LUZERNER DADAISMUS: Mit Spass am Spiel und Lust zum Unsinn

Zwei Ausstellungen zeigen die aktuelle Luzerner Dada-Ausprägung. Das ist immer noch witzig, auch wenn es an Biss verloren hat.

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Surreal: Malerei von Roland Pirk Bucher. (Bild: bec)

Surreal: Malerei von Roland Pirk Bucher. (Bild: bec)

Dada lebt. Auch in Luzern hat die Kunstströmung, die vor 101 Jahren in Zürich mit lautem Getöse und skandalösen Veranstaltungen ihren Anfang nahm, überlebt. Das belegen die beiden ­aktuellen Ausstellungen in der Alpineum Produzentengalerie und im «o. T. Raum für aktuelle Kunst» in Luzern.

Allerdings hat die aktuelle Ausprägung des Luzerner Dada an Biss und Schärfe verloren, und von seinem anti-bourgeoisen Schrecken und seiner radikalen Kunst- und Gesellschaftskritik sind kaum noch Spuren auszumachen.

Schnapsparade im Video

Geblieben sind jedoch der Witz und der Spass am frivolen Spiel. Der künstlerische Unsinn hat immer noch die Kraft, die Unsinnigkeiten und die Fantasiearmut der realen Welt sichtbar zu machen. Insofern hat Dada auch in Luzern seine subversive Wirkung mehr oder weniger bewahren können.

Die Wortspielerei «Im Wandumdrehen zum Lullpunkt» steht als Titel über der Doppelausstellung, die Werke von insgesamt 22 Kunstschaffenden und Künstlerteams präsentiert. Der Vielzahl der Künstler entspricht die Vielfalt der ausgestellten Arbeiten. Mit Malerei, Zeichnung, Plastik, kinetischer Kunst, Objekten, Fotos und Videos wird das Publikum unterhalten und bisweilen auch zum Nachdenken angeregt.

Zum Beispiel mit dem Video von Jean-Frédéric Schnyder, das einen Umzug von Schnaps­flaschen auf Kinderspielzeug zeigt – untermalt von ätzender Marschmusik.

Neben Schnyders Arbeit fallen in der Produzentengalerie der Zug der marschierenden Brot­laibe von Rebecca-Rebekka und die skurrilen Gummiobjekte von Theodor Schärer besonders auf. Schräg ist die Serie der fotografischen Selbstbildnisse von Rudolf Steiner und Barbara Meyer Cesta, die als Künstlerpaar im Stil der 60er-Jahre posieren. Unerwartet, aber passend sind die surrealen Malereien und Collagen des vor drei Jahren verstorbenen Luzerner Künstlers Roland Pirk Bucher.

Provokanter Sektenkitsch

Auffälligstes Objekt der Ausstellung im Kunstraum o. T. ist die karibische «Dancing Flower Bar» von Claude Sandoz. An Süsse steht ihr die Videoinstallation «Maria?» von Thaïs Odermatt und Carlos Isabel kaum nach. Eine provokante Arbeit und Sektenkitsch pur.

Mit Alma, Ian Anüll, Lutz & Guggisberg, Markus Schwander, Gabi Fuhrimann, Christian Herter sowie Karin und Didi Fromherz sind weitere bekannte Exponenten der Kunstszene in der Ausstellung mit sehenswerten Arbeiten vertreten. Eine besonders spannende Werkgruppe zeigt Sabina Oehninger, die auf dem Cover sichtbar werden lässt, was sich im Innern von Büchern und Magazinen verbirgt.

 

Kurt Beck

kultur@luezrnerzeitung.ch