doch trübte das hohe Tempo etwas die Sauberkeit der Koloraturen. Dieselbe Problematik wiederholte sich später im «Domine Fili». Die Sopran-Arie «Domine Deus» gestaltete Madelaine Wibom mit dezenter Agogik, was den Fluss des Stückes förderte.

Ein kleiner Schönheitsfehler war der Einsatz eines elektronischen Keyboards anstelle einer echten Truhenorgel, was sich speziell bei den Soli bemerkbar machte. Besonders die Bässe des Lautsprechers waren zusammen mit Cello und Kontrabass zu viel des Guten. Dies zeigte sich auch in der Alt-Arie, welche vom Solisten Stefan Wieland mit scharfen Akzenten in ganz barocker Manier vorgetragen und vom Chor mit dem Miserere-Ruf stimmungsvoll beantwortet wurde.

Das «Suscipe» vom Chor ­gestaltete Dunscombe überraschend feierlich und bedächtig, während das «Qui sedes» von Mezzosopran Wieland einer hektischen Start-Ziel-Leistung im Stile von Maestro Gardiner glich, das vom Solisten zwar überzeugend vorgetragen wurde, aber die von Vivaldi eingepflanzten Hemiolen unter den Tisch kehrte. Auch die Schlussfuge litt darunter, sodass der Sopran an einer Stelle den Einsatz fast verpasste. Trotzdem war das «Gloria» ein Hörgenuss.

Weihnächtliche Evergreens rundeten den Abend ab. Gounods «Ave Maria» und Francks «Panis Angelicus» sind beide für hohen Sopran geschrieben. Für dieses Konzert wurde bewusst für Altus Wieland je eine Fassung für tiefe Stimme und Chorbegleitung gewählt, was sowohl vom Solisten wie auch vom Unichor berührend vorgetragen wurde. Auch ein «Panis Angelicus», jenes von Camille Saint-Saëns, wurde auf beeindruckende Art von Madelaine Wibom zelebriert.

Als krönender Abschluss von Chor und Solisten erwies sich die «Cantique de Noël» des romantischen Elsässers Adolphe Adam und bewegte die ergriffenen Konzertbesucher zu einem begeisterten Applaus, was der Chor mit dem englischen Weihnachts-Hit «Away In A Manger» verdankte.

Roger Daniel Tanner

kultur@luzernerzeitung.ch

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