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LUZERN/ENGELBERG: Wettstreit der Orgelgiganten im Orgelsommer

In Luzern wie in Engelberg ertönten Modest Mussorgskis «Bilder einer Ausstellung» in verschiedenen Orgelarrangements – eine aufschlussreiche Vergleichsmöglichkeit, die zu Gunsten Engelbergs ausgegangen ist.
Fritz Schaub
Zuzana Ferjencikova probt an der Orgel in der Klosterkirche Engelberg. (Bild: Pius Amrein (26. Juli 2017))

Zuzana Ferjencikova probt an der Orgel in der Klosterkirche Engelberg. (Bild: Pius Amrein (26. Juli 2017))

Fritz Schaub
kultur@luzernerzeitung.ch

Im Allgemeinen hört man die Orgelklänge, aber sieht nicht das hinter einem auf einer Empore befindliche Instrument, geschweige denn den Interpreten oder die Interpretin, welcher oder welche das Orgelwerk bedient und einem im buchstäblichen Sinn den Rücken zuwendet und verborgen bleibt.

Ganz anders sah das am Dienstagabend in der gut besuchten Hofkirche aus, beim zweiten Konzert des Orgelsommers Luzern: Auf einer vor dem Altar aufgestellten Leinwand sah man hautnah Guy Bovet und Viviane Loriaut in doppelter Perspektive, wie sie an der Hoforgel Modest Mussorgskis grossartige «Bilder einer Ausstellung» spielten – in einer Bearbeitung durch den Westschweizer Organisten, der zusammen mit der französischen Kollegin Viviane Loriaut am Instrument sass. Denn gespielt wurde das Werk nicht in einem Arrangement für zwei, sondern für vier Hände. Dass das gleiche Werk auch in einem Arrangement für zwei Hände existiert, erlebte man am Tag darauf in Engelberg.

Klangfarben auf Kosten des Rhythmus

Eigentlich handelt es sich in beiden Fällen nur um eine weitere Bearbeitungsversion, denn Maurice Ravel hat das Original, das Mussorgski für Klavier geschrieben hat, in eine geniale Orchesterfassung übertragen, und in dieser Gestalt ist es zu einem Paradewerk für grosse Sinfonieorchester geworden. Die «Bilder einer Ausstellung» sind indes nicht nur ein blendendes Orchesterwerk, sondern auch eine Abfolge von elf peinlich genau charakterisierten Porträts, denen jeweils eine Einleitung in Form einer «Promenade» vorangestellt ist. Eben diese «Promenade» kam in der Wiedergabe besonders orgelgerecht heraus, und sie wurde, wie es der Absicht des Komponisten entspricht, jeweils immer wieder leicht verändert auf den Charakter des folgenden Bildes abgestimmt.

Dass dieser Charakter nicht immer scharf umrissen herauskam und der Vortrag etwa bei den explosionsartigen grotesken Sprüngen des Gnoms («Gnomus») deutlich an seine Grenzen geriet, hängt nicht nur mit der mangelnden Reaktionsfähigkeit des Instrumentes zusammen, sondern auch damit, dass sich das Duo zu einseitig auf die Orchesterfarben konzentrierte und dabei die rhythmische Komponente vernachlässigte.

Durch die Orgel an Grösse gewachsen

Dass in dieser Hinsicht mehr möglich ist, zeigte am folgenden Tag die aus Slowenien stammende Zuzana Ferjencikova beim dritten Konzert des Engelberger Orgelsommers in der Klosterkirche. Die auch als Konzertpianistin tätige Künstlerin bewies dies schon bei den «Promenaden». Wer gemeint hatte, in der Bearbeitung für vier Hände würde die Vielfalt der Klangfarben besser zum Ausdruck kommen als in der zweihändigen, sah sich hier angenehm überrascht. Ferjencikova unterschied auch stärker zwischen Einzelstimmen und dem Tutti-Klang, begann eine «Promenade» auch mal einstimmig und ganz schlank im Klang, bevor sie grössere Register benützte, betonte auch stärker die dynamischen Kontraste.

Und indem sie immer wieder das Tempo beschleunigte und wieder nachgab, gewann das Werk deutlich an Spannung und Lebendigkeit, während das Gefälle bei der vierhändigen Version eher flach blieb. Feinheiten wie beim bezaubernden «Ballett der Küken in ihren Eierschalen» kamen besonders klar und durchsichtig heraus. In den choralartigen Einschüben des «Grossen Tors von Kiew» schöpfte die Interpretin Atem, um dann das Orgelwerk zu einer nochmaligen Steigerung emporzuführen. Es war bei dieser monumentalen Wirkung beinahe, als würde man sämtliche Glocken des Kremls von Moskau hören. Hier stellte sich im wahrsten Sinne die grosse Orgel der Engelberger Klosterkirche als die grösste der Schweiz dar.

Eigenwillige Improvisation

Während Guy Bovet und Lauriane dem Mussorgski-Werk gleich die ebenfalls von Bovet arrangierte Ballettsuite 1945 «Der Feuervogel» von Igor Strawinsky folgen liessen, wo sie noch stärker aus den Klangfarben schöpfen konnten, stellte die slowenische Organistin in der Klosterkirche eine nach zeitgenössischer Musik klingende und sehr eigenwillige Improvisation über den Introitus zum Fest der Heiligen Anna am 26. Juli «Gaudeamus omnes in Domino» dem Meisterwerk Mussorgskis voran. Nicht auf der grossen Orgel, sondern auf der kleineren Chororgel im Chorraum, die jedoch bereits eine Klangmacht entfaltete, die der grossen Orgel bei der Mussorgski-Wiedergabe nur wenig nachstand.

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