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Luzerner Sinfonieorchester reist ins Land seines Dirigenten

«Ein Amerikaner in Luzern!» – Unter diesem neckischen Titel serviert James Gaffigan mit seinem Orchester im KKL Fundstücke aus der überseeischen Kompositionsschatulle. Das ist spannend und berührend.
Roman Kühne
James Gaffigan, hier bei einem Auftritt am letzten Lucerne Festival Sommer. (Bild: Peter Fischli / Lucerne Festival)

James Gaffigan, hier bei einem Auftritt am letzten Lucerne Festival Sommer. (Bild: Peter Fischli / Lucerne Festival)

Seit sieben Jahren leitet der US-Amerikaner James Gaffigan das Luzerner Sinfonieorchester. Und zum ersten Mal dirigiert er Musik aus seinem Heimatland. Endlich, denn Amerikas klassische Komponisten führen bei uns weitgehend eine Mauerblümchenexistenz. Mit Ausnahme von Leonard Bernstein und George Gershwin werden sie bei uns kaum beachtet. Am Freitag gab es im KKL nun quasi eine «Vorpremiere». Im Rahmen der 40-Jahr-Feier der Schweizerischen Vereinigung der Spitaldirektoren spielte das Luzerner Sinfonieorchester im KKL sein abendfüllendes Programm.

Dabei verzichtet die Auswahl von James Gaffigan – mit Ausnahme der Ausschnitte aus der «West Side Story» – auf die naheliegenden Blockbuster der transatlantischen Showkultur. Auf dem Programm stehen zwar die bekannten Komponisten Samuel Barber und Charles Ives. Doch anstelle von Barbers wohlfeilem «Adagio for Strings» erklingt zum Auftakt das Orgelwerk «Toccata Festiva». Das «festfreudige Tastenstück» transportiert eine ganz andere Stimmung als das Adagio, das in einer Hörerumfrage von BBC mal zum traurigsten klassischsten Stück gewählt wurde. Es ist eine attraktiv-fröhliche Komposition.

Organist spielt nur mit den Füssen

Der Solist Paul Jacobs, ebenfalls ein Amerikaner, kann hier aus dem Vollen schöpfen. Der stürmische Anfang oder die Kadenz sind hochvirtuos. In Letzterer spielt der Organist nur mit den Füssen. Der Konzertspieltisch, der seit einem Jahr in Betrieb ist, ermöglicht dabei einen exzellenten Blick auf die spannende Beinarbeit von Paul Jacobs.

Andererseits gibt er dem Stück über weite Strecken eine scheue Leichtigkeit, dünnt die Wucht seines Instrumentes aus. Er ist mehr ergänzende Farbe denn dröhnender Solist.

Das Luzerner Sinfonieorchester spielt vor allem die gesanglichen Passagen mit einem ruhigen, aber elastischen Fluss. Das ausgezeichnete Hornsolo, das Wechselspiel zwischen den Holzbläsern und der Orgel entwerfen transparent das Gestische der Musik, die Weite einer amerikanischen Landschaft. Demgegenüber wirken die Ausbrüche, die starken Akzente und Synkopen, auch sie oft ein typisches Element der transatlantischen Klassik, etwas flau. Am Anfang oder auch in der Symbiose mit der Orgel fehlt die nötigen Schärfe, der fulminante Körper. Es gibt aber absolut auch Momente, wo das Orchester mehr Kraft auffährt, etwas «Dreck» in ihre Linien wirft. In Leonard Bernsteins «Symphonic Dances from West Side Story» spiegelt der «Mambo» die ganze Leidenschaft, das Feuer des Bandenkampfes.

Auch hier sind es eher die sinnlichen, die sphärischen Momente, wo das Luzerner Sinfonieorchester seine Klasse ausspielt. Die zerbrechliche Hoffnung in «Somewhere», die reichen Schichtungen im finalen Adagio, die lyrischen Flötensoli berühren. Indes wären in den wuchtigen Türmungen im «Rumble» oder in den hektischen Rhythmen des Anfangs zusätzliches Feuer und teils ein letztes Quäntchen mehr Sicherheit wünschenswert.

Herzensangelegenheit mit verschiedenen Stimmungen

Gaffigans Interpretation setzt vielleicht etwas zu sehr auf einen weichen Klang statt auf kräftige Spitzen. Dies besonders im Vergleich mit dem Orchestra Sinfonica de Milano, das die «West Side Story» im Januar in ihrer Originalfassung im KKL zur Aufführung brachte, mit höchster Präzision, Leidenschaft, Wut und Liebe.

Ein Höhepunkt des Abends ist die dritte Sinfonie von Charles Ives. Vor allem die beiden Ecksätze transportieren die verschiedenen Stimmungen des Stückes – von fröhlich spielend bis kirchlich würdig. Dem Dirigenten ist die Komposition ein Herzensanliegen, gibt er doch persönlich eine kleine Einführung dazu.

Als Zugabe erklingt der launische, leicht jazzige dritte Satz aus «Three Dance Episodes From ‹On the Town›» aus dem bekannten Musical, verfilmt mit Gene Kelly und Frank Sinatra. Es erklingen ein paar schöne Soli in der Klarinette und einem kompakten Posaunensatz. Das Count Basie Orchestra sind die Luzerner nicht, aber ein unterhaltsamer Abend, an dem sich viel Neues entdecken lässt, ist es alleweil.

Das Programm «Ein Amerikaner in Luzern!» wird in den Abokonzerten vom Mi/Do, 14./15. November, 19.30, im KKL wiederholt.

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