Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LUZERNER SINFONIEORCHESTER: Intendant Numa Bischof Ullmann: «‹Luzern› im Namen ist ein Privileg»

Das «LSO» in Luzern gibt’s nicht mehr. Intendant Numa Bischof Ullmann sagt, wieso das Luzerner Sinfonieorchester auf sein Kürzel verzichtet. Und wie dieser Verlust seinen Erfolg bestätigt.
Urs Mattenberger
Neuer Auftritt mit Logo ohne «LSO»: Programmbuch 2017/18 des Luzerner Sinfonieorchesters. (Bild: PD)

Neuer Auftritt mit Logo ohne «LSO»: Programmbuch 2017/18 des Luzerner Sinfonieorchesters. (Bild: PD)

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Numa Bischof Ullmann, das Luzerner Sinfonieorchester teilte die Abkürzung LSO mit dem berühmten London Symphony Orchestra. Streichen Sie das jetzt aus dem Logo, weil die Kollegen aus der Weltstadt reklamiert haben?

Nein, es gab aus London keine Reklamation. Und das, obwohl die Kurzform LSO für das London Symphony Orchestra längst ein wichtiger Trademark ist. In Luzern wurde die Abkürzung viel später eingeführt, als das AML-Orchester in «Luzerner Sinfonieorchester» umbenannt wurde. Und das war erst 1998 der Fall!

Im August geht das Luzerner Sinfonieorchester auf Tournee in die USA. Hat der Auftritt im englischen Sprachraum die Sensibilität für das Problem mit dem englisch besetzten Logo gestärkt?

Nein, im internationalen Konzertbetrieb verständigt man sich ohnehin auf Englisch. Aber als ich 2003 als Intendant des ­Orchesters nach Luzern kam, wusste ich: Wenn wir Erfolg haben, werden wir in zehn Jahren Probleme haben mit einem Kürzel, das bereits von einem anderen Orchester besetzt ist. Und wenn das kein Thema würde, hätten wir unsere Arbeit nicht richtig gemacht. Inzwischen ist zum Glück Ersteres eingetreten: Durch die wachsende internationale Präsenz und Reputation des Orchesters mehrten sich die Reaktionen auf das LSO-Logo.

Was für Reaktionen sind das?

Es warf Fragen auf und stiftete gar Verwirrung, wenn wir zum Beispiel auf Tournee in einer ­Reihe auftraten, in der auch das andere LSO vertreten war. Natürlich löste sich die Irritation jeweils in ein freundliches Schmunzeln auf, wenn wir das erklärten. Aber uns wurde immer klarer: Mit dem «LSO» hatten wir ein Kürzel im Logo, das wir international nicht verwenden können. Und in Luzern eigentlich auch nicht: Als Residenzorchester des KKL treten wir in einem Konzertsaal auf, der auf dem Radar des internationalen Konzertbetriebs ist. Auf unseren CDs wurde das LSO-­Logo ohnehin nie verwendet, um Verwechslungen mit dem London Symphony Orchestra auszuschliessen.

Aber in Luzern selber wurde «LSO» zu einer Art Brand und ist in aller Munde. Ist es da nicht unpraktisch, auf eine Abkürzung zu verzichten?

Ich kann mir vorstellen, dass Luzerner, denen das «LSO» lieb geworden ist, die Abkürzung umgangssprachlich weiter verwenden. Das ist auch kein Problem. Aber selbst lieb gewordene Gewohnheiten können sich über die Jahre ändern. Als ich hier angefangen habe, sprachen drei Viertel unserer Mitarbeiter und Abonnenten noch vom «AML-Orchester» – heute dürfte das auch bei den Konzertgängern kaum einer noch verwenden. Es dauerte etwa fünf Jahre, bis der AML-Zusatz verschwunden war.

Tatsächlich verwenden nur wenige Orchester ein Kürzel, einige benennen sich aber nach den berühmten Häusern, mit denen sie verbunden sind. Haben Sie Namen wie «KKL-Orchester» geprüft?

Wir haben viele Möglichkeiten diskutiert. Aber eine eigentliche Umbenennung verwarfen wir rasch. Zum einen gibt es ebenfalls nur wenige Orchester, die sich nach ihrem Stammhaus benennen – neben dem Tonhalle-Orchester etwa jene im Concertgebouw und im Gewandhaus. Anderseits ist das Luzerner Sinfonieorchester nicht nur das Residenzorchester des KKL, sondern auch das Opernorchester des Luzerner Theaters. Und drittens kann ich mir ohnehin keinen schöneren Namen als «Luzerner Sinfonieorchester» vorstellen.

Inwiefern?

Es ist ein Privileg, wenn man eine Stadt wie Luzern im Namen führen kann – auch wegen der internationalen Ausstrahlung, die Luzern hat. Das ist sicher auch der Grund, wieso die meisten Orchester die Namen ihrer Städte nicht in einem Kürzel verstecken – von Cleveland und Chicago bis Berlin oder Wien. Orchester profitieren aber nicht nur von solchen Städtenamen, sondern tragen sie als Botschafter in der Welt herum. Dazu gehört, dass wir auch im Ausland den originalen Schriftzug «Luzerner Sinfonieorchester» verwenden und ihn allenfalls mit einer Übersetzung wie «Lucerne Symphony Orchestra» kombinieren.

Im neuen Logo ist prominent die Gründungszahl 1805 platziert. Ist Alter bei Orchestern ein Gütesiegel?

Das Luzerner Sinfonieorchester ist als Orchester mit diesem Anspruch, also abgesehen von Kammerorchestern, tatsächlich das älteste in der Schweiz. Es entstand aus einer Bürgerinitiative heraus. Und obwohl es heute glücklicherweise auch öffentlich finanziert wird: In einer Zeit, wo das Engagement privater Geldgeber immer wichtiger wird, hat diese Tradition einen unmittelbaren Bezug zur Gegenwart.

In den Anfängen des Internets erlaubte sich das Luzerner Sinfonieorchester den Schildbürgerstreich, die eigene Homepage nur «www.sinfonieorchester.ch» zu nennen. Müsste man nicht auch da selbstbewusst das Wort «Luzerner» einfügen?

Jetzt fühle ich mich etwas ertappt. (lacht) Ich gebe zu: Mir gefällt dieser kleine Geniestreich aus der Pionierzeit des Internets. «www.sinfonieorchester.ch» ist nicht nur kürzer, sondern hat etwas Cooles an sich. Und dass man über Google als Erstes auf unserer Homepage landet, wenn man das Luzerner Sinfonieorchester sucht, haben wir technisch sichergestellt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.