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LUZERNER THEATER: Eine Theater-Box fast wie ein WM-Pokal

Als Benedikt von Peter letztes Jahr zum künftigen Intendanten (ab Sommer 2016) des Luzerner Theaters gewählt wurde, war klar: Nach den Jahren der Konsolidierung unter Dominique Men­tha wagt der Stiftungsrat erneut einen Aufbruch.
Offenbar in Luzern bereits gut vernetzt: Der künftige Intendant Benedikt von Peter präsentiert die Box mit der neuen Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck. (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Offenbar in Luzern bereits gut vernetzt: Der künftige Intendant Benedikt von Peter präsentiert die Box mit der neuen Stiftungsratspräsidentin Birgit Aufterbeck. (Bild: Luzerner Theater/Ingo Höhn)

Als Benedikt von Peter letztes Jahr zum künftigen Intendanten (ab Sommer 2016) des Luzerner Theaters gewählt wurde, war klar: Nach den Jahren der Konsolidierung unter Dominique Men­tha wagt der Stiftungsrat erneut einen Aufbruch. Womit die Frage im Raum stand, ob dieser sein Publikum besser finden würde, als es – vor Mentha – unter Barbara Mundel der Fall war.

Denn mit dem 38-jährigen Deutschen wurde ein Theatermann gewählt, der in Deutschland mit «radikalem Postregietheater» Furore macht, wie ein Kritiker schrieb. Stimmen aus Bremen, wo von Peter zuletzt die Musiktheater-Sparte leitete, bestätigen das. Da gibt es zwar Abonnenten, die froh sind, dass die neue Leitung frischen Wind ans Theater Bremen brachte. Aber aus dessen Umfeld hört man: Von Peters Inszenierungen «polarisieren» das Publikum. Sie tun es zwar auch im positiven Sinn, wie seine äusserst erfolgreiche «Traviata» zeigte, in der ausser der Titelfigur das ganze Personal ausserhalb der Bühne agierte. Aber für «sichere Publikumswerte» steht in Bremen zum Beispiel Michael Talke – jener Regisseur, der Mundels Luzerner Ära mit einem umstrittenen «Freischütz» eröffnet hatte.

In dieser für viele unsicheren Situation setzte vorgestern die Präsentation einer Box als neuer Spielstädte wichtige Signale. Mit der Box selber, aber auch mit von Peters klarem Bekenntnis zu Ensembles und für Gastspiele der freien Szene im Rahmen der neuen ­Spielstätte. Aufhorchen lässt schon, dass er auf die Frage, ob diese eher für Experimente oder für Volksnähe stehe, geradeheraus festhielt: «Für Volksnähe!»

Bekenntnisse dazu hatte er schon nach der Wahl abgegeben: mit einer Absage an thesenhaftes Regietheater und dem Bekenntnis zu einem «Gefühls- und Erzähltheater», das im Umgang mit Räumen das Publikum nah anspricht. Jetzt aber nimmt das konkrete Formen an, die zeigen, wie Innovation und Publikumsnähe verbunden werden sollen.

An erster Stelle steht die Box selber. «Volksnah» ist sie über alle Programmation hinaus, weil sie als Begegnungsraum dem Luzerner Theater zu einer neuartigen Präsenz und Relevanz im öffentlichen Raum verhelfen kann. Und von Peter geht damit rasch Probleme an, die bisher auf die lange Bank geschoben werden mussten. So entlastet die Box kurzfristig das übernutzte Theaterhaus – auch wirtschaftlich. Dass dahin ausgelagerte Produktionen zu Einsparungen im Theater führen, die in der Box ohne zusätzliche Mittel einen Ganzjahresbetrieb ermöglichen, bestätigt Verwaltungsdirektor Adrian Balmer. Mit ihren flexiblen Wänden erlaubt die Box zudem praktische Experimente mit einem «Raumtheater» (von Peter), von dem in Diskussionen um die Salle Modulable bisher nur theoretisch die Rede war.

Ebenso überraschend ist die Deutlichkeit, mit der von Peter langjährige Diskussionen um die Abschaffung des Ensembleprinzips faktisch beendet – mit der Aussage, auf dem heutigen Ensemble­niveau seien Gastsänger in der Oper «schlicht unbezahlbar». Auch das bestätigt Adrian Balmer. Kosten für Ensemble­sänger belaufen sich – bei Jahreslöhnen zwischen 45 000 und 65 000 Franken – auf höchstens 11 000 bis 15 000 Franken pro Produktion. Ohne Gagen für Gastsänger zu nennen, hält Balmer fest: «Bei Gastsängern fallen zusätzlich zu den Gagen (für die Vorstellungen und sechs Wochen Proben) Kosten für Reisespesen und Übernachtungen an. Diese sind deshalb insgesamt deutlich höher.»

Einen dritten Nagel mit Kopf schlug von Peter ein, als er sich auf die Frage nach möglichen Gastproduktionen der freien Szene in der Box klar zu einer solchen Zusammenarbeit bekannte. Auch diese Frage wurde bislang auf die lange Bank der Diskussionen um eine neue Theaterinfrastruktur geschoben. Und kommt jetzt mit einem Schlag in Bewegung. Möglich macht es die Box, die ausserhalb der dicht disponierten Spielpläne im Haupthaus Spielraum schafft – auch für externe Produktionen.

Zusätzlich zur unbestrittenen Theaterfantasie, deretwegen von Peter nach Luzern gewählt wurde, beweist er mit alledem Tatkraft und einen Sinn fürs Praktische, den man so nicht erahnen konnte.

Man kann an all diesen Weichenstellungen ablesen, dass von Peter auch ein überzeugender, ja charismatischer Kommunikator ist – gegenüber Politikern (in der Ensemble-Frage), Sponsoren (für die Box) und der freien Szene, aus der er selber kommt und mit der sich die neue Theatercrew vernetzen will. Das dürfte ein Unterschied sein zur Ära Mundel: dass hier ein Intendant kommt, der nicht nur mit seiner dynamischen Art alle beeindruckt, sondern auch mit seiner Umgänglichkeit für sich einnimmt.

Ja, auch als Menschen erlebt man Benedikt von Peter an Pressekonferenzen nicht als Ideologen, sondern als visionären Praktiker und damit: volksnah. Das Symbol dafür war an der Medienkonferenz vom Dienstag das Fotoshooting mit der neuen Leitungscrew. Von Peter hob das Modell der Box in die Höhe und witzelte in die Runde: «Wie eine Fussballmannschaft mit dem WM-Pokal!» Die Chancen dürften nicht schlecht stehen, dass ihm das Publikum auch für seine Theaterinnovationen einen solchen in die Hand drücken wird.

Urs Mattenberger über den Aufbruch am Luzerner Theater. (Bild: Archiv Neue LZ)

Urs Mattenberger über den Aufbruch am Luzerner Theater. (Bild: Archiv Neue LZ)

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