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LUZERNER THEATER: Choreograf Marco Goecke: «Tanz ist immer so verzweifelt vergänglich»

«Tanz 27: Roll ’n’ Rock It!» im Luzerner Theater zeigt drei Tanzstücke von drei Choreografen. Darunter der Deutsche Marco Goecke mit dem Werk «Äffi».
Kultur@luzernerzeitung.ch
Marco Goecke. (Bild: PD)

Marco Goecke. (Bild: PD)

Über 70 Choreografien hat Marco Goecke (46) bereits entwickelt. Jede erkennt man von den ersten Bewegungen an: Wie durchblitzt wirken die Tänzerkörper, als würde ihr Inneres nach aussen flattern, in eine minimalistisch-rebellische Bühnenatmosphäre hinein. Ein Stück ist besonders berühmt: «Äffi», ein Solo. Es feiert am Freitag in Luzern Schweizer Premiere.

Marco Goecke, wie nehmen Sie unsere heutige Zeit wahr?

Schon sehr schnell. Ich bin mit der Generation «MTV» aufgewachsen. Wenn ich heute Videoclips aus den 80er-Jahren schaue, wirken sie auf mich wie Zeitlupe.

Tempo spielt in Ihren Choreografien eine grosse Rolle.

Ich wollte sie immer schnell machen, um die Zuschauer und mich nicht zu langweilen.

Jetzt kommt «Äffi» in Luzern auf die Bühne. Waren Sie versucht, das Tempo noch mehr aufzudrehen?

Ja, ich wollte das Stück zunächst beschleunigen. Das kann ich beispielsweise, indem ich mehr Energie in die Bewegungen gebe. Dann habe ich es aber sein lassen. «Äffi» ist ein stimmiges, aber kein einfaches Solo. Elf Minuten lang muss ein Tänzer durchhalten können. Der Junge, für den ich es kreierte, brauchte viel Zeit, bis er es auf den Punkt brachte.

Marijn Rademaker wurde dann mit dem Deutschen Theaterpreis als «bester Darsteller Tanz» ausgezeichnet. Wie haben Sie den Solisten in Luzern ausgewählt?

Beim Ensemble des Luzerner Theaters standen mehrere Tänzer zur Auswahl. Ich studierte Videos, redete mit der Ballettdirektorin und dem Ballettmeister. Der Beste war dann ein dehnbarer Begriff. Jedenfalls wechseln sich Louis Steinmetz und Zach Enquist von Vorstellung zu Vorstellung ab.

Was macht einen guten «Äffi» aus?

Ich denke, es hat viel mit Trotzigkeit zu tun, mit Kraft, mit Nachgeben – eine ganz reiche Angelegenheit. Man muss athletisch sein, so eine Jugendlichkeit von heute haben, während ja die unterlegten Johnny-Cash-Lieder etwas von früher haben.

Ihre Tanzsprache wirkt frisch und unverwechselbar.

Seit ich angefangen habe, wollte ich nichts machen, was es schon gab. Deswegen sind einige meiner Choreografien ganz schön schrill. Heute bin ich etwas milder. Für mein Vokabular nutze ich die Errungenschaften des modernen Tanzes oder des Tanzes von heute. Aber ich bediene mich nicht bei andern, sondern mache mir alles zu eigen: Ich zertrümmere Bewegungen so lange, bis sie wie meine aussehen.

Welche Bewegungen ausserhalb der Tanzwelt faszinieren Sie ebenfalls?

Viele, die mit Natur zu tun haben. Ich würde mal grob sagen, alles, was der Wind bewegt. Bäume, Blätter, Pflanzen beobachte ich sehr interessiert. Ja, der Wind ist mein Element. In einem Hotel sah ich einmal einen Vorhang, der sich bewegte. So etwas ist ganz unheimlich und erzählt eine ganze Geschichte.

Sie haben über 70 Choreografien geschaffen. Welche liegt Ihnen besonders nahe?

Es ist immer das letzte und natürlich das nächste Stück, an dem man am meisten hängt oder das einen am meisten plagt.

Also etwas zwischen «Almost Blue» fürs Stuttgarter Ballett und «La Strada» fürs Gärtnerplatztheater in München ...

Ja, bei «Almost Blue» habe ich gefunden, was ich suche. Ich bin tiefer gegangen als früher, habe schamloser etwas von mir gegeben, denn ich bin ja doch etwas schüchtern. Aber vielleicht ist es auch ein schöner Trugschluss.

Fürst Albert zeigte sich letzthin auch von Ihrem Stück «Nijinski» sehr angetan ...

Ich bin besser befreundet mit Caroline von Monaco. Sie ist ein Fan meiner Arbeit – und dem Ballett etwas näher als Prinz Albert.

Was pflegen Sie für Extravaganzen – ausser dem Mantel mit dem opulenten Kragen?

Das ist ein sehr wertvoller Mantel, den ich seit einigen Wintern trage. Ich hänge an schönen Dingen, weil diese nicht vergehen wie der Tanz. Schmuckstücke interessieren mich beispielsweise sehr. Sie suggerieren eine Ewigkeit, zelebrieren den Moment, halten ihn fest. Tanz ist immer so verzweifelt vergänglich. Er existiert und doch nicht wirklich. Jedenfalls kann man ihn nicht nehmen und irgendwo aufstellen.

Interview: Edith Arnold

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Tanz 27: Roll ’n’ Rock It!: Premiere am Freitag, 13. April, 19.30 Uhr, im Luzerner Theater. Weitere Vorstellungen: www.luzernertheater.ch

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