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LUZERNER THEATER: «Die Zauberflöte» – Papageno jagt «Dr. No»

Männerbund-Kritik und doch ein Bilderbogen für die ganze Familie: Der neuen Luzerner «Zauberflöte» gelingt szenisch ein Spagat und musikalisch ein grosser Sprung bis hin zum starken Schluss.
Urs Mattenberger
Bilderbuch-Traumpaar: Bernt Ola Volungholen (Papageno) und Magdalena Risberg (Pamina). (Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater)

Bilderbuch-Traumpaar: Bernt Ola Volungholen (Papageno) und Magdalena Risberg (Pamina). (Bild: Ingo Höhn/Luzerner Theater)

Sarastros Heilige Hallen als Brutstätte eines Fundamentalismus, der an den IS erinnert – und das in einem «Bilderbogen für die ganze Familie»? Die Ausführungen Wouter Van Looys zu Mozarts «Zauberflöte» schienen so widersprüchlich wie das Werk selbst (Ausgabe vom Freitag).

Schliesslich verdankt die Märchenoper ihre Popularität auch dem Mix aus Freimaurerpathos, Papageno-Volkston, Barockkoloraturen und der Empfindsamkeit des Liebespaares Pamina und Tamino. Und sie alle kommen tatsächlich in dieser Produktion zu ihrem Recht.

Cyborgs gegen Menschen aus Fleisch und Blut

Möglich macht es, dass der belgische Regisseur Sarastros gewalttätigen Idealismus vorab in der Rahmenhandlung pointiert herausstellt oder in der Ausstattung präsent hält. Wenn sich der Männerbund vor der Ouvertüre versammelt, um das Prüfungsritual einzuleiten, steigt Sarastro vom Überwachungsturm herunter, von dem aus er alles steuert und kontrolliert. Die ausgestopften Tiere, die in den als fahrbare Spielorte dienenden Käfigen aufgebahrt sind, machen klar: Auch die Menschen sind in diesem Laboratorium manipulierte Präparate. Zu Armprothesen verlängerte Gummihandschuhe und Gesichtsimplantate weisen nicht nur die Männerbündler, sondern auch das Gefolge der Königin der Nacht – die drei aufreizenden Damen, die vorzüglichen Sängerknaben Dionys Mejer, Noë Ullmann, Raphael Haag – als Cyborgs aus Sarastros Labor aus.

Das alles ist zwar für eine Märchenoper reichlich düster, aber es erlaubt im Spiel ganz andere, nämlich verspielte und farbige Akzente (Kostüme: Johanna Trudzinski). Und die Sänger machen aus den Hauptfiguren des Stücks Menschen aus Fleisch und Blut. Bernt Ola Volungholen gibt den Papageno mit kraftvollem Bariton als unzähmbaren Naturburschen wie aus dem Bilderbuch, der mit seinem Plappermaul Publikumsliebling werden könnte. Wäre da nicht die Pamina von Magdalena Risberg: Wie sie mit süsser Engelsstimme ebenfalls ein Naturrecht, das der Liebe und der Wahrheit, beschwört und dann dramatisch verteidigt, lässt sie vokal fast über Gebühr herausragen. Kein Wunder, kommen sich dieser Papageno und diese Pamina in ihrem Hymnus auf Weib und Mann knisternd und zärtlich nahe – fast – bis zum Kuss.

Menschlicher Ton aus dem Orchestergraben

Auch die Liebe zwischen Pamina und Tamino ist eben ein Sarastro-Experiment, das am Schluss zerbricht. Das liegt aber nicht an der leicht geführten Stimme von Denzil Delaere, mit dem das Ensemble wieder über einen vielversprechenden Tenor verfügt. Er gibt diesen Tamino ohne gestelztes Prinzenpathos als junger Mann wie von heute, auch wenn er am Schluss angepasst im Kommandoturm verschwindet. Exemplarisch für den menschlichen Ton in dieser Zauberflöte ist auch die umwerfend treffsichere und berührende Königin der Nacht von Diana Schnürpelt, wobei das Ensemble bis in kleinere Rollen vorzüglich besetzt ist (Robert Maszl als Monostatos, Maja Bader als Papagena). Angestiftet zu diesem Ton werden die Sänger aus dem Orchestergraben: Da entfacht Clemens Heil mit dem Luzerner Sinfonieorchester einen vitalen und scharf pointierten Mozartton, der Sarastros rituelle Selbstinszenierung subversiv unterwandert.

Dessen Bösartigkeit könnte man vor so viel Amüsement und Menschlichkeit glatt vergessen, würden nicht Vuyani Mlindes frustrierte Ausraster daran erinnern, wie unheilig diese Hallen sind. Und weil er mit seinem Handschuh an «Dr. No» erinnert und in der Stille die Labormaschinen surren, glaubt man vorbereitet zu sein auf das Ende, das einen doch nochmals gewaltig mitnimmt: ein starker Abend bis zum Schluss.

Urs Mattenberger
urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Grosserfolg nach hundert Tagen

Das Luzerner Theater vermeldete zur Premiere der «Zauberflöte» einen «sensationellen Start» in den ersten hundert Tagen der Intendanz von Benedikt von Peter. Per Ende November verzeichnet das Theater «eine nie da gewesene Auslastung von knapp 90 Prozent». Alle drei Sparten haben zum Erfolg beigetragen, der sich im breiten Echo auch in der internationalen Presse widerspiegelt. Spitzenreiter war Verdis «Rigoletto» in der ehemaligen Pilothalle der Viscosuisse (96 Prozent). Damit konnte das Luzerner Theater die Besucherzahl im Vergleich zu 2013 (mit vergleichbar vielen Vorstellungen) von 14 826 auf 22 151 steigern – also um 7300 oder 50 Prozent im Vergleich der ersten drei Monate.

mat

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