Luzerner Hofkirche: Filmmusik und Schweizer Lieder auf den Orgeln

Gastorganist Thomas Haubrich entlockte den Hofkirchenorgeln in Luzern raumgreifende Klangfarben. Der Thurgauer kennt die Instrumente besonders gut – das hat seinen Grund.

Gerda Neunhoeffer
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Die Hauptorgel der Hofkirche. (Bild: Nadia Schärli, Luzern 21. Oktober 2015)

Die Hauptorgel der Hofkirche. (Bild: Nadia Schärli, Luzern 21. Oktober 2015)

Piraten auf dem Vierwaldstättersee, schleichende Löwen am Löwenplatz, Ausserirdische in der Altstadt von Luzern? Unvorstellbar! Aber in der Hofkirche konnte man am Dienstagabend hören, wie das vielleicht klingen würde. Das zweite Konzert des Orgelsommers, «From Seat to Sea – vom Bodensee zum Vierwaldstättersee», hatte weite Dimensionen.

Gastorganist Thomas Haubrich aus Amriswil TG entführte die vielen Zuhörer mit seinen Improvisationen in andere Welten. Sein untrüglicher Instinkt für Klangfarben, seine Virtuosität und differenzierte Anschlagskunst machten seine imaginären Inspirationen zu prallem Klangrausch.

Thomas Haubrich, der 2016 sein Konzertstudium Orgelimprovisation bei Wolfgang Sieber in Luzern abschloss, kennt die Hoforgeln besonders gut. Die vielen Register seien wie ein riesiger Farbkasten, aus dem man alle Farben immer wieder neu mischen kann. Und wie er das beherrscht, wurde in all seinen Improvisationen hörbar, er «malte» magische Bilder. Er gestaltete die Fanfaren «für einen absolut ungewöhnlichen Menschen», für Wolfgang Sieber, feierlich und prachtvoll. Er zitierte Schweizer Lieder im Stil von Renaissance bis heute vollgriffig sowie tänzerisch filigran. Dabei spielte er «Simelibärg» in ungewohnten Dreiertakt mit durchgehend rhythmischer Pedalbegleitung, setzte leise, helle Töne dagegen, zu denen sich von draussen Vogelgezwitscher mischte.

Meditativ ruhig und mit Glocken versüsst

«Seaflowers -Song for Sylvia», Wolfgang Siebers Frau gewidmet, tönte leicht schwebend mit glitzernden Flötenregistern, dabei meditativ ruhig und am Ende mit Glocken versüsst. Episch ausgedehnt spielte Haubrich dann sein vierteiliges Szenarium, das aus Filmen inspiriert ist. Und dieser Ausflug in fremde Welten gipfelte im brausenden Gewittersturm, in dem die Regenmaschine vom Dachboden kräftig mitmischte. Man vermeinte sogar die Kühle des Regens zu spüren, so drastisch gestaltete Haubrich die Naturgewalten; doch langsam mündete alles Tosen in das Schweizerlied. Vielschichtig und ausdrucksvoll nutzte er dann die französischen Register in vier Marienthemen.

Mit «Vo Luzärn gäge Wäggis zue», das er aus tiefem Moll aufsteigen liess und in Variationen verwandelte, die von Toccata über Fuge fast bis ins Blue Balls Festival reichten, endeten die facettenreichen Improvisationen. Man war wieder am friedlichen, von Piraten verschonten See angelangt. Und konnte die CD des Konzertes, die leider noch nicht ganz fertig war, bestellen, was vielfach wahrgenommen wurde.